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Eschborn zerlegt Warnemünde - ein Abend zwischen Slapstick und Lehrstunde

Wenn ein Fußballspiel schon nach fünf Minuten riecht wie ein Desaster, dann ist das meist kein gutes Zeichen für die Heimmannschaft. Der SV Warnemünde durfte das am Freitagabend in der 1. Liga Deutschland schmerzhaft erfahren: Gegen eiskalte Eschborner setzte es ein deftiges 1:5 (0:2). 27.000 Zuschauer im Ostseestadion sahen, wie die Gäste aus Hessen den Nordlichtern eine Lektion in Effizienz und Organisation erteilten - und das mit fast schon beiläufiger Eleganz.

Schon in der fünften Minute zappelte der Ball im Netz, als Jacob Holz nach einem schnellen Doppelpass mit Luis Klug eiskalt abschloss. "Ich hatte das Gefühl, sie waren noch beim Einlaufen", grinste Holz später, als er mit einem Handtuch um die Schultern durch die Mixed Zone schlurfte. Trainer Yas Sin nickte zufrieden: "Wir wollten früh Druck machen. Und wenn man so einen Start erwischt, läuft der Motor fast von selbst."

Warnemünde dagegen wirkte, als hätte man den falschen Gang eingelegt. Zwar hatten sie mit 45 Prozent Ballbesitz keinen völligen Totalausfall im Mittelfeld, doch was Eschborn daraus machte, war schlicht ein Unterschied von zwei Spielklassen. 20 Torschüsse der Gäste standen nur vier Warnemünder Versuchen gegenüber - eine Statistik, die alles sagt.

Nach dem frühen Schock versuchten die Gastgeber, etwas Struktur zu finden. Der junge Julian Ze Castro prüfte in der 15. Minute Gästetorwart Carmody mit einem satten Schuss - einer der wenigen Lichtblicke im ersten Durchgang. Doch kurz darauf erhöhte Eschborn: Luis Klug traf in der 27. Minute aus dem Rückraum, nachdem Christopher Houghton das Mittelfeld mit einem Pass seziert hatte, der glatt aus einem Lehrvideo stammen könnte. "Ich hab’ ihn einfach laufen lassen", erklärte Klug später lakonisch, "das war alles Training."

Mit 0:2 ging es in die Pause, und man ahnte: Das wird kein Abend für die Küstenkicker. Trainer Horst Horstmann versuchte es in der Kabine mit Humor. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil", verriet er später schmunzelnd. Doch auch Stil braucht Substanz - und die fehlte.

Eschborn kam nach der Pause mit noch mehr Wucht zurück. In der 53. Minute erhöhte Oskar Mayr nach Vorarbeit von Elliot Caroll auf 3:0. Vier Minuten später durfte sich sogar Innenverteidiger Rastislav Harsanyi in die Torschützenliste eintragen, als er nach einer Ecke wuchtig einköpfte. "Das war sein erstes Tor seit drei Jahren", rief ein Mitspieler lachend von der Bank - und Harsanyi grinste breit: "Dann wurde’s ja mal Zeit."

Warnemünde wechselte, suchte verzweifelt nach einem Rhythmus. Der junge Jannick Ledig kam in der 45. Minute ins Spiel - und wurde immerhin zum kleinen Hoffnungsschimmer. Nachdem sich Eschborn etwas zurücklehnte, traf Ledig in der 80. Minute nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Klaus Stumpf zum 1:4. Das Stadion tobte, als hätte man gerade den Pokal gewonnen. "Das Tor hat gut getan", sagte Ledig hinterher, "auch wenn’s am Ende nur Kosmetik war."

Doch wer glaubte, das sei der Schlusspunkt, irrte. In der 87. Minute schlug erneut Mayr zu - und besiegelte mit seinem zweiten Treffer den 1:5-Endstand. Die letzten Minuten waren dann mehr eine Mischung aus Frust und Foul: Gelbe Karten für Harsanyi, Kristinsson und Gabriel, dazu eine Verletzung von Günter Kunze, der humpelnd vom Feld musste. "Das war heute kein schöner Abend", murmelte Trainer Horstmann. "Aber immerhin hat’s nicht geregnet."

Eschborns Trainer Yas Sin lobte seine Mannschaft: "Wir haben mit Herz gespielt, aber auch mit Köpfchen. Das war keine Zauberei, nur konsequentes Arbeiten." Und während er das sagte, grinste er in Richtung der Pressebank, als wüsste er genau, dass dieser Satz morgen in jeder Schlagzeile steht.

Warnemünde dagegen muss sich neu sortieren. Mit einer Zweikampfquote von knapp 42 Prozent und nur vier Torschüssen wird’s in dieser Liga eng. Die Zuschauer verabschiedeten ihr Team trotzdem mit Applaus - norddeutsche Loyalität eben. "Wir sind keine Schönspieler, aber wir stehen wieder auf", versprach Kapitän Maik Stephan, bevor er in der Kabine verschwand.

Zum Schluss blieb das Gefühl, dass hier zwei Welten aufeinandergeprallt waren: taktische Disziplin gegen aufrichtige, aber naive Angriffslust. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne es formulierte: "Die da unten spielen Schach, und wir spielen Mensch-ärgere-dich-nicht."

Ein Satz, der den Abend wohl besser beschreibt als jede Statistik.

27.12.643993 19:48
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Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
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