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Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die kein Drehbuchautor besser hinbekäme. Am 5. Spieltag der 1. Liga Ungarn verwandelte der SC Fehervar einen 1:2-Pausenrückstand in einen 3:2-Auswärtssieg bei SE Bocs - und das vor 30.349 Zuschauern, die am Ende nicht wussten, ob sie klatschen oder den Schiedsrichter anbrüllen sollten. Dabei fing alles so verheißungsvoll für Bocs an. Bereits in der 10. Minute ließ Toni Nyman die Heimfans jubeln. Nach einem butterweichen Zuspiel von Xabier Conceicao drosch der Mittelstürmer den Ball humorlos in die Maschen. Trainer Matze Klopp riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "So will ich das sehen - direkt, mutig, frech!", brüllte er Richtung Ersatzbank. Doch die Freude hielt genau sechs Minuten. Fehervars Fjodor Konowalenko, eigentlich Mittelfeldmotor und kein Torjäger, nahm sich ein Herz und hämmerte den Ball aus 20 Metern ins Netz, Assist von Marcel Cocis. Torwart Jelle Costar sah dabei aus, als sei er innerlich schon beim Pausentee. "Ich dachte, der Ball geht drüber", gestand er später mit einem gequälten Lächeln. Bocs ließ sich davon nicht beirren. In der 42. Minute war es wieder die Kombination Conceicao-Antonio, die die Defensive der Gäste aufriss. Conceicao vollendete selbst zum 2:1. Das Stadion bebte, Klopps Faust pumpte in die kalte Januarluft. "Wir waren da, wir waren besser", sagte er später, "aber Fußball ist eben kein Wunschkonzert." Nach dem Seitenwechsel kippte das Spiel. Fehervar kam offensiv, drückte, biss sich in die Partie. Die Gäste hatten zwar weniger Ballbesitz (nur 46 Prozent), dafür aber den deutlicheren Willen zum Chaos. In der 65. Minute traf Zoltan Szabo nach Vorarbeit von Alberte Storm zum 2:2 - und plötzlich war es im Stadion so still, dass man das Rascheln der Papierbecher hörte. Dann kam die 77. Minute. Istvan Bozsik, 22 Jahre jung, pfeilschnell und frech wie ein Straßenkicker, schlenzte den Ball zum 3:2 ins Eck - Vorlage von Pinchas Ohayon. Fehervar jubelte, Bocs’ Abwehr sah aus, als stünde sie noch im Halbschlaf. Die Schlussphase glich einem absurden Theaterstück: Bocs rannte an, schoss aus allen Lagen (insgesamt 13 Torschüsse), während Fehervar klug konterte. Dann der Knackpunkt: In der 79. Minute sah Isidoro Benito Gelb-Rot. Klopp schlug die Hände über dem Kopf zusammen, während Benito, leicht trotzig, Richtung Kabine stapfte. "Ich wollte nur den Ball spielen", sagte er später - vermutlich der meistgesagte Satz eines jeden Verteidigers nach einer späten Ampelkarte. Fehervar-Coach Mina Aryabhata blieb cool an der Seitenlinie. "Wir wussten, dass Bocs irgendwann müde wird. Da mussten wir nur noch zustechen", meinte sie nach Abpfiff mit trockenem Humor. Und genau das tat ihre Mannschaft: Sie stach - präzise, kaltschnäuzig, erwachsen. In den letzten Minuten brachte Aryabhata sogar zwei 17-Jährige: Domingo Agirre und Karoly Feldmann. "Ich wollte frische Beine und vielleicht ein bisschen Unbekümmertheit", grinste sie. Feldmann hatte in der Nachspielzeit sogar noch eine Chance, verfehlte aber knapp. "Der Junge hat Herz", kommentierte Kapitän Cocis. Statistisch gesehen hätte Bocs das Spiel nicht verlieren müssen: Mehr Ballbesitz (54 Prozent), leicht bessere Zweikampfquote (50,7 Prozent) - aber am Ende zählt eben, wer das Runde öfter ins Eckige bringt. Nach dem Schlusspfiff stand Klopp mit verschränkten Armen da, musterte die Anzeigetafel (2:3) und murmelte etwas, das wie "typisch" klang. Später sagte er etwas versöhnlicher: "Wir haben gut angefangen, aber dann aufgehört, Fußball zu spielen. Vielleicht dachten einige, 45 Minuten reichen." Fehervar hingegen feierte ausgelassen. Bozsik tanzte mit Szabo, während Aryabhata in aller Ruhe ihre Wasserflasche austrank. "Wir haben Charakter gezeigt", meinte sie, "und ein bisschen Glück gehört immer dazu. Aber Glück ist auch eine Taktik." So endet ein Abend, der für SE Bocs lehrreich und für SC Fehervar triumphal war. Ein 3:2-Sieg, der nicht nur drei Punkte bringt, sondern auch das Gefühl, dass in dieser Liga alles möglich ist - selbst Wunder in der Provinz. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Früher haben wir wenigstens unentschieden gespielt." Ja, Fußballromantik lebt - auch in Bocs. 06.03.643987 15:49 |
Sprücheklopfer
Bei manchen Spielern fehlt etwas, deshalb spielen sie auch bei mir und nicht in Barcelona.
Aleksandar Ristic