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Eschborn tanzt, Marzahn taumelt - 1:5 in der eigenen Arena

Der Freitagabend in Berlin-Marzahn begann eigentlich verheißungsvoll: Flutlicht, 33.493 Zuschauer, ein leichter Dunst über dem Rasen, als wollte der Januar den Atem der Spieler sichtbar machen. Und doch endete der 16. Spieltag der 1. Liga für den FC Marzahn in einem frostigen Albtraum - 2:5 gegen den 1. FC Eschborn.

Dabei hatte Trainer Frank Henning vor dem Spiel noch mit verschmitztem Lächeln angekündigt: "Wir wollen mutig sein, aber nicht lebensmüde." Leider wurde es wohl eher das Zweite. Eschborn, trainiert vom analytisch-nüchternen Yas Sin, kam mit einer Mischung aus Wucht und Präzision, die Marzahn schnell den Schneid abkaufte.

Schon in der 14. Minute klingelte es erstmals: Tomasz Buchholz, Eschborns quirliger Linksaußen, schloss nach Vorarbeit von Meik John eiskalt ab - 0:1. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", grinste Buchholz später, "manchmal muss man einfach draufhalten." Und er sollte recht behalten.

Marzahn wachte nun auf. Die Hausherren, taktisch auf Konter eingestellt, kamen plötzlich ins Rollen. In der 34. Minute drosch Charles McGee den Ball nach einer butterweichen Flanke von Peter Mann ins obere Eck - 1:1. Das Stadion tobte, das Bier floss, und kaum hatten sich die Fans von der Euphorie erholt, legte Alex Bruni nur eine Minute später nach. Sein Schuss nach Vorarbeit von Pedro Valdes landete präzise im Netz: 2:1.

"Da dachte ich, jetzt kippt das Spiel", sagte Henning später mit bitterem Lächeln. Kippte es auch - nur in die falsche Richtung.

Eschborn antwortete in der 40. Minute: Nevio Dietrich, der rechte Wirbelwind, traf nach Zuspiel von Petar Milosevic zum 2:2. Dietrich, der später noch zweimal jubeln durfte, kommentierte trocken: "Das war nur der Anfang." Und wie recht er hatte.

Nach der Pause brachte Yas Sin den jungen Torhüter Amaury Alvarez - eine mutige Entscheidung. "Johann (Rupp) hat einen fantastischen Job gemacht, aber ich wollte frische Energie", erklärte Sin. Alvarez hielt, was er halten musste, und vorne begann das Eschborner Offensivballett.

In der 60. Minute krönte sich Petar Milosevic selbst: Nach feinem Doppelpass mit Dietrich zog der 33-Jährige aus 18 Metern ab - 2:3. Eine Minute später revanchierte sich Dietrich mit seinem zweiten Treffer, diesmal nach Pass von Luis Klug - 2:4. Marzahns Defensive wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Kartenhaus im Wind.

Henning versuchte, mit Gesten und Rufen von der Seitenlinie Ordnung zu schaffen, doch die Gäste hatten längst übernommen. Eschborn agierte mit 51 Prozent Ballbesitz, aber gefühlt waren es 80. 22 Torschüsse gaben die Hessen ab - Marzahn kam gerade einmal auf fünf.

In der 76. Minute setzte Buchholz den Schlusspunkt. Wieder Klug als Vorbereiter, wieder ein schneller Lauf über links, und wieder keine Gegenwehr - 2:5. Der Rest war Schadensbegrenzung.

Tyler Carsley musste nach einer Verletzung bereits in der 29. Minute raus, Bruni kam zurück aufs Feld, doch der Schwung war dahin. "Als Tyler sich verletzte, war das wie ein Stich in den Motor", meinte McGee später.

In der Mixed Zone nach dem Spiel herrschte gedrückte Stimmung. Henning fasste zusammen: "Wir haben uns nach dem 2:1 in Sicherheit gewiegt. Gegen Eschborn ist das, als würde man beim Pokern gegen einen Zauberer spielen."

Yas Sin dagegen blieb gewohnt sachlich: "Ich bin zufrieden mit der Balance. Wir haben aggressiv gepresst, aber nie die Geduld verloren." Sein Team spielte tatsächlich wie aus einem Guss - stark im Zweikampf (57 Prozent gewonnen), mit langen Passstafetten, die Marzahn schwindlig machten.

Nevio Dietrich, der Mann des Abends, winkte beim Verlassen des Platzes den Fans zu und grinste breit: "Fünf Tore auswärts schmecken besser als jedes Weihnachtsdessert."

Am Ende blieb Marzahn nur der Applaus der eigenen Fans für den Kampfgeist - und die bittere Erkenntnis, dass man mit "weichem Einsatz" (wie es die Taktikdaten unbarmherzig vermerken) gegen ein "stark aggressives" Eschborn keinen Blumentopf gewinnt.

Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass Fußball manchmal eben grausam ehrlich ist. Oder wie ein älterer Fan auf der Tribüne murmelte: "Früher war Marzahn Beton, heute sind’s eher Pappwände."

Ein kleines Trostpflaster gab’s trotzdem: Die Bratwürste waren heiß, das Bier kalt - und der Abend hatte immerhin fünf Tore zu bestaunen. Nur leider auf der falschen Seite.

11.07.643987 23:13
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Im Fußball ist es wie im Eiskunstlauf - wer die meisten Tore schießt, der gewinnt.
Rainer Calmund
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