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Es war einer dieser Abende, an denen Fußballromantik und Tragikomödie Hand in Hand gingen. Vor 38.599 Zuschauern im Estadio Municipal von Cerrense verlor der Gastgeber CD Cerrense mit 0:1 gegen Athletic Maldonado - ein Ergebnis, das Trainer Leahcim Gnipeur später als "tragisch schön, wenn man neutral wäre" bezeichnete. Leider war er nicht neutral. Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Schon in der ersten Minute prüfte Hugo Pacos den gegnerischen Keeper Petri Ylönen mit einem wuchtigen Schuss, der die Hände des Finnen vermutlich noch heute kribbeln lässt. Cerrense dominierte das Spiel, verzeichnete 60 Prozent Ballbesitz und zwölf Torschüsse - aber der Ball wollte einfach nicht über die Linie. Athletic Maldonado dagegen brauchte keine Schönheit, sondern Effizienz. Trainer Huub Stevens hatte sein Team offensiv ausgerichtet, aber zugleich auf Geduld getrimmt. "Wir wussten, Cerrense wird rennen, passen, dribbeln - und irgendwann müde werden. Dann wollten wir zustechen", erklärte der erfahrene Coach mit einem Lächeln, das man nur tragen kann, wenn man mit einem einzigen Torschuss Geschichte schreibt. Denn tatsächlich: Der entscheidende Moment kam in der 75. Minute. Bruno Godino, eigentlich linker Verteidiger und nicht gerade als Torjäger bekannt, rauschte nach einem feinen Pass von Mittelfeldstratege David Peña auf der linken Seite heran. Cerrenses Abwehr stand kurz still - vielleicht aus Schock, vielleicht aus Staunen - und Godino hämmerte den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. 1:0 für Maldonado - und plötzlich verstummte das Stadion, als hätte jemand den Ton abgeschaltet. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Godino später grinsend, "aber der Ball hatte andere Pläne." Stevens kommentierte trocken: "Wenn du’s nicht erklären kannst, nenn es Absicht." Die Ironie des Abends: Nur wenige Minuten zuvor hatte Maldonado ein echtes Chaos erlebt. In der 64. Minute sah der junge Albert Adao Gelb, und als er in der 71. erneut übermotiviert in einen Zweikampf grätschte, schickte ihn der Schiedsrichter mit Gelb-Rot vom Platz. Zehn Mann, noch zwanzig Minuten zu gehen - normalerweise das Rezept für ein Drama. Doch statt Panik verfiel Maldonado in stoische Ruhe. "Huub hat uns zugerufen, wir sollen einfach so tun, als wären wir zu elft", erzählte Kapitän Peña nach dem Spiel. "Das haben wir gemacht. Nur halt ohne Albert." Cerrense drückte, flankte, schoss - aus allen Lagen, mit allen Mitteln. Joao Gomes zirkelte in der 36. Minute knapp vorbei, Sean MacPhee traf in der 70. nur den Pfosten, und Innenverteidiger Alejandro Xuarez köpfte in der 89. Minute über das Tor, als Stürmer Jose Enrique Vazquez schon die Arme zum Jubel hob. "Ich schwöre, der Ball hat plötzlich Rückenwind bekommen", klagte Xuarez nach dem Abpfiff, "das war physikalisch unmöglich!" Die Statistik sprach am Ende Bände: 60,5 Prozent Ballbesitz für Cerrense, zwölf Schüsse auf das Tor, aber null Treffer. Maldonado dagegen mit elf Schüssen, einem Tor und einem makellosen Torwart. "Das ist Fußball", sagte Stevens, "nicht Mathematik." Auch die Emotionen kochten nach dem Spiel hoch. Cerrenses Trainer Gnipeur, sonst ein ruhiger Taktiker, raufte sich am Spielfeldrand die Haare. "Wir hatten alles im Griff - Ball, Gegner, Zeit. Nur den Torpfosten nicht." Als ihn ein Reporter fragte, ob sein Team zu defensiv eingestellt gewesen sei, lachte er bitter: "Wir waren defensiv - aber mit Stil. Nur leider ohne Tore." Für Maldonado war der Sieg nicht nur ein Befreiungsschlag, sondern fast ein kleines Fußballmärchen. In Unterzahl, auswärts, mit einem Verteidiger als Torschützen - das sind die Geschichten, die man noch seinen Enkeln erzählt. Stevens wollte davon jedoch nichts wissen: "Wir nehmen die drei Punkte, fahren heim und schlafen gut. Mehr Romantik brauche ich nicht." Während die Fans von Cerrense enttäuscht in die Nacht trotteten, sang der kleine Gästeblock euphorisch, als hätte Maldonado gerade die Meisterschaft gewonnen. Vielleicht fühlte es sich auch genau so an. Am Ende bleibt ein Satz, der das Spiel perfekt beschreibt: Cerrense spielte den schöneren Fußball - Maldonado machte das schönere Tor. Und das ist, wie man weiß, nicht ganz dasselbe. Oder, um es mit den Worten von Bruno Godino zu sagen, dem Helden des Abends: "Manchmal ist Glück auch nur ein Schuss mit geschlossenen Augen." 31.01.643994 15:28 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack