// Startseite
| Sportecho |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Wenn ein Fußballspiel erst spät richtig Fahrt aufnimmt, dann meist, weil jemand auf der Tribüne das Popcorn zu früh gegessen hat. Im Eschborner Stadion aber war am Dienstagabend beim 13. Spieltag der 1. Liga Deutschland von Anfang an Feuer drin - und zum Schluss ein regelrechtes Inferno. Der 1. FC Eschborn besiegte den Bonner SC mit 5:2 (1:1) vor 42.939 begeisterten Zuschauern und ließ die Gäste in den letzten zwölf Minuten aussehen, als hätten sie den Abpfiff sehnlichst herbeigesehnt. Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Bonner. Bereits in der 6. Minute stach Freddie Hiliard, der Mittelstürmer mit der Statur eines Rugbyspielers, nach Vorarbeit von Antonio Gutierrez zu - eiskalt, flach ins rechte Eck. "Ich hab den Schuss eigentlich gar nicht richtig gesehen", gestand Eschborn-Keeper Logan Cochran später und grinste: "Aber ich hatte ja noch 84 Minuten Zeit, mich zu revanchieren." Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Vier Minuten später zog Leandro Herrero aus 18 Metern ab, und der Ball schlug unhaltbar im Bonner Netz ein. Niklas Steffen hatte den Treffer mustergültig vorbereitet - und damit den Startschuss zu einer Partie gegeben, die vor allem eines versprach: kein taktisches Schach, sondern ehrlichen, lauten, manchmal leicht chaotischen Fußball. In der Folge versuchte Bonn, über die Flügel Druck zu machen. Trainer Lukas Teuber hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, "wir wollten Eschborn mit Tempo erwischen", erklärte er. Und tatsächlich: Hiliard wirbelte, Gutierrez flankte, Manos prüfte den Keeper - doch Eschborn hielt dagegen. 18 Torschüsse standen am Ende für die Gastgeber, 12 für die Gäste. Ein Spiel auf Augenhöhe? Bis zur 65. Minute ja. Dann wieder Hiliard: sein zweiter Treffer, wieder eiskalt, diesmal nach Vorlage von Louis Florit. Bonn führte, und die mitgereisten Fans sangen - verfrüht, wie sich herausstellen sollte. Denn was dann kam, war keine Aufholjagd, sondern ein Orkan in Blau-Weiß. In der 78. Minute wuchtete Innenverteidiger Rastislav Harsanyi nach einer Ecke den Ball zum 2:2 über die Linie. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner im Weg steht", scherzte der Torschütze. Nur fünf Minuten später drosch Tomasz Buchholz den Ball aus spitzem Winkel ins Netz - 3:2! Wieder hatte Bernt Geier die Vorlage gegeben, der Mann, der in der 57. Minute noch Gelb gesehen hatte und nun wie entfesselt wirbelte. Und dann kam die Eschborner Jugend: Marvin Wegner, gerade erst eingewechselt und zarte 19 Jahre jung, traf in der 84. Minute nach Pass von Luis Klug zum 4:2. Die Fans tobten, der Trainer grinste. "Er hat mir vor dem Spiel gesagt, er würde treffen, wenn er darf", erzählte Coach Yas Sin anschließend. "Ich hab gelacht - jetzt lacht er." Doch das war noch nicht das Ende. Drei Minuten später setzte Steffen selbst den Schlusspunkt, diesmal nach Vorlage von - natürlich - Wegner. 5:2, der Bonner SC völlig konsterniert, und selbst Hiliard, Doppeltorschütze und bester Mann der Gäste, schüttelte nur den Kopf: "Wir waren plötzlich überall zu spät." Die Statistik bestätigte das Gefühl: 54 Prozent Ballbesitz für Eschborn, dazu eine Zweikampfquote von knapp 51 Prozent - keine Dominanz aus dem Lehrbuch, aber pure Effizienz. Und während Bonn in den letzten Minuten mit zwei frischen Offensiven - Bonnaire und Van Moer - noch einmal alles versuchte, hatte Eschborn längst die Kontrolle übernommen. Ein kleiner Schreckmoment war die Verletzung von Jan Yilmaz in der 80. Minute, der humpelnd ausgewechselt werden musste. Ersatzmann Werner Ledig übernahm - und leitete prompt den letzten Angriff ein, der zum 5:2 führte. "Ich wollte nur den Ball loswerden", gab Ledig lachend zu, "aber wenn’s hilft, beschwer ich mich nicht." Am Ende war es ein Abend, an dem alles passte: die Tore, die Dramaturgie, der Humor. Trainer Yas Sin brachte es auf den Punkt: "Wir haben die erste Hälfte verschlafen, die zweite gefeiert." Sein Gegenüber Teuber seufzte: "Manchmal reicht eine gute Stunde nicht. Heute hätten wir zwei gebraucht." Und so verließen 42.939 Fans das Stadion mit einer Erkenntnis: In Eschborn darf man nie zu früh nach Hause gehen - denn hier fallen die schönsten Tore, wenn andere schon an den Parkplatz denken. 07.06.643987 00:42 |
Sprücheklopfer
Adidas - zwei, drei Tage Arbeit im Monat. So wie Klinsmann.
Stefan Effenberg über zukünftige Job-Pläne