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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Fußballer eigentlich Nerven aus Stahl oder einfach nur eine gute Portion Wahnsinn besitzen. Vor 24.091 Zuschauern im prall gefüllten Hennefer Stadion gewann der SC Hennef am Dienstagabend mit 3:2 gegen Ludwigshafen - und das nach einem Spiel, das in seiner Dramaturgie irgendwo zwischen griechischer Tragödie und Actionfilm pendelte. Schon die Anfangsphase ließ ahnen, dass Hennef an diesem 24. Spieltag der 1. Liga Deutschland nicht gewillt war, lange zu fackeln. In der 11. Minute war es Lazaros Venizelos, der nach feinem Zuspiel des jungen Franzosen Lucas Marceau den Ball trocken ins linke Eck drosch. "Ich hab nur kurz hochgeschaut und gesehen: Da ist Platz. Dann hab ich gemacht, was jeder Grieche in der Fremde tut - ich hab mein Glück selbst in die Hand genommen", grinste Venizelos später. Ludwigshafen, von Trainer Frank Seil gewohnt offensiv ausgerichtet, versuchte danach, Ordnung ins Chaos zu bringen. Mit 36 Prozent Ballbesitz und immerhin acht Torschüssen war sein Team zwar bemüht, aber selten zwingend. "Wir waren mutig, aber manchmal ist Mut halt einfach ein anderes Wort für Naivität", seufzte Seil nach dem Spiel. Nach der Pause ging es weiter, wie es aufgehört hatte - mit einem Knall. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, netzte Hennefs Routinier Krzysztof Kosecki in der 46. Minute zum 2:0 ein. Der Pass kam von Ivica Dukic, der die gegnerische Abwehr mit einem dieser butterweichen Zuspiele aushebelte, die Fans und Gegner gleichermaßen ratlos zurücklassen. "Das war so präzise, dass ich fast dachte, der Ball hätte GPS", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne. Alles schien entschieden - bis Ludwigshafen plötzlich beschloss, doch noch mitzuspielen. In der 67. Minute war es ausgerechnet Rechtsverteidiger Oleg Smertin, der mit einem trockenen Schuss den Anschlusstreffer erzielte. Nur zwei Minuten später traf Filip Krejci nach Vorlage von Joel Fournier zum Ausgleich. Innerhalb von 120 Sekunden war die Partie auf den Kopf gestellt, und Hennefs Trainer Giovanni Diaco schrie seine Spieler an der Seitenlinie an, als wolle er sie mit bloßer Stimme wieder wachrütteln. "Ich habe ihnen gesagt: Das ist kein Freundschaftsspiel und auch kein Tanzkurs!", verriet er später mit einem breiten Grinsen. Die Schlussphase war dann nichts für schwache Nerven. Ludwigshafen wechselte in der 88. und 89. Minute gleich zweimal: Der 18-jährige Klaus Schilling durfte ran, ebenso sein gleichaltriger Kollege Maximilian Geiger. "Ich wollte frischen Wind bringen", erklärte Seil. "Leider kam nur ein laues Lüftchen." Hennef hingegen blieb geduldig. 15 Torschüsse, 63 Prozent Ballbesitz, und doch schien der Ball nicht mehr ins Tor zu wollen - bis zur 91. Minute. Wieder war es Kosecki, der nach einer Flanke von Josef Bruhn am schnellsten schaltete und den Ball über die Linie drückte. Stadion, Trainer, Ersatzbank - alles explodierte. "Ich wollte eigentlich schon abpfeifen", verriet der vierte Offizielle später augenzwinkernd, "aber dann hab ich gedacht: Lass sie noch einmal zaubern." Die letzten Sekunden waren dann nur noch Jubel, Verzweiflung und ein bisschen Theater. Ludwigshafens Spieler warfen sich in jeden Ball, Hennef verteidigte wie in Trance. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Diaco seinem Co-Trainer in die Arme, während Kosecki sich mit ausgestreckten Armen vor der Kurve feiern ließ. "Ich bin 32, ich habe schon viele Spiele gesehen, aber das hier - das war Wahnsinn pur", sagte der Doppel-Torschütze später, während er mit Eisbeutel auf dem Knie und einem breiten Lächeln in der Mixed Zone stand. Statistisch passte alles zum Spiel: Hennef mit klarer Überlegenheit im Ballbesitz und in den Zweikämpfen (52 zu 48 Prozent), Ludwigshafen mit Aufbäumen und jugendlichem Elan. Nur am Ende, da zählte eben eines - Erfahrung. Oder wie Diaco es ausdrückte: "Manchmal musst du einfach alt genug sein, um cool zu bleiben, wenn’s heiß wird." Und so endete ein packender Fußballabend mit einem 3:2, das keiner so schnell vergessen wird. Ludwigshafen fuhr mit leeren Händen heim, Hennef mit drei Punkten und einem Helden namens Krzysztof Kosecki. Auf der Tribüne summte einer leise: "Fußball kann so schön sein." Und für einmal hatte er recht. 14.06.643993 02:27 |
Sprücheklopfer
Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.