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Ein Fußballspiel kann manchmal in der zweiten Minute entschieden werden - und dann trotzdem noch 88 Minuten dauern. So geschehen am Donnerstagabend in Luzern, wo Blau-Weiss Luzern den FC Aarberg mit 1:0 besiegte. 37.306 Zuschauer sahen, wie Diego Giuliani gleich in der Anfangsphase traf und damit den einzigen Treffer des Abends markierte. Danach? Ein Mix aus Chancenwucher, jugendlicher Unbekümmertheit und taktischer Geduld, die an Zen-Meditation erinnerte - zumindest bei den Luzerner Fans. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber Finn hat ihn irgendwie noch reingeschaufelt", grinste Giuliani nach dem Spiel über seinen Treffer, der nach einer Flanke von Finn Hase fiel. In der 2. Minute stand der rechte Mittelfeldspieler goldrichtig und schob den Ball an Aarbergs Keeper Diego Zapatero vorbei. Trainer Reinhard Wild kommentierte trocken: "Wir wollten früh Druck machen - dass es so schnell klappt, war der Plan in schönster Theorie." Danach entwickelte sich eine Partie, die weniger durch Spektakel als durch Spannung glänzte. Aarberg, taktisch auf "ausgewogen" eingestellt, hatte mit 51 Prozent etwas mehr Ballbesitz, kam aber selten gefährlich in den Luzerner Strafraum. Nur drei Torschüsse verzeichneten die Gäste insgesamt - und keiner davon zwang Torhüter Robert Siebert zu einer Glanzparade. "Wir haben wohl zu sicher gespielt", murmelte Aarbergs Trainer Joao Alves später und fügte mit einem Schmunzeln an: "Unsere Schüsse waren so sicher, dass sie lieber vorbeigingen als rein." Luzern dagegen agierte mit offenem Visier. Zwölf Abschlüsse, einige brandgefährlich - besonders von Dylan Bosworth, der zwischen der 7. und 77. Minute gleich dreimal abzog. Der Ball wollte aber einfach nicht mehr ins Netz. Einmal rettete die Latte, einmal Zapatero mit den Fingerspitzen und einmal ein eigener Mitspieler, der unfreiwillig blockte. In der 54. Minute hatte der erst 17-jährige Henri Diarra die Vorentscheidung auf dem Fuß. Nach feinem Zuspiel von Mantovani zog er ab, der Ball strich Zentimeter am Pfosten vorbei. "Ich dachte schon, der Pfosten ist mein Freund - aber der wollte wohl lieber Aarberg helfen", scherzte der Youngster später. Die zweite Halbzeit brachte viele Wechsel, aber wenig Neues. Wild brachte Vrooman für Hougaard, später Born und Stock, um die Defensive zu stabilisieren. Auf der Gegenseite reagierte Alves doppelt zur Pause - Photopoulos und Sousa kamen, später Viana. Doch die Veränderungen brachten kaum Schwung. Zwischenzeitlich sorgten zwei Gelbe Karten auf Aarberger Seite (Garaba 72., Sousa 73.) für etwas Farbe in einem Spiel, das sonst in Blau und Weiß getaucht war. Einziger Schönheitsfehler bei Luzern: Finn Hase sah in der 62. Minute Gelb, nachdem er mehr Ball als Gegner traf, der Schiedsrichter aber offenbar anderer Meinung war. "Zehn Zentimeter Ballkontakt reichen wohl nicht mehr", kommentierte Hase mit einem schiefen Grinsen. Statistisch war die Partie eine kleine Kuriosität: Luzern mit etwas weniger Ballbesitz (48 Prozent), aber klar mehr Schüssen (12:3) und einer besseren Zweikampfquote (56 zu 44 Prozent). Aarberg spielte gefällig, aber mutlos, während Luzern zwar mutig, aber ineffizient blieb. Die Schlussphase verlief ohne große Aufreger - sieht man von einer fast schon heroischen Grätsche des eingewechselten Jan Born ab, der in der 88. Minute eine Flanke blockte, die sonst gefährlich geworden wäre. Kurz darauf noch zwei Distanzversuche von Diarra und Benveniste, beide knapp vorbei - und dann war Schluss. Trainer Wild zeigte sich nach dem Abpfiff zufrieden, wenn auch nicht euphorisch: "Wir haben solide gespielt, aber man hätte es früher zumachen können. Andererseits - 1:0 klingt klein, ist aber groß genug für drei Punkte." Aarbergs Joao Alves nahm es mit Galgenhumor: "Wir haben das Spiel kontrolliert - leider nur geografisch. Der Ball war meistens da, wo wir ihn nicht wollten." So bleibt Blau-Weiss Luzern im oberen Tabellendrittel der 1. Liga Schweiz und bestätigt seine Heimstärke. Ein frühes Tor, ein diszipliniertes Nachfassen und eine Prise jugendlicher Leichtsinn - mehr brauchte es an diesem Abend nicht. Und wer früh ins Stadion gekommen war, wurde belohnt. Wer zu spät kam, hat das Tor verpasst - und den Rest trotzdem gesehen. 07.07.643993 11:10 |
Sprücheklopfer
Dann lebe ich in Oslo, spiele immer noch Fußball und bin immer noch so langsam.
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was er mit 85 Jahren machen wird