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Elfmeterschock in Bern: Luzern lacht zuletzt

An diesem frostigen Pokalabend in Bern verwandelte sich das Stadion Wankdorf in ein kleines Drama-Theater mit 32.000 Statisten. Am Ende jubelten nicht die Gelb-Schwarzen, sondern die Gäste aus Luzern, die nach 121 Minuten und einem Nervenkrimi vom Punkt das Achtelfinale überstanden - 5:7 nach Elfmeterschießen hieß es schließlich.

Dabei hatte alles so harmlos begonnen. Bern kontrollierte die Partie mit fast 58 Prozent Ballbesitz, ließ den Ball durch die eigenen Reihen zirkulieren, als wollten sie ihn hypnotisieren. Luzern dagegen tat, was Luzern offenbar am besten kann: kontern, flanken, schießen - und das gleich 18 Mal auf das Tor. "Wir haben uns gedacht, wenn wir schon nicht so viel den Ball haben, dann wenigstens Spaß beim Schießen", grinste Luzerns Coach Reinhard Wild nach dem Spiel.

Die erste Halbzeit? Ein Muster ohne Wert. Chancen hüben wie drüben, aber keine Tore. Ingo Eusebio prüfte früh den Luzerner Keeper, doch mehr als ein laues Lüftchen kam dabei nicht heraus. Auf der anderen Seite drosch Robert Mantovani gleich dreimal hintereinander auf den Ball ein, als wolle er ihn in den Berner Nachthimmel schießen.

Dann, kurz nach dem Seitenwechsel, brach Mantovani den Bann. In der 47. Minute vollendete er eine feine Hereingabe von Dylan Bosworth - 0:1. Luzerns Jubel war laut, Berns Schweigen lauter. Doch Joseph Weber, der Trainer der Berner, blieb ruhig. "Ich hab den Jungs gesagt: Keine Panik, Luzern kann nicht ewig rennen. Leider hatte ich Unrecht", sagte er später mit einem schiefen Lächeln.

Seine Mannschaft antwortete immerhin prompt. In der 64. Minute drückte Eusebio den Ball über die Linie, nachdem Theo Neville im Strafraum für Unordnung gesorgt hatte. Das 1:1 war verdient, und Bern schien nun die Kontrolle zu übernehmen. Luzern wankte, aber fiel nicht.

In der Verlängerung wurde das Spiel zum Abnutzungskampf. Age Gulbrandsen, eigentlich linker Verteidiger und nicht gerade bekannt für seine Torjägerqualitäten, traf in der 102. Minute nach einer butterweichen Flanke von Corey Duff zur 2:1-Führung. Das Stadion bebte, Weber riss die Arme hoch - Bern roch bereits das Viertelfinale.

Doch Luzern wäre nicht Luzern, wenn es sich einfach ergeben hätte. In der letzten Minute der Verlängerung, als die Berner Fans schon überlegten, ob sie den Glühwein austrinken oder verschütten sollten, schlug Felipe Caballero eiskalt zu. Nach Pass von Julien Achard traf der Joker zum 2:2 - und brachte seine Mannschaft ins Elfmeterschießen.

"Ich war schon halb auf dem Weg zur Dusche", gestand Caballero später lachend. "Dann ruft der Trainer: ’Felipe, rein da!’ - und ich dachte, na gut, dann mach ich halt noch eins."

Das Elfmeterschießen selbst war nichts für schwache Nerven. Neville, Van Zandt und Conceicao trafen für Bern, doch Patrik Berglund und ausgerechnet Gulbrandsen scheiterten kläglich. Auf der anderen Seite verwandelten Barros, Chawanow, Caballero, Mantovani und Bosworth eiskalt. Als Dylan Bosworth schließlich den entscheidenden Ball unter die Latte nagelte, explodierte der Gästeblock in Blau und Weiß.

"Ich wollte einfach nur nicht der Trottel sein, der verschießt", sagte Bosworth mit einem Grinsen, das vermutlich noch in Luzern zu sehen war.

Statistisch gesehen hätte Bern das Spiel wohl gewinnen müssen. Mehr Ballbesitz, mehr Struktur, weniger Chaos. Aber Fußball ist bekanntlich kein Statistikseminar, sondern eine Laune der Götter - und an diesem Abend hatten sie wohl Lust auf Luzern.

Trainer Weber wirkte nach dem Abpfiff gefasst. "Wir haben alles gegeben, aber am Ende fehlte das Glück - oder vielleicht der Mut, mal richtig draufzuhalten." Reinhard Wild hingegen genoss den Moment: "Wir hatten heute mehr Herz. Und Mantovani hatte offenbar drei Lungen."

Als die Luzerner Spieler nach dem Spiel noch vor der Kurve tanzten, rief ein Berner Fan halb bewundernd, halb verzweifelt: "Hättet ihr das nicht in der Liga machen können?"

So bleibt Bern draußen, Luzern drin - und der Pokal schreibt wieder einmal seine eigenen Geschichten. Geschichten von vergebenen Chancen, späten Treffern und Helden im Elfmeterschießen. Kurz: von einem Abend, den man in Luzern wohl noch lange erzählen wird - und in Bern vermutlich lange verschweigt.

19.09.643987 04:52
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Herzlichen Glückwunsch an Marco Kurz. Seine Frau ist zum zweiten Mal Vater geworden.
Thomas Häßler
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