// Startseite
| Sportecho |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war ein Abend für die Freunde gepflegter Fußball-Dramaturgie: 37.850 Zuschauer im Ilmenauer Stadion sahen ein Spiel, das alles hatte - Tempo, Emotionen, Gelbe Karten und einen Torwartwechsel, der so aussah, als sei er mehr Nervensache als nötig. Germania Ilmenau und der Bonner SC trennten sich am 33. Spieltag der 1. Liga Deutschland mit 1:1, ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie nicht so recht schmecken wollte. Die Partie begann mit erstaunlich viel Offensivdrang auf beiden Seiten. Bonn, unter Trainer Lukas Teuber bekannt für seine mutigen Flügelangriffe, startete mit Druck. Schon nach zehn Minuten prüfte Amaury Costinha Ilmenaus Keeper Vitorino Manu mit einem satten Distanzschuss. Der Ball zischte knapp am Pfosten vorbei - ein frühes Warnzeichen. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht zum Kaffeetrinken angereist sind", grinste Bonns Coach später trocken. Doch dann kam die 21. Minute - und der Moment, in dem die Ilmenauer Fans kollektiv aufsprangen. Nach einem schnellen Doppelpass zwischen Jesus Korn und Lucas Reimann zog Reimann aus halbrechter Position ab und ließ Bonns Torhüter Amaury Panero keine Chance. Der Ball schlug unhaltbar im langen Eck ein: 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Reimann danach lachend. "Jesus hat mir den Ball perfekt aufgelegt - im wahrsten Sinne." Von da an spielte Germania, was man landläufig "mutig, aber nicht immer klug" nennt. Der Ballbesitz (45,9 Prozent) sprach gegen sie, die Leidenschaft dafür umso mehr. Trainer Thorben Hartung gestikulierte an der Seitenlinie, als wollte er seine Spieler per Körpersprache nach vorne schieben. "Wir wollten das zweite Tor, wir hätten es auch verdient gehabt", meinte er später, nicht ohne ein leichtes Augenzwinkern. Tatsächlich kamen Reimann (28., 36.) und Jari Vuorinen (24.) zu guten Möglichkeiten, fanden aber immer wieder in Panero ihren Meister. Nach der Pause änderte sich das Bild. Bonn wurde stärker, Ilmenau ließ nach. Die Rheinländer kombinierten sich über die Flügel, Cameron Prinsloo und Miguel Deco wirbelten, als hätten sie nie etwas anderes getan. In der 58. Minute dann die kalte Dusche für die Gastgeber: Prinsloo flankte präzise von rechts, Costinha stieg im Strafraum hoch und köpfte zum 1:1 ein. Es war sein zweiter Versuch in dieser Szene - und diesmal passte alles. "Der Ball war butterweich, da muss er einfach rein", kommentierte Costinha später mit einem Grinsen, das wohl auch noch in Bonn zu sehen war. Ilmenau reagierte mit Wut im Bauch, aber ohne Fortune. Hartung brachte nach 55 Minuten Ben Haase für Carsten Funk, später auch den jungen Louis Cascarino, der frischen Wind ins Mittelfeld brachte. Doch das Glück blieb aus. Selbst ein waghalsiger Kopfball von Fynn Hennig in der 92. Minute verfehlte das Ziel knapp. Zwischenzeitlich sah Rafael Weis (62.) Gelb, weil er meinte, er könne ein taktisches Foul mit einem charmanten Lächeln kaschieren - der Schiedsrichter sah das anders. In der 74. Minute sorgte Hartung dann für einen Moment, der im Stadion für Stirnrunzeln sorgte: Er wechselte den Torwart. Vitorino Manu raus, Luis Kern rein - angeblich wegen einer "leichten muskulären Verhärtung". Auf der Tribüne vermutete man eher Nervenschwäche nach Bonns Dauerbeschuss. Kern hielt allerdings souverän, vor allem in der 84. Minute, als Yannick Van Moer frei vor ihm auftauchte. Statistisch gesehen war’s ein ausgeglichenes Duell: Beide Teams mit je zehn Torschüssen, Bonn mit etwas mehr Ballbesitz (54,1 Prozent), aber ohne die ganz große Durchschlagskraft. "Es war ein gerechtes Unentschieden, aber eines, das sich wie eine Niederlage anfühlt", seufzte Ilmenaus Trainer Hartung. Sein Bonner Kollege Teuber konterte: "Wenn wir hier einen Punkt holen, ist das kein Zufall, sondern Qualität." Am Ende verließen beide Teams das Feld mit gemischten Gefühlen. Die Fans klatschten, teils aus Anerkennung, teils aus Frust. Lucas Reimann wurde zum "Man of the Match" gewählt - obwohl er kopfschüttelnd meinte: "Ich hätte den Sack zumachen müssen." Fazit eines Abends, der alles bot außer Siegerlaune: Germania Ilmenau zeigte Herz, der Bonner SC Effizienz, und beide zeigten, warum Fußball manchmal gerechter ist, als man glaubt - und manchmal eben auch nicht. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Schön war’s - aber ein zweites Mal brauch ich das nicht." 26.09.643993 06:11 |
Sprücheklopfer
Man wusste bei mir immer, wo ich dran war.
Günter Netzer über seine rhetorischen Fähigkeiten