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Es war einer jener lauen Sommerabende in Budapest, an denen sich selbst der Himmel nicht entscheiden konnte, ob er über dem Stadion von Ujpest glühen oder grollen sollte. 44.937 Zuschauer hatten sich eingefunden, um am 31. Spieltag der ungarischen Liga Zeugen eines Spiels zu werden, das irgendwo zwischen Kunst und Chaos pendelte. Ujpest Budapest gegen SC Fehérvar - am Ende ein 3:3, das so spektakulär wie unausgeglichen wirkte. Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, war der Ball schon im Netz. In der 5. Minute zirkelte Zoltán Korányi das Leder nach Vorarbeit von Vincent Mendes ins linke Eck - 1:0 für Ujpest. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du so früh triffst, denkst du, heute läuft’s", grinste Korányi später. Und tatsächlich: Es lief. Zumindest für die Gastgeber. Fehérvar wirkte in den ersten zwanzig Minuten so überrascht, als hätte man ihnen den Spielplan erst in der Kabine vorgelesen. Doch dann, Minute 22, kam Alberte Storm - Name wie ein Wetterphänomen, Auftritt ebenso. Nach einem präzisen Pass von Arnau Etxeita drosch er das Leder humorlos unter die Latte. 1:1. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Storm mit einem Grinsen, "aber der Ball hatte andere Pläne." Das Publikum nahm’s sportlich - immerhin blieb keine Zeit zum Ärgern: Nur vier Minuten später traf Pekka Uusimäki nach Vorlage von Archie McGowan zum 2:1 für Ujpest. Und als Lajos Szóllar in der 31. Minute nach Vorarbeit desselben Uusimäki das 3:1 erzielte, schien die Sache gelaufen. Doch Fehérvar wäre nicht Fehérvar, wenn sie nicht kurz vor der Pause noch einmal das Spiel angekokelt hätten. Emil Musiala - nein, nicht der berühmte deutsche Namensvetter, sondern der ungarische Wirbelwind gleichen Namens - zog in der 38. Minute aus der Distanz ab und traf. 3:2. "Ich dachte, der Torwart schläft schon", witzelte Musiala nach dem Abpfiff. "Aber er war wach - nur leider auf der falschen Seite." Halbzeit. Trainer Josh Allen von Ujpest stapfte mit verschränkten Armen Richtung Kabine, während Fehérvars Coach Mina Aryabhata ihre Spieler mit einer Mischung aus Gelassenheit und sanfter Mathematik empfing. "Wir haben die Gleichung noch nicht gelöst", soll sie gesagt haben. "Aber das Ergebnis ist noch offen." Die zweite Halbzeit begann mit viel Ballbesitz für Fehérvar - 52,5 Prozent insgesamt, und es fühlte sich nach mehr an. Ujpest dagegen lauerte auf Konter, doch ihre einstige Präzision schien in der Pause geblieben. Dann kam die 59. Minute - Alexander Korányi, der jüngere Bruder von Zoltán, zeigte, dass Familienbande im Fußball auch auf Distanz funktionieren. Nach Flanke von Vuk Stepanov köpfte er zum 3:3 ein. Auf der Tribüne rief ein Fan: "Korányi gegen Korányi - das ist ja Shakespeare auf ungarisch!" Danach folgte ein offener Schlagabtausch, der in den Statistiken eindrucksvoll nachhallt: 19 Torschüsse für Ujpest, 14 für Fehérvar. Die Partie wogte hin und her, als wollten beide Mannschaften beweisen, dass man auch ohne Sieger glücklich sein kann. In der 68. Minute musste Fehérvars Emil Musiala verletzt raus, Leo McGowan kam - und brachte frische Energie ins Mittelfeld. "Ich hab’s als Matheaufgabe gesehen", scherzte Aryabhata später, "ein Spieler fällt aus, ein anderer addiert sich ein." Gelbe Karten blieben selten: Nur Vuk Stepanov sah in der 79. Minute den mahnenden Karton - wohl weniger für ein Foul als für übermäßigen Enthusiasmus. Und als der Schlusspfiff ertönte, standen beide Teams erschöpft, aber nicht unzufrieden auf dem Platz. "Ein Punkt ist besser als keiner", meinte Trainer Allen trocken. "Aber drei wären halt schöner gewesen." Die Zuschauer verabschiedeten beide Teams mit Applaus - und wohl auch ein bisschen Ratlosigkeit. Denn wer in dieser Partie besser war, ließ sich schwer sagen. Ujpest hatte mehr Wucht, Fehérvar mehr Ruhe. Die einen schossen öfter, die anderen hielten länger den Ball. Und irgendwo dazwischen lag dieses Ergebnis, das keiner so richtig wollte, aber beide verdient hatten. "Das war Fußball in seiner reinsten Form", sagte ein älterer Herr auf der Tribüne, angeblich schon seit 1968 Ujpest-Fan. "Viel Lärm, viele Tore - und am Ende weiß keiner, was passiert ist." Besser lässt sich dieser Abend kaum zusammenfassen. Und vielleicht war genau das der Punkt: Wenn zwei Teams spielen, als ginge es um Leben, Liebe und logarithmische Gleichungen zugleich, dann darf das Ergebnis ruhig mal unentschieden heißen. 29.06.2026 23:15 |
Sprücheklopfer
Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.