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Ein lauer Abend in Parque del Plata, 28.174 Zuschauer, die Sonne über dem Río de la Plata verabschiedet sich romantisch - und die Heimmannschaft verabschiedet sich gleich mit: nämlich aus dem Spiel. Franja Danubio kam, sah und siegte mit 3:0. Und das war noch schmeichelhaft für die Gastgeber. Dabei begann alles recht harmlos. In der fünften Minute zückte der Schiedsrichter zum ersten Mal Gelb - Joel Sinclair von Danubio mit einem rustikalen Einstieg, der an alte englische Zeiten erinnerte. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", grinste der Innenverteidiger nach dem Spiel. Er war da - und wie. Schon nach 16 Minuten prüfte er mit einem Kopfball aus kurzer Distanz den Heimkeeper Carlos Mendo, der das Leder gerade noch über die Latte wischte. Doch in der 22. Minute war es so weit: Elemer Low, der auffällig unauffällige Mittelfeldmotor, zog nach feinem Zuspiel von Jermolai Schewzow einfach mal ab - und drin war das Ding. 1:0 für Franja Danubio. Mendo schaute dem Ball nur noch melancholisch hinterher. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gestand Trainer Hans-Jürgen Strohmeier später. "Da lag ich wohl falsch." Danubio blieb am Drücker, mit 12 Torschüssen insgesamt gegen mickrige drei der Hausherren. Filipe Fontàs, der quirlige linke Mittelfeldspieler, kassierte zwar in der 30. Minute Gelb, aber noch vor der Pause setzte er ein Ausrufezeichen mit einem strammen Distanzschuss - knapp vorbei. Parque del Plata wirkte da schon müde, als hätte man ihnen in der Kabine Baldriantee statt Mate gereicht. Nach der Pause hoffte man auf ein Aufbäumen der Gastgeber. Immerhin hatten sie 48 Prozent Ballbesitz - fast Gleichstand! Doch es blieb beim Versuch. Rui Carvalho scheiterte zweimal kläglich (49. und 72. Minute), sein Gesichtsausdruck danach: eine Mischung aus Frust und philosophischer Erkenntnis. Dann kam die entscheidende Phase: Minute 58, ein Angriff über die linke Seite. Filipe Fontàs flankt butterweich in die Mitte, Reece Chamberlain steigt hoch und köpft zum 2:0 ein. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft", lachte Chamberlain. Zwei Minuten später machte Jermolai Schewzow alles klar: Low legte auf, Schewzow vollendete trocken in die lange Ecke - 3:0. Der Rest war Schaulaufen. Trainer Diego Cristilli von Danubio blieb gelassen: "Wir haben heute endlich gespielt, wie ich es mir vorstelle - aggressiv, mutig, mit Spaß. Und ohne Gegentor. Das ist ja fast unheimlich." Seine Mannschaft blieb tatsächlich bissig, aber nicht unfair - auch wenn mit drei Gelben (Sinclair, Fontàs, Chamberlain) die Grenze des guten Geschmacks erreicht war. Hans-Jürgen Strohmeier dagegen wirkte bedient. "Wir haben’s versucht, aber Danubio war in jeder Phase wacher. Vielleicht hätten wir den Bus vorm Tor parken sollen", murmelte er. Beim Blick auf die Statistik - 43 Prozent gewonnene Zweikämpfe, nur drei Schüsse aufs Tor - konnte man ihm schwer widersprechen. Ein kleiner Lichtblick: In der 82. Minute fasste sich Walther Mertens ein Herz und zog aus 20 Metern ab. Danubio-Keeper Fernando Costa musste sich strecken, um den Ehrentreffer zu verhindern. Die Zuschauer honorierten es mit Applaus - man nimmt, was man kriegen kann. Die Schlussminuten plätscherten dahin. Danubio nahm das Tempo raus, brachte mit dem 17-jährigen Xabier Deco noch Frischblut, und selbst dessen jugendlicher Elan konnte das Ergebnis nicht mehr verändern. In der 87. Minute humpelte Matias Conceicao nach einem Zweikampf vom Platz - Diagnose noch offen, aber sein Lächeln beim Abgang sprach Bände: Wer 3:0 führt, kann auch mal humpeln. Nach Schlusspfiff lagen sich die Danubio-Spieler in den Armen, während die Gastgeber ratlos in die Nacht blickten. "Wir müssen das abhaken und weiterarbeiten", sagte Strohmeier pflichtbewusst. Sein Gegenüber Cristilli grinste: "Wenn wir so weitermachen, muss ich bald nichts mehr sagen - das läuft von selbst." So blieb am Ende nur die Erkenntnis: Franja Danubio war an diesem Abend eine Klasse besser - taktisch, technisch, mental. Parque del Plata dagegen wird sich fragen, wo eigentlich die eigene Offensive geblieben ist. Vielleicht irgendwo zwischen den Statistiken verloren. Und als die Flutlichter erloschen, rief ein Fan vom Oberrang: "Macht doch das nächste Mal das Tor größer!" - ein Vorschlag, der im Stadion durchaus Zustimmung fand. Endstand: Parque del Plata - Franja Danubio 0:3 (0:1). Tore: Low (22.), Chamberlain (58.), Schewzow (60.). Zuschauer: 28.174. Ballbesitz: 48 % zu 52 %. Fazit: Danubio spielt Fußball, Parque del Plata spielt mit. 03.09.643993 03:50 |
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Jürgen Wegmann