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Fortuna scheitert vom Punkt - Eschborn jubelt nach Elfmeterkrimi

Wenn 32.625 Zuschauer an einem frostigen Februarabend in Chemnitz ihren Atem in den Flutlichtschein pusten, dann wissen sie: Es ist Pokalzeit, und Pokalzeit bedeutet Drama. Fortuna Chemnitz gegen den 1. FC Eschborn - ein Duell, das nach 120 torlosen, aber keineswegs ereignisarmen Minuten erst im Elfmeterschießen entschieden wurde. Am Ende jubelten die Hessen über ein 3:1 (0:0) nach Elfmeterschießen - und die Chemnitzer standen ratlos auf dem Rasen, als hätten sie gerade eine Mathearbeit ohne Taschenrechner geschrieben.

Dabei hatte Fortuna-Coach Maik Oberländer vor dem Spiel noch selbstbewusst erklärt: "Wir haben die besseren Schützen - und den besseren Torwart sowieso." Nun ja. Beides erwies sich als gewagte Prognose.

Das Spiel begann, wie Pokalspiele eben beginnen: mit viel Herz, noch mehr Nervosität und einem Ball, der offenbar eine Abneigung gegen Tornetze entwickelt hatte. Schon nach drei Minuten prüfte Eschborns Abwehrhüne Ricardo Matamoros mit einem Distanzhammer die Reflexe von Keeper Xavier Eusebio, der den Ball spektakulär über die Latte lenkte. Wenig später versuchte sich der junge Elliot Caroll, dann Sven Will - alle ohne Erfolg. Fortuna antwortete durch Routinier Lewis McGowan, der gleich zweimal in Folge Eschborns Torhüter Ashton Carmody testete.

Die Gäste hatten mehr vom Spiel (58 Prozent Ballbesitz, 23 Abschlüsse), doch Chemnitz hielt mit Leidenschaft dagegen. Und manchmal auch mit dem Fuß zu hoch: In der 42. Minute sah Innenverteidiger Meir Tamuz Gelb, nachdem er Eschborns Tomasz Buchholz eher an den Schienbeinschonern als am Ball traf. "Da war ich vielleicht etwas spät dran", grummelte Tamuz später, "aber der Ball hat sich so klein gemacht."

Nach der Pause bewiesen die Gäste Mut zur Rotation: Trainer Yas Sin brachte mit Amaury Alvarez einen neuen Keeper und mit Johannes Nowak frische Beine für die Abwehr. Fortuna reagierte später, brachte Gabriel Warrington und später Elmo Vanderzee - letzterer sollte noch eine kleine Fußnote in die Pokalgeschichte schreiben.

Chemnitz drängte in der Schlussphase auf die Entscheidung. Joel Browning hatte gleich dreimal den Siegtreffer auf dem Fuß - in der 70., 83. und 95. Minute -, scheiterte aber jedes Mal an Alvarez, der sich mit jeder Parade tiefer in die Herzen der mitgereisten Eschborner Fans hechtete. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte einfach zu mir", grinste der 22-Jährige hinterher, "oder zu niemandem."

Nach 120 Minuten stand es immer noch 0:0. Verlängerung, Flutlicht, Frierfaktor - und dann der unvermeidliche Showdown vom Punkt. Fortuna begann - McGowan trat an, verzögerte, schoss … und jagte den Ball in den Nachthimmel. "Da oben war noch Platz", murmelte ein Fan trocken.

Elmo Vanderzee machte es besser und brachte Chemnitz mit 1:0 in Führung. Doch dann drehte Eschborn auf: Buchholz glich aus, Caroll traf souverän, und der 19-jährige Sven Will - der Jüngste auf dem Platz - verwandelte eiskalt zum 3:1. Dazwischen scheiterten die Chemnitzer Turcotte, Zabaleta und Browning kläglich. Die Fans im Block C zählten irgendwann nur noch, wie viele Elfmeter über das Tor gingen - es waren zu viele.

"Das ist bitter, aber im Elfmeterschießen ist alles eine Lotterie", seufzte Trainer Oberländer nach dem Abpfiff. Sein Gegenüber Yas Sin widersprach mit einem schelmischen Lächeln: "Lotterie? Wir haben die Gewinnzahlen einfach besser gelesen."

Statistisch gesehen war Eschborn die reifere Mannschaft - mehr Ballbesitz, mehr Abschlüsse, aggressiver im Zweikampf. Fortuna hielt kämpferisch dagegen, spielte offensiv, aber zu umständlich. Die 16 Torschüsse lesen sich gefährlich, waren es aber selten.

Und so verabschiedet sich Fortuna Chemnitz aus dem Pokal mit erhobenem Kopf, aber leerem Konto. Eschborn hingegen darf weiterträumen - vielleicht vom Halbfinale, vielleicht einfach nur vom warmen Bus auf der Rückfahrt.

"Wir nehmen den Pokal nicht mit, aber die Erfahrung", sagte Chemnitz’ Abwehrmann Lennard Thomas zum Schluss. Und ein kleiner Junge auf der Tribüne rief: "Und die Bälle!" - denn irgendwo hinter dem Stadionzaun liegen noch drei davon.

Ein Abend voller Herz, Frost und Fehlschüsse - kurz: genau so, wie man den Pokal liebt.

16.10.643990 00:23
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Klaus Toppmöller
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