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Gauchos stolpern - Maldonado tanzt: 0:3-Demonstration im Estadio Central

Es war ein lauer Sommerabend in Montevideo, 39.366 Zuschauer fächelten sich die Hitze aus dem Gesicht, als die Gauchos Montevideo und Athletic Maldonado zum 30. Spieltag der uruguayischen Liga einliefen. Was dann folgte, war weniger ein Fußballspiel als vielmehr eine eindrucksvolle Lehrstunde in Sachen Effizienz und Zielstrebigkeit - zumindest aus Sicht der Gäste. Die Gauchos dagegen wirkten, als hätten sie den Anpfiff mit einer Siesta verwechselt.

Schon nach einer Viertelstunde war klar, wer hier den Takt vorgab. Maldonado kombinierte flüssig, zielstrebig und mit jener unverschämten Leichtigkeit, die man nur hat, wenn man weiß, dass man der bessere Fußballer ist. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir nicht zum Sightseeing gekommen sind", grinste Athletic-Coach Huub Stevens später - eine Mischung aus holländischer Gelassenheit und südamerikanischem Selbstbewusstsein.

In der 27. Minute dann das erste Ausrufezeichen: Shefki Sainio, der finnische Wirbelwind auf der rechten Seite, schloss eine sehenswerte Kombination ab, die Vitorino Goncalves aus der Zentrale eingeleitet hatte. 0:1 - und das völlig verdient. Während die Gauchos noch mit dem Schiedsrichter diskutierten, ob der Ball vielleicht zu schön gewesen sei, um zu zählen, holte sich Maldonado bereits den nächsten Ball aus dem Netz, um weiterzuspielen.

Bis zur Pause blieb es beim knappen Rückstand, aber nur, weil Athletic Maldonado entweder Mitleid hatte oder an akuter Chancenverschwendung litt. Mit 12 Torschüssen allein im ersten Durchgang dominierten sie, während Montevideo ganze null verzeichnete. Der Heimtrainer - dessen Name die Statistik leider verschluckt hat, vielleicht aus Selbstschutz - gestikulierte wild, aber das half so wenig wie ein Sonnenschirm im Sturm.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich - nichts. Maldonado blieb offensiv, zielstrebig, elegant. Und wieder war es Shefki Sainio, der in der 51. Minute zuschlug, erneut nach Vorarbeit von Goncalves. Ein Muster, das man fast als Kunstwerk bezeichnen könnte: Pass in die Tiefe, schneller Antritt, trockener Abschluss. Der Torwart der Gauchos, Cristobal Antonio, streckte sich vergeblich - und blickte danach in den Himmel, als hoffe er auf göttliche Unterstützung.

"Wir haben uns vorgenommen, das Spiel zu genießen", sagte Sainio später mit einem schelmischen Grinsen und einer Eistüte in der Hand. "Und wenn’s Spaß macht, fallen die Tore von allein." Dass er kurz vor Schluss noch verletzt raus musste, trübte die Euphorie kaum - seine Mannschaft hatte da längst alles entschieden.

In der 81. Minute machte Silvestre Antunes den Deckel drauf. Nach schöner Vorarbeit von Julian Deco traf der rechte Mittelfeldspieler zum 0:3. Die Gauchos verteidigten in diesem Moment wie eine Gruppe Touristen beim Busausstieg - orientierungslos, höflich distanziert, aber ohne jede Härte.

Die Statistik sprach Bände: 20 zu 1 Torschüsse für Maldonado, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, drei Tore. Die Gauchos mochten zwar etwas mehr Ballbesitz haben (53 Prozent), aber was nützt das, wenn man mit dem Ball lieber Freundschaft schließt, statt ihn Richtung Tor zu schießen?

Anton Bloch und Elliot Brady holten sich immerhin noch Gelbe Karten ab - vermutlich, um zu zeigen, dass sie überhaupt da waren. "Wir haben uns bemüht", sagte Bloch nach dem Spiel, "aber irgendwie war der Ball heute allergisch gegen uns."

Huub Stevens dagegen genoss seinen Abend: "So ein Spiel macht Spaß. Wir waren mutig, zielstrebig und haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Nur beim Feiern müssen die Jungs noch üben - zwei tanzen Samba, einer Polka."

Am Ende verließen die Fans die Tribünen kopfschüttelnd. Einige pfiffen, andere lachten, ein paar applaudierten sogar. Vielleicht aus Höflichkeit. Denn wer Fußball liebt, konnte Maldonado heute durchaus bewundern - und wer die Gauchos liebt, konnte immerhin auf bessere Zeiten hoffen.

Ein Reporter-Kollege meinte beim Rausgehen: "Die Gauchos hatten den Ball, Maldonado das Spiel." Treffender lässt sich dieser Abend kaum zusammenfassen.

Und irgendwo in der Kabine, während Huub Stevens vermutlich schon den nächsten Gegner auf Video studierte, dürfte ein erschöpfter Shefki Sainio gedacht haben: "Drei Punkte, zwei Tore, eine Eiscreme - besser wird’s nicht."

So endete ein Spiel, das für die Gauchos ein Albtraum und für Maldonado ein Sonntagsspaziergang war - nur eben an einem Samstagabend in Montevideo.

01.01.643988 05:38
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Die italienischen Vereine sagen mir: Von der Ablösesumme für Emerson könnt ihr euch doch zwei Spieler kaufen. Ich antworte denen dann immer: Dann kauft euch die doch selbst.
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