Sporski Journal
+++ Sportzeitung für Serbien +++

FK Novi Pazar ringt Selen Belgrad in hitzigem Duell mit 2:1 nieder

Es war einer dieser serbischen Fußballabende, an denen die Luft schon beim Einlaufen knistert: 30.347 Zuschauer im Stadion von Novi Pazar, Flutlicht, minus zwei Grad, und zwei Mannschaften, die offenbar beschlossen hatten, dass Zurückhaltung etwas für Schachspieler ist. Am Ende jubelte der Gastgeber - FK Novi Pazar gewann gegen Selen Belgrad mit 2:1 (1:1) und festigte seine Position im Tabellenmittelfeld der 1. Liga Serbien.

Die Partie begann, als hätte jemand den Vorspulknopf gedrückt. Bereits in der 6. Minute klingelte es: Leandro Gama, der flinke Linksaußen der Hausherren, schlenzte den Ball nach feinem Zuspiel von Joshua Amyot ins lange Eck. "Ich hab nur gehofft, dass er nicht wieder über den Fangzaun segelt", grinste Gama später, als hätte er gerade ein Sonntagsbrötchen geschmiert.

Doch Selen Belgrad, trainiert vom erfahrenen Hans-Jürgen Strohmeier, ließ sich nicht beirren. Sein Team blieb offensiv, wie es die Taktikdaten bestätigen - durchgehend "OFFENSIVE" stand in der Match-Map, und das sah man. In der 28. Minute zeigte Erik Schade, warum er der gefährlichste Stürmer der Gäste ist: Nach einem weiten Pass von Innenverteidiger Valter Taube nahm er den Ball elegant mit der Brust, drehte sich - und traf trocken ins rechte Eck. 1:1, und plötzlich war das Stadion kurz still, abgesehen von ein paar unflätigen Kommentaren aus Block C.

Zur Pause stand also alles offen. Novi Pazar hatte zwar mehr Ballbesitz (56,7 Prozent), aber Belgrad mehr Torschüsse (12:9). Trainer Doro Ponder blieb trotzdem gelassen. "Wir wollten nicht schön aussehen, wir wollten gewinnen", sagte er später mit dieser Mischung aus Ironie und Ehrlichkeit, die man sonst nur bei Philosophiestudenten nach Mitternacht findet.

In der zweiten Hälfte ging es ruppiger zu. Valter Taube holte sich in der 67. Minute Gelb ab - ein Foul, das man in den 80ern noch als "robust" bezeichnet hätte. Und dann, in der 55. Minute, kam der Moment des Spiels: Arnor Abramson, der junge Isländer auf der rechten Seite, fasste sich ein Herz. Wieder war Joshua Amyot beteiligt, legte quer, Abramson zog ab - und der Ball zappelte im Netz. 2:1. Das Stadion explodierte, und Abramson riss die Arme hoch, als habe er gerade das Nordlicht erfunden.

"Ich hatte einfach Spaß. Und manchmal hilft Spaß beim Treffen", sagte er mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Schüchternheit und Größenwahn pendelte.

Belgrad drückte danach, als hinge ihr Saisonerfolg von diesem Spiel ab. Schade prüfte Keeper Paulus Bloch gleich dreimal (51., 53., 59.), doch der Torwart der Hausherren hielt, was zu halten war - und manchmal auch das, was eigentlich unhaltbar schien. "Ich hab den Ball einfach angeschaut und gehofft, er hat Angst vor mir", witzelte Bloch nach der Partie.

Dann wurde es dramatisch: In der 88. Minute verletzte sich Novi Pazars junger Flügelspieler Jorge Capucho ohne Fremdeinwirkung. Unter Applaus der Fans humpelte er vom Platz, ersetzt vom 17-jährigen Nuno Galvez, der mit leuchtenden Augen sein Debüt gab. Doro Ponder legte ihm kurz die Hand auf die Schulter und murmelte: "Nimm’s wie Matheunterricht - bloß schneller."

Die Schlussminuten waren pure Nervensache. Abramson, der Held des Abends, sah in der 96. Minute noch Gelb, als er einen Freistoß etwas zu leidenschaftlich blockte. Selen Belgrad warf alles nach vorn, doch die langen Bälle verpufften, und das Publikum zählte bereits lautstark die letzten Sekunden herunter.

Als der Schlusspfiff ertönte, sank Ponder auf die Knie - nicht, weil er besonders gläubig wäre, sondern weil er einfach nicht mehr stehen konnte. "Das war kein schönes Spiel", sagte er später mit einem Schmunzeln, "aber Schönheit ist ja auch überschätzt."

Hans-Jürgen Strohmeier sah das naturgemäß anders. "Wir hatten mehr Chancen, mehr Mut, mehr Wille - nur leider weniger Tore. Ich werde das der Statistikabteilung erklären müssen."

So endete ein Abend, der wieder einmal zeigte, dass Fußball selten gerecht, aber immer spannend ist. Novi Pazar kämpfte, Belgrad spielte - und am Ende entschied ein isländischer Flügelmann, dass Kampf manchmal eben doch schöner ist als Kunst.

Und irgendwo in den Katakomben des Stadions soll man Doro Ponder noch sagen gehört haben: "Hauptsache, keiner fragt mich jetzt nach Ballbesitz."

Ein Satz, der wohl in Novi Pazar noch lange nachhallen wird.

27.11.643987 14:10
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Branco tanzt und ich grätsche. Das ist der Unterschied zwischen Kamerun und Norwegen.
Jan-Aage Fjörtoft
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager