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Es war einer dieser kalten Januarabende, an denen der Atem über dem Rasen hängt und die Fans schon beim Einlaufen wissen: Heute wird’s kein fußballerisches Festmahl, sondern ehrliche Arbeit. 32.000 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion von Haarlem sahen am 17. Spieltag der 1. Liga Niederlande ein 1:1, das in seiner Schlichtheit fast poetisch wirkte - wenn man auf rustikale Verteidiger steht. Die Gäste aus Eindhoven, von Trainer Markus Frey gewohnt offensiv eingestellt, begannen wie eine Dampfwalze. Schon nach vier Minuten prüfte Everhart Vanderzee Haarlems Keeper Leonti Onopko - der 32‑jährige Routinier pflückte den Ball mit stoischer Ruhe vom Himmel. "Ich wollte ihn eigentlich ins Eck zirkeln", murmelte Vanderzee später, "aber Onopko hat so große Handschuhe, da war kein Platz mehr." Eindhoven feuerte aus allen Rohren: 16 Torschüsse zählten die Statistiker am Ende, und das war keine Übertreibung. Besonders Hansen Putnam im Zentrum der Gäste wirkte, als hätte er sich vorgenommen, den Ball persönlich in die Nordsee zu schießen, wenn er schon nicht ins Tor wollte. Haarlem dagegen hielt mit taktischer Disziplin und 53 Prozent Ballbesitz dagegen - viel Ball, wenig Gefahr. Die erste Halbzeit? Eher ein Schachspiel mit Stollen. Coach Simon Schneeberger schrie sich an der Seitenlinie heiser, wollte mehr Mut sehen, mehr Tempo. "Wir hatten zu viel Respekt", sagte er später. "Ich hab meinen Jungs in der Pause gesagt: Wenn ihr schon verliert, dann wenigstens beim Versuch, Fußball zu spielen." Und siehe da: In der 66. Minute geschah das Unerwartete. Nach einer Ecke von Francois Abbadie stieg Innenverteidiger Luis Marques höher als alle anderen und wuchtete den Ball per Kopf ins Netz. 1:0 für Haarlem! Das Stadion bebte, und selbst die Ordner grinsten. "Ich wollte eigentlich hinten absichern", gab Marques lachend zu, "aber dann dachte ich mir: Ein bisschen Spaß muss sein." Doch der Spaß währte kurz. Eindhoven, beleidigt von der Vorstellung, hier leer auszugehen, drehte auf. Nur acht Minuten später, in der 74. Minute, war es Jelle Landseer, der nach Vorarbeit von Abwehrmann Marek Nemeth den Ausgleich erzielte. Der Linksaußen drosch den Ball humorlos in die Maschen, als wäre er persönlich beleidigt gewesen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Landseer, "nach so vielen Chancen musste ja mal einer rein." Von da an war es ein offener Schlagabtausch - zumindest, was die Statistik betrifft. In Wahrheit drückte Eindhoven, Haarlem verteidigte mit allem, was Beine hatte. Rikki Roorback holte sich in der Nachspielzeit noch Gelb, vermutlich für seinen Versuch, Landseer am Trikot zu hypnotisieren. Der junge Rechtsverteidiger zuckte danach nur mit den Schultern: "Ich dachte, das zählt als Körperkontakt." Trainer Frey wirkte nach dem Schlusspfiff leicht genervt. "Wir hatten das Spiel im Griff, aber Fußball ist eben kein Wunschkonzert", sagte er, während er in seinen Notizblock kritzelte. Schneeberger dagegen nahm den Punkt mit sichtbarer Erleichterung: "Nach so einem Spiel weißt du, warum du Trainer bist - oder warum du bald Urlaub brauchst." Taktisch blieb Haarlem über weite Strecken ausgewogen, während Eindhoven mit offensiver Ausrichtung und langen Bällen operierte, als wäre der Mittelkreis eine Abschussrampe. Besonders auffällig: In der zweiten Halbzeit stellte Frey auf "Pressing: YES" - und prompt drückten seine Spieler Haarlem tief in die eigene Hälfte. Doch Onopko im Tor und eine beherzte Abwehrreihe verhinderten Schlimmeres. Fünf Schüsse für Haarlem, sechzehn für Eindhoven - das Ergebnis 1:1 erzählt eine andere Wahrheit: Effizienz schlägt Überlegenheit, zumindest manchmal. Und so gingen die 32.000 Zuschauer nach 90 Minuten leicht frierend, aber irgendwie zufrieden nach Hause. Sie hatten kein Spektakel gesehen, aber ehrlichen Fußball - mit Flanken, Fehlschüssen, Schweiß und einem Hauch Chaos. Ein älterer Fan auf der Tribüne brachte es auf den Punkt: "Das war kein schönes Spiel, aber ein gutes." Und während die Flutlichter langsam erloschen, klopfte Luis Marques seinem Trainer auf die Schulter. "Chef", sagte er, "wenn ich wieder treffe, darf ich Freistöße schießen?" Schneeberger grinste müde: "Nur, wenn du vorher keine Gelbe holst." Ein Satz, der sinnbildlich für diesen Abend stand: Ein bisschen Disziplin, ein bisschen Wagemut - und am Ende ein Punkt, der sich für Haarlem anfühlte wie ein kleiner Sieg. 23.07.643987 07:37 |
Sprücheklopfer
Ein Denkmal will ich nicht sein, darauf scheißen ja nur die Tauben.
Toni Polster auf die Frage, ob er in Köln schon ein Denkmal sei