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Es war eine dieser Nächte, in denen man das Gefühl hatte, der Fußball hätte sich ein Drehbuch mit besonders viel Drama geschrieben. 32.000 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion von Haarlem erlebten beim 15. Spieltag der 1. Liga Niederlande ein Wechselbad der Gefühle: Der SC Haarlem besiegte den FC Sittard nach Rückstand noch mit 2:1 (0:1) - dank eines späten Aufbäumens, das Trainer Simon Schneeberger später trocken kommentierte: "Wir haben halt beschlossen, in der zweiten Halbzeit auch mal mitzuspielen." Die Partie begann mit viel Tempo - zumindest von den Gastgebern. Schon in der dritten Minute prüfte Georg Pettersson den Sittarder Keeper Eustatius Spoor, der sich mit einer Flugeinlage Marke "Torwartposter" auszeichnete. "Ich wollte einfach gut aussehen", grinste Spoor später, als er das Abtrocknen seiner Handschuhe gleich mit einem kleinen Interview verband. Haarlem drückte weiter, Pettersson drosch den Ball in der 7. und 9. Minute jeweils knapp vorbei. Doch wie so oft bestraft der Fußball die, die zu verschwenderisch mit Chancen umgehen. In der 34. Minute schlug Sittard zu: Der junge Barend Wyman, 23 Jahre jung und mit der Gelassenheit eines erfahrenen Dirigenten, vollendete nach Vorarbeit des 17-jährigen Karel Sutphen zum 0:1. Der Gästeblock tobte, während Haarlems Keeper Leonti Onopko fassungslos auf seine Vorderleute blickte - vermutlich auf der Suche nach einem Schuldigen. "Ich dachte, der steht im Abseits", murmelte Innenverteidiger Jacob Schröder später in der Mixed Zone, wohl wissend, dass das kein Schiedsrichter der Welt hören will. Die Hausherren brauchten eine Weile, um sich von diesem Nadelstich zu erholen. Zwar dominierten sie mit 54 Prozent Ballbesitz und mehr als doppelt so vielen Abschlüssen (16:10), aber im letzten Drittel fehlte die Präzision. Als Werner Thorsen in der 20. Minute zudem Gelb sah, weil er einen Sittarder Konter rustikal beendete, war klar: Das wird kein Spaziergang. Nach der Pause schien Simon Schneeberger die richtigen Worte gefunden zu haben. Haarlem kam mit Dampf aus der Kabine - und diesmal passte die Choreographie. In der 51. Minute bediente Filipe Morte mit einem butterweichen Pass den startenden Javier Pauleta, der den Ball eiskalt ins rechte Eck schlenzte. 1:1 - und das Stadion erwachte endgültig. "Ich hab’s einfach ausprobiert", sagte Pauleta später mit einem Grinsen, "und diesmal hat der Ball mich verstanden." Das Spiel wurde nun offener, körperlicher, mit gelegentlichen Einlagen aus dem Bereich Theatersport. Besonders in der 66. Minute, als Sittards Trainer Patrick We gleich doppelt leiden musste: Zuerst musste er seinen Routinier Zeeman Schuyler vom Platz nehmen, dann verletzte sich dessen junger Ersatzmann Michel Devenpeck kurz nach dem Betreten des Rasens. "Manchmal frage ich mich, ob das Karma ist oder einfach Pech", seufzte We hinterher. Haarlem blieb am Drücker, und in der 82. Minute fiel die Entscheidung. Edvin Thuesen zog über links an, flankte scharf nach innen, und Filipe Morte rauschte heran wie ein verspäteter Zug - 2:1! Der Jubel war ohrenbetäubend. Morte, der schon beim Ausgleich beteiligt war, ballte die Fäuste und verschwand fast in der Menschenmenge aus Mitspielern. "Ich hab nur noch grün gesehen - und das war der Rasen", erzählte er lachend. Sittard versuchte in den Schlussminuten, noch einmal Druck aufzubauen. Noach Groesbeck hatte in der 85. Minute die große Chance, aber Onopko hielt das Ergebnis fest. In der Nachspielzeit humpelte dann noch Torschütze Pauleta vom Feld - eine Zerrung, nichts Dramatisches, wie Trainer Schneeberger versicherte. "Er hat sich beim Jubeln zu sehr gefreut", witzelte der Coach, um gleich wieder ernst zu werden: "Aber das war ein Sieg des Willens. Und vielleicht auch ein bisschen des besseren Kaffees in der Halbzeitpause." Mit 2:1 dreht Haarlem also ein verlorenes Spiel und festigt damit den Platz im oberen Tabellendrittel. Sittard dagegen reist mit leeren Händen und einer Verletztenliste nach Hause, die länger ist als das eigene Torschussprotokoll. Zum Schluss noch eine kleine Szene am Spielfeldrand: Ein älterer Fan, mit Schal und belegter Stimme, fasste das Spiel treffend zusammen. "Erste Halbzeit Schlaftablette, zweite Halbzeit Espresso doppio." Besser kann man es kaum sagen. 09.07.643987 13:16 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel