Sportecho
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Hannover tanzt Bad Urach schwindlig - 3:0 und ein Hauch von Galavorstellung

Es war ein kühler Freitagabend in Hannover, aber die 43.500 Zuschauer im Stadion hatten schnell vergessen, dass man eigentlich noch einen Schal brauchte. Denn was die Elf von Daniel Dietrich da beim 3:0 gegen den FV Bad Urach ablieferte, war stellenweise so einseitig, dass man sich fragte, ob die Gäste versehentlich beim Abschlusstraining der Gastgeber mitspielen durften.

Von Beginn an spielte Hannover, als hätten sie Wut im Fuß. 27 Torschüsse, drei Tore, Ballbesitz knapp 56 Prozent - die nackten Zahlen sagen schon viel, aber die Geschichte dieses Spiels ging weit über Statistik hinaus. Schon in der vierten Minute prüfte Georges Carriere den Gästetorwart Werner Schultz, der an diesem Abend der meistbeschäftigte Mann auf dem Platz werden sollte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber plötzlich war wieder jemand von Hannover da", stöhnte Schultz nach Abpfiff - halb lachend, halb verzweifelt.

Bad Urach, das tapfere Ensemble von Giuseppe Spera, hatte sich mit einer klar defensiven Marschroute (und wohl einem Stoßgebet) aufgestellt. Das Konzept: tief stehen, kontern, hoffen. Das Ergebnis: zwei harmlose Schüsse auf das Tor von Ernesto Manuel, der sich nach dem Spiel entschuldigte, dass er keine Schweißflecken im Trikot hatte.

Der Durchbruch kam nach einer guten halben Stunde. Mike Christ, der bullige Mittelstürmer mit dem Charme eines Abrissunternehmers, traf in der 34. Minute nach perfekter Vorarbeit von Carriere. Ein klassischer Christ-Treffer - wuchtig, zielstrebig, ohne Schnörkel. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste er später, "und gehofft, dass der Ball nicht in der Nordkurve landet."

Nur fünf Minuten später drehte Carriere selbst auf: feine Ballannahme, kurzer Haken, Schuss in die lange Ecke - 2:0. Der Assist kam von Owen Macleod, der mit seinem Pass so präzise war, dass man fast an ein Navigationssystem im Ball glaubte. "Ich hab Georges nur angeschaut, und er wusste schon, was ich will", sagte Macleod. "Vielleicht sollten wir öfter so spielen."

Und weil Hannover an diesem Abend einfach nicht genug bekommen konnte, legte Christ in der 41. Minute noch einmal nach - wieder nach Vorlage von Carriere, der mittlerweile mehr glänzte als die Flutlichtmasten. 3:0, Halbzeit, und im Stadion roch es nach Schaulaufen.

Trainer Dietrich wirkte zur Pause überraschend gelassen. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen weiter Spaß haben - aber bitte nicht zu sehr", lachte er später. Und tatsächlich: In Halbzeit zwei nahm Hannover den Fuß vom Gas, kontrollierte die Partie, kombinierte sehenswert, ohne die letzte Konsequenz zu suchen. Felipe Delgado, frisch zur zweiten Hälfte eingewechselt, prüfte den Keeper mehrfach, Carriere tänzelte noch hier und da, und selbst Linksverteidiger Max McGee durfte in der 90. Minute mal abziehen - sein Fernschuss verfehlte das Tor nur knapp.

Bad Urach versuchte es derweil mit Moral und Mut, aber es blieb beim Versuch. Nevio Sauer, der 19-jährige Rechtsaußen, sorgte immerhin für zwei Torschüsse - "Ich hab’s probiert, aber der Ball wollte wohl nicht", sagte er mit einem Schulterzucken, das mehr sagte als jedes Taktikbrett. Trainer Spera blieb trotz der Klatsche gefasst: "Wir wussten, dass es schwer wird. Hannover hat einfach ein anderes Tempo. Wir haben uns trotzdem nicht versteckt - na ja, zumindest nicht die ganze Zeit."

In der Schlussphase wurde es noch kurz ruppig: Hannovers Rechtsverteidiger Cristobal Maniche sah Gelb, wohl aus Langeweile, und Gästeverteidiger Tim Roth tat es ihm in der 86. Minute gleich - beide Gelben Karten waren so unnötig wie ein Regenschirm in der Wüste.

Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Fans im Rund stehend. 3:0, drei Punkte, ein souveräner Auftritt. Hannover bleibt damit oben dran in der Tabelle, während Bad Urach mit mehr Erkenntnissen als Punkten die Heimreise antrat.

"Das war heute fast zu schön, um wahr zu sein", meinte Carriere zum Abschluss, "aber wir wissen, dass es auch mal anders laufen kann." Trainer Dietrich nickte zufrieden, aber mit ernster Miene: "Jetzt müssen wir nur noch lernen, in der zweiten Hälfte nicht in den Verwaltungsmodus zu schalten - sonst schlafen mir die Fans noch ein."

Ein bisschen übertrieben vielleicht - aber an diesem Abend durfte Hannover ruhig ein wenig übermütig sein. Wer so spielt, darf auch mal lächeln. Und Bad Urach? Die werden diesen Abend wohl als Lehrstunde verbuchen. Immerhin: Verlieren kann man auch mit Stil.

27.12.643993 19:38
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
Mehmet Scholl zur schlechten Stimmung bei den Bayern
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager