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Ein lauer Märzabend, Flutlicht, 43.500 Zuschauer im Stadion - Hannover empfing am dritten Spieltag der 1. Liga Deutschland den 1. FC Eschborn. Was nach einem Pflichtsieg aussah, entwickelte sich zur Zitterpartie mit Happy End. Am Ende jubelte die Mannschaft von Daniel Dietrich über ein 2:1 (1:1), das härter erkämpft war, als es die nüchterne Statistik vermuten lässt. Eschborn begann forsch, fast frech. In den ersten zehn Minuten feuerte die Mannschaft von Trainer Yas Sin gleich viermal auf das Tor von Oscar Warriner. Bernt Geier, Jacob Holz, Tomasz Buchholz und Fernando Antonio prüften Hannovers Nerven - und die Handschuhe ihres Gegners. "In dieser Phase dachte ich, wir hätten unseren eigenen Strafraum gemietet", knurrte Dietrich später halb im Scherz. Dann kam die 23. Minute: Marc Oliveira flankt von links butterweich auf Ediz Sargun, der sich zwischen zwei Verteidigern schiebt und den Ball trocken ins lange Eck jagt. 1:0 für Hannover - die Arena atmete auf. Sargun grinste anschließend: "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reinfliegt. Hat geklappt." Doch Eschborn blieb unbeeindruckt. Nur zwölf Minuten später konterten sie blitzsauber: Tomasz Buchholz zieht links durch, legt quer, Jacob Holz lauert und trifft eiskalt zum 1:1. "Das war Bilderbuch", lobte Sin, "genau so wollten wir sie erwischen." Die beiden Gelben Karten für seine Innenverteidiger O’Leary (26.) und Cascarino (33.) passten ihm allerdings weniger ins Drehbuch. Zur Halbzeit stand es leistungsgerecht unentschieden. Hannover hatte etwas mehr Ballbesitz (51 Prozent), Eschborn dafür den Torschuss-Vorsprung (10:9). Beides spiegelte das Gefühl auf den Rängen wider: Ein offenes, intensives Spiel mit mehr Krampf als Glanz. Nach dem Seitenwechsel reagierte Dietrich doppelt: Eskil Sundström und Ediz Sargun raus, Viktor Breschnew und Hugo Assis rein. "Wir mussten frischen Wind bringen, sonst hätten wir noch ewig quer gespielt", erklärte der Coach. Und tatsächlich - Hannover wurde druckvoller, Henrich Hlinka prüfte den Keeper gleich mehrfach. Eschborn lauerte nun auf Konter, blieb gefährlich. Fernando Antonio und abermals Holz tauchten vor Warriner auf, scheiterten aber. In der 64. Minute rauschte Hlinka an einem Querpass vorbei, da war das Publikum schon halb aufgesprungen. Dann kam die 83. Minute - die Erlösung: Nach einer undurchsichtigen Strafraumszene fällt der Ball vor die Füße von Lennard Mann. Der Mittelfeldspieler zieht ab, der Ball wird leicht abgefälscht und trudelt unhaltbar ins Netz. 2:1 - der Jubel war ohrenbetäubend. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Mann schmunzelnd, "aber wenn’s so reingeht, sag ich’s keinem." Eschborn versuchte in der Schlussphase alles, brachte in der 90. Minute gleich drei frische Kräfte - Nowak, Vetter und Frei -, doch die jungen Wilden kamen zu spät, um das Spiel noch zu drehen. Stattdessen kassierte Hannovers Spiridon Tertyschny noch Gelb (85.), was ihm immerhin ein sarkastisches Schulterklopfen seines Trainers einbrachte: "Wenn du schon Gelb holst, dann wenigstens taktisch klug." Nach dem Abpfiff applaudierten die Fans, erleichtert wie erlöst. Trainer Dietrich wirkte zufrieden, aber nicht selig: "Wir haben die falschen Bälle gespielt, aber die richtigen Tore gemacht." Kollege Sin haderte: "Wir waren über weite Strecken besser, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb." Die Statistik gibt beiden ein bisschen Recht: Hannover hatte minimal mehr Ballbesitz, Eschborn die etwas höhere Schussfrequenz. Selbst in der Zweikampfquote trennten sie nur Zehntelprozente. Es war ein Duell auf Augenhöhe - entschieden durch einen ungewollten Kunstschuss und ein bisschen Glück. Als die Flutlichter erloschen, rief ein Fan auf der Tribüne: "So spielt man sich in die Herzen - wenn man’s spannend mag!" Treffender lässt sich dieser Abend kaum beschreiben. Hannover hat jetzt sechs Punkte auf dem Konto, Eschborn fährt mit leeren Händen, aber erhobenem Kopf nach Hause. Ein bisschen Chaos, ein bisschen Glück, viel Kampf - und am Ende drei Punkte. Hannover kann’s also doch noch dramatisch. Und wer weiß: Vielleicht war das ja der Auftakt zu einer Saison, in der man wieder öfter mit geschlossenen Augen treffen darf. 16.12.643993 08:53 |
Sprücheklopfer
Das Chancenplus war ausgeglichen.
Lothar Matthäus