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Es war eine dieser Nächte, in denen 43.006 Zuschauer in Sittard das Gefühl hatten, ihre Eintrittskarte sei eigentlich zu billig gewesen. Der FC Sittard besiegte am Mittwochabend PVC Eindhoven mit 2:0 (1:0) - und das Ergebnis spiegelt den Spielverlauf nur halbwegs wider. Denn die Gäste aus Eindhoven wirkten über weite Strecken wie ein Team, das gerade erst den Trainingsplatz gefunden hatte, während die Hausherren in Ballbesitz glänzten, drängten und mit 14 Torschüssen fast schon inflationär die Torlatte ins Visier nahmen. Schon in der 17. Minute fiel das erste Tor - und was für eins! Linksverteidiger Maarten Hogarth, normalerweise eher für rustikale Grätschen als für filigrane Kunst zuständig, fasste sich nach Zuspiel von Zeeman Breed ein Herz und drosch den Ball aus gut 20 Metern unhaltbar ins obere Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Hogarth später in die Kameras, "aber wenn der Ball schon mal so freundlich fliegt, sag ich nicht nein." Trainer Patrick We konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: "Ich hab Maarten in der Halbzeit gefragt, ob er das im Training auch so kann. Er hat gelacht - das sagt alles." Eindhoven, das mit einer offensiven Ausrichtung, aber seltsam behäbigem Angriffsspiel auftrat, fand kaum ins Spiel. Drei Torschüsse standen am Ende zu Buche - ein Wert, der den Begriff "Offensive" reichlich überfordert. Trainer Markus Frey sah sich nach dem Spiel zur Selbstironie gezwungen: "Wir wollten lange Bälle spielen, aber offenbar waren sie zu lang. Unsere Stürmer hätten wohl ein Bahn-Ticket gebraucht." Nach der Pause versuchte Frey, mit gleich drei Wechseln frischen Wind zu bringen. Der 18-jährige Garritt Van Schoonhoven durfte ran, ebenso der junge Ignacio Postiga und der flinke Nelio Sandoval. Doch Sittard blieb Herr im Haus. Die Ballbesitzquote von 56,8 Prozent liest sich nüchtern, aber auf dem Rasen war es gefühlt doppelt so viel - die Grün-Gelben ließen den Ball laufen, als hätten sie ihn gepachtet. "Wir haben bewusst ruhig gespielt", erklärte Spielmacher Zeeman Schuyler. "PVC hat viel auf Konter gelauert, aber wenn du sie gar nicht an den Ball lässt, müssen sie irgendwann selbst laufen." Das zweite Tor fiel dann folgerichtig in der 68. Minute, und es trug die Handschrift eines jungen Wilden: Elmo Barhydt, 23 Jahre jung, sprintete auf den rechten Flügel, zog nach innen, ließ zwei Verteidiger stehen - und schob den Ball cool am Torwart vorbei. Die Vorlage kam von Schuyler, der mit einem Pass durch die Schnittstelle den halben Gästeblock zum Schweigen brachte. "Ich hab Elmo zugerufen, dass er laufen soll", erzählte der Routinier später. "Er hat mich wohl gehört - und der Rest war Kunst." Eindhoven versuchte in der Schlussphase noch einmal alles, stellte auf aggressives Pressing um, aber der Versuch endete in Gelb: Erst sah Abwehrveteran Humberto Rocha nach einem rustikalen Einsatz die Karte (62.), später erwischte es auch den jungen Postiga (82.). "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", rechtfertigte sich der 21-Jährige, während sein Trainer missmutig den Kopf schüttelte: "Das war er dann wohl auch." Sittards Torwart Karol Vencel hatte einen ruhigen Abend - ein paar harmlose Schüsse, die er lässig abfing, und ansonsten viel Zeit, seine Handschuhe neu zu sortieren. "Ich hab sogar kurz überlegt, ob ich mich an den Spielaufbau beteilige", witzelte er nach dem Abpfiff. "Aber dann dachte ich, das wäre unhöflich." Als Schiedsrichter Jan van Riet die Partie nach 94 Minuten beendete, klatschten die Sittarder Fans rhythmisch Beifall, während ein paar Eindhoven-Anhänger leise "nächstes Mal" murmelten. Patrick We fasste den Abend trocken zusammen: "Wir haben es geschafft, das Spiel einfach zu machen. Und wenn es einfach aussieht, dann war’s harte Arbeit." Ein verdienter Sieg also für einen FC Sittard, der an diesem Abend alles richtig machte: taktisch diszipliniert, spielerisch klar überlegen und mit dem nötigen Schuss Humor in den Aktionen. Eindhoven dagegen wird sich an diesem 20. Spieltag wohl mehr an den Gegenwind als an Ballkontakte erinnern. Und irgendwo in der Kabine von Sittard hat Maarten Hogarth vielleicht noch immer diesen leicht ungläubigen Blick - den eines Verteidigers, der aus Versehen ein Traumtor geschossen hat und dafür gefeiert wird, als sei er plötzlich Stürmer. Fußball, wie er schöner kaum sein kann. 07.09.643987 17:20 |
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