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Eschborns Torfestival: 6:4 gegen Merseburg - Wahnsinn mit System

53985 Zuschauer sahen am Dienstagabend in Eschborn ein Fußballspiel, das eher an ein Tischtennisturnier erinnerte als an die 1. Liga Deutschland. Der 1. FC Eschborn besiegte den VfB Merseburg mit 6:4 (3:3) und bewies, dass man auch mit weniger Ballbesitz (46,7 Prozent) und einer Abwehr, die anfangs noch Kaffee holen war, groß gewinnen kann.

Schon nach 14 Minuten stand es 0:3 - und die Heimfans rieben sich die Augen. Marian Iliew (6.), Martin Pudil (7.) und Amaury Brito (14.) trafen nahezu im Drei-Minuten-Takt für Merseburg. "Ich dachte, das wird heute ein ruhiger Abend", grinste Gästetrainer Dieter Bergmann später bitter, "aber dann hat Eschborn beschlossen, plötzlich Fußball zu spielen."

Was danach folgte, war ein Sturmlauf, der in jedem Drehbuch als völlig überzogen gelten würde. Corey Longfellow, der rechte Wirbelwind der Eschborner, zündete in Minute 20 mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe das Comeback-Feuerwerk. Drei Minuten später glich Xavier Ximenis per Flachschuss aus, nachdem Jan Yilmaz ihn mustergültig bedient hatte. Und als Longfellow in der 39. Minute erneut traf - diesmal nach Doppelpass mit Fernando Antonio -, tobte das Stadion. 3:3 zur Pause, und niemand wusste mehr, wohin mit dem Adrenalin.

"Ich habe in der Kabine gar nicht viel gesagt", behauptete Eschborn-Trainer Yas Sin nach der Partie. "Nur: Wenn wir schon verrückt sind, dann bitte richtig." Seine Mannschaft nahm das offenbar wörtlich.

Gleich nach Wiederanpfiff köpfte Innenverteidiger Peter Penksa (50.) zum 4:3 ein - ausgerechnet jener, der in der 61. Minute Gelb sah, weil er "den Gegenspieler versehentlich umarmt" habe, wie er lachend erklärte. Danach war Eschborn endgültig Chef im Ring. Longfellow, inzwischen von den Fans mit rhythmischem Klatschen gefeiert, bereitete in der 72. Minute das 5:3 von Tomasz Buchholz vor.

"Ich hab den Ball einfach reingehauen, bevor er wieder weglaufen konnte", scherzte Buchholz später in der Mixed Zone.

Merseburg bäumte sich noch einmal auf. Amaury Brito, schon in der ersten Halbzeit erfolgreich, verkürzte in der 79. Minute auf 5:4. Eschborns Keeper Logan Cochran sah dabei nicht glücklich aus und murmelte anschließend: "Ich wollte Spannung reinbringen - klappte ganz gut."

Doch der Abend gehörte Fernando Antonio. Der Mittelstürmer krönte seine selbstlose Leistung in der 84. Minute mit dem 6:4. Sein Tor nach Vorlage des aufgerückten Meik John war der endgültige Knockout für Merseburg. "Ich hab Meik angeschrien: Spiel ihn flach!", erzählte Antonio. "Zum Glück hat er mich ausnahmsweise verstanden."

Die letzten Minuten verliefen turbulent, aber torlos. Zwei späte Eschborner Wechsel (Phillipp Meiser und Johannes Nowak bekamen noch ein paar Minuten Applausluft) sorgten für stehende Ovationen. Auf der anderen Seite kassierte Merseburgs Rechtsverteidiger Zbynek Licka (87.) noch Gelb - wohl mehr aus Frust als aus Notwendigkeit.

Am Ende sprach die Statistik eine klare Sprache: 19 Torschüsse für Eschborn, nur acht für Merseburg. Der VfB hatte zwar mehr Ballbesitz (53,3 Prozent), aber weniger Ideen. "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore", seufzte Mittelfeldmann Ignacio Enrico, der immerhin drei Assists verbuchte.

Yas Sin hingegen grinste breit und genehmigte sich auf der Pressekonferenz ein stilles Wasser, als wäre nichts passiert. "Wir spielen offensiv, schießen jederzeit, verlieren manchmal den Verstand - aber das ist unser Stil."

Und tatsächlich: Seine Mannschaft agierte laut Taktikdaten fast durchgehend offensiv, mit vollem Einsatz und starkem Pressing. Merseburg hingegen blieb beim Konterspiel, so wie man einen alten Plan festhält, der schon lange nicht mehr funktioniert.

"Wenn du 6:4 verlierst, weißt du wenigstens, dass du Teil einer guten Show warst", sagte Bergmann zum Abschluss mit Galgenhumor.

Ein Spiel voller Drama, Tore und ironischer Ehrlichkeit - und ein Beweis, dass Fußball manchmal nur eins braucht: Mut zum Chaos.

Oder, wie Eschborns Longfellow es formulierte, während er sich lächelnd den Schweiß von der Stirn wischte: "Wir sind vielleicht keine Maschine, aber heute waren wir ein Orchester. Laut, schräg - und ziemlich erfolgreich."

03.09.643993 03:19
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Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon
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