// Startseite
| Sportecho |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Ein Abendspiel, 45.538 Zuschauer, Flutlicht, pfeifender Wind - und fünf Tore, die kaum einer vergessen wird: Der 1. FC Eschborn hat am 17. Spieltag der 1. Liga Deutschland den VfB Merseburg mit 3:2 (2:2) besiegt. Was sich nach einem soliden Heimdreier anhört, war in Wahrheit ein wilder Ritt zwischen Genie, Wahnsinn und der Frage, ob man für so viel Drama eigentlich Eintritt oder Schmerzgeld zahlen sollte. Schon nach sieben Minuten hatte Tomasz Buchholz das Publikum auf den Beinen. Nach einer butterweichen Flanke von Rechtsverteidiger Marek Kisel rauschte der Ball volley ins Netz - 1:0, und das Stadion vibrierte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Buchholz nach dem Spiel und fügte hinzu: "Aber wenn’s so reingeht, sag ich auch nichts dagegen." Merseburg schüttelte sich kurz, dann übernahm Otto Justesen das Kommando. Der bullige Rechtsaußen traf doppelt - erst in der 28. Minute nach feinem Zuspiel von Marian Iliew, dann in der 35. nach einem energischen Vorstoß von Linksverteidiger Rafet Karaer. Dazwischen hatte Eschborns Jacob Holz (32.) wieder ausgeglichen - ein wuchtiger Schuss aus zwölf Metern, der im Winkel einschlug. Vier Tore in einer halben Stunde, und Trainer Yas Sin raufte sich an der Seitenlinie schon die Haare, die er ohnehin kaum noch hatte. "Ich wollte eigentlich Ruhe reinbringen", sagte er später, "aber das mit der Ruhe hat keiner gelesen." Zur Pause stand es 2:2, und die Statistik zeigte, dass Merseburg mit elf Torschüssen die aktivere Mannschaft war, während Eschborn mit 52 Prozent Ballbesitz die Geduldfraktion gab. Merseburgs Coach Dieter Bergmann sah das anders: "Ballbesitz ist etwas für Romantiker. Wir wollten Tore." Nach dem Seitenwechsel kam Eschborn wacher aus der Kabine. Vielleicht lag’s an der Halbzeitpredigt, vielleicht an der Einwechslung von Youngster Elliot Caroll. Jedenfalls stand es in der 49. Minute plötzlich 3:2, als ausgerechnet Rechtsverteidiger Marek Kisel - eben noch Vorlagengeber - selbst traf. Nach klugem Pass von Niklas Steffen hämmerte er den Ball ins kurze Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Kisel, "so wie im Training - nur dass’s da nie klappt." Danach wurde es zäher. Merseburg drückte, Eschborn konterte, und irgendwo dazwischen fragte sich das Publikum, ob die Flutlichtanlage vielleicht auch Herzfrequenzen messen könne. Otto Justesen versuchte es noch einmal aus 20 Metern (58.), Marian Iliew prüfte Keeper Logan Cochran in der 72. Minute, doch der Eschborner Torwart hielt, als ginge es um seine Rente. Kurz vor Schluss wurde’s nochmal hitzig: Zbynek Licka, gerade erst eingewechselt, sah Gelb (78.) - vermutlich, weil er dachte, Körperkontakt sei ein olympisches Pflichtprogramm. Bergmann tobte, Sin grinste, und das Publikum sang. In der Nachspielzeit brachte Sin noch den 18-jährigen Linus Fritsch, der prompt einen Sprint hinlegte, der mehr nach Jugend forscht als nach Endphase Bundesliga aussah. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich laufen kann", meinte er nach Abpfiff, "Ballkontakt war optional." Am Ende jubelte Eschborn, während Merseburg ratlos auf den Rasen starrte. "Wir haben zu leicht Tore bekommen", knurrte Bergmann. "Und drei sind halt eins zu viel." Statistisch betrachtet war’s ein Duell auf Augenhöhe: 9:11 Torschüsse, 52 zu 48 Prozent Ballbesitz, fast identische Zweikampfquoten. Nur auf der Anzeigetafel hatte Eschborn die Nase vorn - und das zählt bekanntlich immer noch mehr als jede Heatmap. Trainer Sin fasste es so zusammen: "Wir haben heute mehr Herz gezeigt. Und ein bisschen Glück. Okay, viel Glück." Ein Zuschauer brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Wer braucht schon Netflix, wenn man Eschborn gegen Merseburg gucken kann?" So endete ein Spiel, das alles hatte - Tempo, Tore, Taktik und ein bisschen Chaos. Und irgendwo in der Kabine summte Marek Kisel leise vor sich hin: "Ich wollte eigentlich flanken…" Vielleicht das schönste Eigentor der Ehrlichkeit an diesem Abend. 15.08.643987 18:04 |
Sprücheklopfer
Es war von vornherein klar, dass Leverkusen die stärkere Mannschaft ist. Wir haben derzeit niemanden, der gegen Neuville hätte spielen können - außer mir vielleicht.
Felix Magath