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Es war einer dieser Abende, an denen 38.068 Zuschauer im Estadio del Puerto von Marde sich fragten, ob sie vielleicht versehentlich das falsche Spielticket gekauft hatten. Deportivo Marde hatte Ballbesitz, Kontrolle - und trotzdem keine Tore. Franja Danubio dagegen kam, sah und traf. Dreimal. Mit chirurgischer Präzision und einer Portion südamerikanischer Lässigkeit gewann das Team von Trainer Diego Cristilli am 13. Spieltag der 1. Liga Uruguay mit 3:0 und schickte die Heimmannschaft in eine lange Nacht der Selbstreflexion. Bereits in der 14. Minute setzte Cristobal Garcez den ersten Stich. Nach feinem Zuspiel von Elemer Low nahm der Flügelspieler Maß und schlenzte den Ball so elegant ins lange Eck, dass die Fans von Deportivo kurz applaudierten - vielleicht aus Schock, vielleicht aus Respekt. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Garcez später, "aber der Ball hatte andere Pläne." Marde reagierte, wie Teams reagieren, die sich zu sicher fühlen: mit gepflegtem Ballbesitz (57 Prozent) und wenig Konsequenz. Zwar kamen Antonio Melendez und Rui Arino noch vor der Pause zu Abschlüssen, doch Danubios Keeper Fernando Costa war an diesem Abend eher ein Türsteher als ein Torwart - er ließ niemanden rein. Trainer Diego Cristilli stand unterdessen an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, und sah aus, als hätte er eine Vorahnung. Und tatsächlich: Seine Mannschaft blieb offensiv, aggressiv, entschlossen. "Wir haben nicht auf Ballbesitz gespielt, sondern auf Wirkung", erklärte er nach dem Spiel. "Es bringt nichts, den Ball zu haben, wenn man nicht weiß, wohin damit." Eine kleine Spitze in Richtung Marde‑Coach, der sich nach Abpfiff lieber nicht zitieren lassen wollte. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete - mit Danubio im Vorwärtsgang. In der 58. Minute legte Rechtsverteidiger Gudbrand Mogensen nach. Nach einem weiteren klugen Pass von Low zog der Norweger trocken ab. 2:0. Die Fans der Gäste schrien ihre Freude in den Abendhimmel, während Mogensen, der sonst eher durch rustikale Grätschen auffällt, seine Arme ausbreitete wie ein Stürmer alter Schule. "Ich wusste gar nicht, dass ich so schießen kann", gab er später lachend zu. Deportivo Marde hingegen wirkte ratlos. Die Statistiken sprachen zwar für sie - mehr Ballbesitz, mehr Pässe, mehr hübsches Mittelfeld‑Gespiel -, aber das Spiel fand in den gefährlichen Räumen statt, die Danubio für sich beanspruchte. Zwischen der 60. und 80. Minute feuerte der Gast eine ganze Salve an Torschüssen ab - 22 insgesamt, während Marde sich mit fünf begnügte. Als dann in der 77. Minute der erfahrene Jermolai Schewzow zum 3:0 traf, war das Spiel endgültig entschieden. Der Russe verwertete eine Vorlage des eingewechselten Silvestre Mino mit stoischer Ruhe. "Ich hab den Ball gar nicht richtig getroffen", meinte Schewzow später, "aber manchmal liebt dich der Fußball einfach." Auf der Tribüne schüttelten sich die Fans von Deportivo gegenseitig die Köpfe. "Wir hatten doch alles im Griff", murmelte ein älterer Herr mit Schal in Vereinsfarben. Der junge Mann neben ihm antwortete trocken: "Ja, außer das Toreschießen." In den letzten Minuten nahm Danubio das Tempo raus, schaltete auf Verwaltungsmodus. Die Taktikanalyse zeigt: offensiv vom Anfang bis zum Schluss, aber mit sinkendem Einsatz - vermutlich, um sich auf das nächste Spiel vorzubereiten. Cristilli nutzte die komfortable Führung, um den 18‑jährigen Manuel Allegri ein paar Minuten Erstligaluft schnuppern zu lassen. Allegri bedankte sich mit einem beherzten Sprint und einem Grinsen, das breiter war als das Spielfeld. Deportivo Marde hingegen blieb bemüht, aber ideenlos. Ihr Trainer - der Name bleibt aus Höflichkeit ungenannt - wirkte nachdenklich. "Vielleicht brauchen wir weniger Ballkontakte und mehr Mut", soll er in der Kabine gesagt haben. Am Ende gingen die Spieler von Franja Danubio Arm in Arm zu ihren Fans. Sie wussten, dass sie an diesem Abend nicht nur ein Spiel, sondern auch die Sympathien der neutralen Zuschauer gewonnen hatten. "Wir wollten zeigen, dass man auch mit weniger Ballbesitz Spaß haben kann", sagte Torschütze Garcez mit einem Augenzwinkern. Und so bleibt als Fazit: Deportivo Marde hatte den Ball, Franja Danubio hatte den Plan. Drei Tore, drei Vorlagen aus dem Mittelfeld, 22 Abschlüsse - eine Lehrstunde in Effizienz. Vielleicht sollte Marde beim nächsten Mal weniger auf Schönheit und mehr auf Schärfe setzen. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Ballbesitz ist schön, aber Tore sind hübscher." 16.10.643990 00:04 |
Sprücheklopfer
Ein Denkmal will ich nicht sein, darauf scheißen ja nur die Tauben.
Toni Polster auf die Frage, ob er in Köln schon ein Denkmal sei