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Es war einer dieser Abende in Montevideo, an denen man merkt, warum Fußball manchmal mehr mit Geduld als mit Genie zu tun hat. 41.798 Zuschauer im Estadio Jardines del Hipódromo warteten lange auf den ersten Treffer - und wurden schließlich mit einem 3:0-Sieg ihrer Franja Danubio gegen CD Cerrense belohnt. Nach einer torlosen, zähen ersten Hälfte drehte die Mannschaft von Trainer Diego Cristilli nach der Pause auf - und ließ Cerrense mit hängenden Köpfen zurück. "Ich habe in der Kabine nur gesagt: Wenn ihr so weitermacht, stehen wir morgen noch hier", grinste Cristilli nach dem Spiel. Offenbar wirkte’s. Denn kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, legten die Hausherren los wie ein entfesseltes Orchester, bei dem endlich der Dirigent auftauchte. Den Auftakt machte Hugo Galvão in der 56. Minute. Nach feiner Vorarbeit von Filipe Fontàs zog der Linksaußen aus spitzem Winkel ab - und Cerrenses Keeper Thierry Benveniste konnte dem Ball nur noch hinterherschauen. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Galvão später schmunzelnd zu, "aber der Ball hatte andere Pläne." Cerrense versuchte danach, die Partie noch einmal offen zu gestalten. Doch wer nur drei Torschüsse in 90 Minuten zustande bringt, darf sich über einen Abend ohne Treffer kaum wundern. "Uns fehlte die letzte Überzeugung, vielleicht auch der Glaube", meinte Gästecoach Leahcim Gnipeur, der zwischen Verzweiflung und Ironie schwankte. "Oder der Ball war einfach allergisch gegen unser Trikot." Danubio hatte hingegen Blut geleckt - und Filipe Fontàs offenbar Gefallen daran gefunden, den Spielmacher zu geben. In der 67. Minute servierte er mustergültig auf Patrick Sanci, der den Ball trocken ins linke Eck schob. 2:0, und das Stadion bebte. "Ich hatte schon in der ersten Halbzeit fünfmal aufs Tor geschossen, aber da war’s wohl zu früh am Tag", witzelte Sanci später. Cerrense reagierte mit einem Wechsel-Doppelpack: Gerd Vilhelmsen kam früh für den verletzten Riley Anderson, der sich nach einem Zweikampf schon in der 30. Minute am Oberschenkel hielt - ein herber Rückschlag für die Gäste, die ohnehin wenig Offensivdrang zeigten. In der 73. Minute sah Ricardo Menendo noch Gelb, und spätestens da war klar: Es sollte kein glücklicher Abend mehr werden. Kurz vor Schluss setzte Pablo Nene den Deckel drauf. Wieder war es - man ahnt es - eine Vorlage von Fontàs, die den Stürmer perfekt in Szene setzte. Nene schob überlegt ein (84.) und ließ sich danach mit ausgestreckten Armen feiern, während Cristilli an der Seitenlinie lächelnd applaudierte. "Wenn Filipe heute noch einen Assist mehr gemacht hätte, hätte ich ihm den Spielball geben müssen", witzelte der Coach. Statistisch war das Spiel eine klare Angelegenheit: 16:3 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von über 57 Prozent für Danubio sprechen eine deutliche Sprache. Cerrense wirkte zwar bemüht, aber zu harmlos. Manchmal sah es fast so aus, als wollten sie den Gegner lieber höflich bitten, das Spiel zu gewinnen. Auf den Rängen feierten die Fans ausgelassen - einer rief lautstark: "Filipe for President!", was prompt Applaus aus der Nachbarreihe einbrachte. Der Mann des Abends, bescheidener als sein Publikum, sagte später: "Ich habe einfach Spaß am Fußball. Und wenn man Spaß hat, kommt der Rest von allein." Trainer Cristilli fasste es nüchtern zusammen: "Das war kein Feuerwerk, aber ein solides Lagerfeuer. Wir haben unser Ding gemacht, ruhig, konzentriert - und am Ende brannte Cerrense nur noch auf den Schlusspfiff." Für Cerrense bleibt immerhin die Erkenntnis, dass man sich auch mit offensiver Taktik (zumindest laut Statistik) defensiv präsentieren kann. Gnipeur verabschiedete sich mit einem schiefen Lächeln: "Wir hatten einen Plan. Leider hatte Danubio drei bessere." Ein 3:0 also, das klarer nicht hätte sein können - und doch zeigte: Fußball ist manchmal ein Geduldsspiel. Franja Danubio wartete 45 Minuten, um dann in einer halben Stunde alles zu entscheiden. Und während die Fans noch sangen und die Spieler die Arme hoben, blieb nur ein Gedanke: Wenn sie so weitermachen, wird aus diesem Feuer bald ein Flächenbrand. Oder, wie es ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Endlich wieder ein Spiel, bei dem sich das Bier gelohnt hat." 02.04.643990 03:55 |
Sprücheklopfer
Die italienischen Vereine sagen mir: Von der Ablösesumme für Emerson könnt ihr euch doch zwei Spieler kaufen. Ich antworte denen dann immer: Dann kauft euch die doch selbst.
Rainer Calmund