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Es war ein kalter Februarabend in Bern, aber auf dem Rasen des Stadions von Breitenrain ging es heiß her: Der FC Breitenrain besiegte den SC Carouge mit 2:1 (2:0) und feierte damit einen Arbeitssieg, der mehr nach Leidenschaft als nach Leichtigkeit roch. 39.323 Zuschauer sahen ein Spiel, das in der ersten Halbzeit entschieden wurde - und in der zweiten beinahe wieder auf der Kippe stand. Es begann furios: Schon in der 8. Minute zirkelte Jean-Pierre Gaudin, der an diesem Abend alles traf, was sich bewegte (außer den Schiedsrichter), den Ball nach feinem Zuspiel von Aaron Saint-Pierre ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Gaudin später. "Wenn man so früh trifft, denkt man ja, das wird ein lockerer Abend. War’s aber nicht." Trainer Markus Stoller nickte dazu trocken: "Jean-Pierre hat manchmal den Kopf in den Wolken - heute war er genau da, wo er hingehört: im Strafraum." Und tatsächlich: Breitenrain blieb dran, spielte mutig, offensiv, wie es Stollers Handschrift entspricht. 13 Torschüsse, 44,9 Prozent Ballbesitz - das klang nach kontrollierter Offensive mit Beton im Mittelfeld. In der 35. Minute war es wieder Gaudin, der nach einer scharfen Flanke von Alberto Mendilibar das 2:0 machte. Ein Tor, das so schön war, dass selbst der Linienrichter kurz vergaß, die Fahne zu heben. Doch nicht alles lief glatt. Nur zwei Minuten vor seinem zweiten Treffer musste Linksverteidiger Ewan Marley verletzt raus. "Es hat gezwickt wie ein Schweizer Taschenmesser", sagte er später mit einem gequälten Lächeln. Ersatzmann Jake Gramont fügte sich ordentlich ein, doch die linke Seite verlor etwas an Stabilität. Carouge, das in der ersten Halbzeit erstaunlich zahm wirkte, kam nach der Pause entschlossener zurück. Trainer Stefan Häusler hatte offenbar die richtigen Worte gefunden - oder zumindest laut genug gesprochen. "Ich hab ihnen gesagt, dass sie ruhig mal näher an den Ball dürfen", meinte er hinterher mit einem ironischen Schulterzucken. Und siehe da: Nach einer Gelben Karte für Paulo Gomez (52.) und mehreren Halbchancen kam in der 67. Minute die Belohnung. Nikanor Jorkin, der flinke Linksaußen der Gäste, brachte nach Vorarbeit von Javier Zaera den Ball überlegt ins Tor. 2:1 - plötzlich wackelte Breitenrain. "Da haben wir kurz gedacht, wir spielen Beachvolleyball", gab Torwart Ognjen Stankovic zu. "Die Bälle kamen von überall, nur nicht dahin, wo wir sie wollten." Carouge drückte nun. Insgesamt hatten sie 55 Prozent Ballbesitz und zehn Torschüsse - doch der Ausgleich sollte nicht mehr fallen. In der 90. Minute brachte Stoller den 18-jährigen Joao Martins, um die letzten hohen Bälle abzufangen. "Ich hab ihm gesagt: Einfach hochspringen und so tun, als wärst du älter", erzählte der Trainer schmunzelnd. Martins tat genau das - und Carouge blieb trotz wütender Versuche von Riley Donahue und Filippo Cossu erfolglos. In der Nachspielzeit kassierte Carouges Abwehrchef Jean Lefebvre noch Gelb, nachdem er Gaudin fast bis auf die Zuschauerränge begleitet hatte. "Ich wollte nur sicherstellen, dass er Autogramme verteilt", witzelte Lefebvre nach dem Abpfiff. Am Ende stand ein 2:1, das Breitenrain in der Tabelle nach oben schiebt und Carouge mit leeren Händen zurücklässt. "Wir haben’s wieder spannend gemacht - das ist ja unser Markenzeichen", sagte Stoller mit einem Augenzwinkern. "Aber manchmal darf’s auch gern langweilig werden." Gaudin wurde zum Mann des Abends gewählt, nicht nur wegen seiner zwei Tore, sondern wegen seiner unermüdlichen Laufarbeit. "Ich wollte eigentlich nach dem zweiten Treffer raus", gestand er lachend. "Aber der Trainer hat so getan, als hätte er mich nicht gehört." So blieb es beim 2:1, einem Ergebnis, das nüchtern betrachtet verdient war. Breitenrain war effizienter, Carouge verspätet ehrgeizig. Die Statistik spricht Bände: 13 zu 10 Torschüsse, 50 zu 49 Prozent Zweikampfquote - ein enges Spiel, bei dem Kleinigkeiten entschieden. Und während die Fans jubelten, verabschiedete sich Markus Stoller mit einem Grinsen in die Kabine: "Ich sag’s euch: Wenn Gaudin noch so weitermacht, müssen wir ihm bald Eintritt verlangen." Ein typischer Breitenrain-Abend also - laut, leidenschaftlich, mit Herzklopfen bis zur letzten Minute. Wer da ruhig geblieben ist, war entweder neutraler Beobachter oder schon beim Bierstand. 04.01.643991 20:23 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel