// Startseite
| Nemzeti Sport |
| +++ Sportzeitung für Ungarn +++ |
|
|
|
Wenn 44.865 Zuschauer an einem kalten Februarabend ins Stadion kommen, erwarten sie entweder Glühwein oder Glanz. Der SC Fehérvár entschied sich beim 6. Spieltag der 1. Liga Ungarn für Letzteres - und zwar in einer Form, die selbst eingefleischte Taktikfüchse mit offenem Mund zurückließ. Mit 5:0 schickte die Mannschaft von Trainerin Mina Aryabhata den SC Orosháza zurück auf die Landstraße, und das Ergebnis war fast noch schmeichelhaft. Schon in der 4. Minute schien Fehérvár die Spieluhr überlisten zu wollen. Alfred Szabics, 18 Jahre jung und mit einem Gesicht, das man eher im Schulbus als im Strafraum vermuten würde, drückte nach Vorlage von Janos Zavadszky eiskalt ab - 1:0. "Ich hab gar nicht geschaut, wohin ich schieße", grinste Szabics später. "Vielleicht war das das Geheimnis." Orosháza taumelte, bevor es überhaupt angefangen hatte. Zwar hatten die Gäste mit 55 Prozent Ballbesitz mehr vom Ball, aber Fehérvár hatte mehr vom Spiel - und vor allem mehr Lust. In der 21. Minute servierte Lionel Beltran einen butterweichen Pass auf Karoly Feldmann, der das 2:0 markierte. Eine Minute später kopierte Beltran die Szene, diesmal fand der Ball Florentin Sandu - 3:0. Drei Tore in 18 Minuten: Das Spiel war entschieden, bevor der erste Becher Kakao leer war. Trainerin Aryabhata blieb trotzdem ungerührt, klatschte nur zweimal in die Hände und rief: "Weiter! Kein Yoga jetzt!" Ihre Mannschaft verstand das als Freibrief zum Dauerpressing. Zwar zeigte die Statistik, dass Orosháza mehr Pässe spielte, aber Fehérvár schoss doppelt so oft aufs Tor - 20 zu 6. Zur Pause hätte man fast Mitleid haben können mit den Gästen. Trainer Olof Afzelius (eigentlich Mittelfeldstratege, dank Verletztenmisere aber als Interimscoach an der Linie) versuchte, seine Spieler mit einem "Wir halten das jetzt sauber!" zu motivieren. Es half wenig. Nach Wiederanpfiff dauerte es keine zehn Minuten, da war es erneut Sandu, der nach - ja, wieder - Vorarbeit von Beltran zum 4:0 traf (52.). Man spürte, dass sich hier eine kleine Liebesgeschichte zwischen Mittelfeld und Angriff anbahnte. "Lionel sieht mich einfach", sagte Sandu später. "Ich brauche gar nichts zu sagen. Vielleicht hat er Augen im Hinterkopf." Orosháza versuchte, Ordnung in das Chaos zu bringen, hielt sich an den Ballbesitz wie ein Ertrinkender an eine Boje. Doch gefährlich wurde es selten. Ward Verstuyft prüfte Fehérvárs Torhüter Tamas Bene zweimal halbherzig, und Otto Pederson schoss einmal in die Wolken, was immerhin für Begeisterung bei den Astronomen sorgte. Dann kam die 90. Minute: Der Schlusspunkt, natürlich wieder von Szabics. Diesmal lieferte der eingewechselte Zoltan Toldi den Assist, und der Youngster machte das halbe Dutzend fast voll - 5:0. "Ich wollte einfach, dass es schön aussieht", sagte Szabics, als er den Ball in die Kurve warf. Trainerin Aryabhata lachte: "Ich sage immer: Wer früh trifft, darf spät nochmal." Der Rest war Jubel, Wechsel und ein bisschen Folklore. Aryabhata gönnte dem jungen Torwart Krisztian Desire noch ein paar Minuten, Beltran bekam Standing Ovations, und selbst die Gästefans applaudierten höflich, als Fehérvár den Ball in der Nachspielzeit durch die eigenen Reihen laufen ließ. Orosháza beendete das Spiel immerhin mit einer gelben Karte für Ferenc Palotai - Symbolwert inklusive: zu spät, zu harmlos, zu wenig. "Wir hatten keine Antwort auf ihre Wucht", gestand Palotai. "Vielleicht hätten wir einfach auch offensiv spielen sollen." Fehérvár präsentierte sich dagegen wie eine Mannschaft, die plötzlich weiß, was sie kann - jugendlich wild, offensiv, aber erstaunlich abgeklärt. Und während Aryabhata in der Pressekonferenz lächelnd erklärte, sie habe "nur ein bisschen den Spaß am Risiko gefördert", notierten die Statistiker nüchtern: 20 Torschüsse, 5 Tore, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Ein Abend, der zeigte, dass Ballbesitz allein keine Spiele gewinnt, sondern nur Tore. Und davon hatte Fehérvár reichlich. Oder, wie Stadionsprecher Bela Horvath es beim Abpfiff zusammenfasste: "Manchmal ist Fußball einfach schön. Und manchmal spielt Fehérvár." 05.08.643990 16:54 |
Sprücheklopfer
Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
Mehmet Scholl als werdender Vater