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Ein Innenverteidiger als Matchwinner - das erlebt man nicht alle Tage. Doch am 13. Spieltag der 1. Liga Deutschland war es Joao Meireles, der Eintracht Völlen mit seinem Treffer in der 13. Minute zu einem 1:0‑Heimsieg über den SV Beuel führte. 32 292 Zuschauer im ausverkauften Völlener Stadion sahen ein Spiel, das an Intensität gewann, aber an Toren sparte - und das trotz 24 Torschüssen insgesamt. Trainer Dennis Hees grinste nach Abpfiff verschmitzt: "Wenn der Joao so weitermacht, muss ich ihn bald als Stürmer aufstellen. Er hat das Tor gemacht, den Laden hinten dichtgehalten - was will man mehr?" Meireles selbst gab sich bescheiden: "Ich bin Verteidiger, kein Torjäger. Aber manchmal fällt der Ball eben genau richtig." Dabei begann das Spiel mit offenem Visier. Schon in der 7. Minute prüfte Lewis Preston den Beueler Keeper Jay Reid mit einem satten Schuss aus 18 Metern. Es war ein Vorgeschmack auf die Völlener Flanken‑ und Schusswut - 15 Abschlüsse zählte die Statistik am Ende. Nur einer davon zappelte im Netz: Meireles’ Kopfball nach einer butterweichen Flanke von Marc Arredondo, der damit sein drittes Assist der Saison verbuchte. Beuel schüttelte sich kurz, aber nicht lange. Leandro Rodrigo auf links und Hrvoje Puljiz im Zentrum versuchten, Völlens Abwehr zu knacken. Doch was auch kam - Meireles stand da, wo ein Innenverteidiger stehen muss, und klärte mit jener stoischen Ruhe, die man sonst nur bei Yoga‑Lehrern vermutet. Die Gäste aus Beuel, von Trainer René Kuhl gewohnt offensiv eingestellt, ließen sich vom frühen Rückstand nicht entmutigen. "Wir haben das Spiel nie verloren gegeben", sagte Kuhl später, "aber wir haben das Tor einfach nicht getroffen." Neun Schüsse, keiner drin - das fasste die Beueler Misere treffend zusammen. Kurz vor der Pause kam es zu einer kleinen Szene für die Galerie. Nach einem harten, aber fairen Zweikampf geriet Beuels Stürmer Puljiz mit Völlens Linksverteidiger Sergio Domingos aneinander. Der Schiedsrichter löste die Situation mit Gelb für beide Parteien - wobei Domingos seine Verwarnung erst in der 86. Minute nachholte. "Ich hab nur ’Guten Abend’ gesagt", grinste er nach dem Spiel, "aber anscheinend war das zu laut." In der zweiten Halbzeit zog sich Völlen etwas zurück, spielte kontrollierter, während Beuel das Risiko erhöhte. Kuhl reagierte früh: zur Pause brachte er Charpentier und Teixeira, später Galbraith für den glücklosen Kisel. Doch jede neue Offensivkraft biss sich an der disziplinierten Völlener Hintermannschaft die Zähne aus. Torwart Karsten Lange, der sonst eher ein ruhiges Spiel hat, musste in der 49. Minute sein ganzes Können zeigen, als Rodrigo einen platzierten Schuss aufs lange Eck abfeuerte. Lange fischte den Ball mit einer Flugparade heraus, die das Stadion kurz in kollektives Staunen versetzte. "Ich hab einfach gehofft, dass meine Arme lang genug sind", witzelte er später. Völlen blieb gefährlich - vor allem über die Flügel, wie es Trainer Hees’ Taktik vorsah. Guillermo Mingo und Martin Pudil wirbelten auf den Außenbahnen, während Preston vorne lauerte. In der 63. Minute setzte Pudil das Leder knapp über die Latte; später kam der eingewechselte Javier Coelho, der in der 91. Minute beinahe das 2:0 erzielt hätte. Doch Jay Reid verhinderte Schlimmeres. Die Schlussphase wurde hitzig. Beuel drückte, Völlen konterte. Der Ballbesitz war mit 52 Prozent leicht auf Seiten der Gastgeber, doch es fühlte sich aus Beueler Sicht wohl an wie 20 Prozent - so selten wie sie gefährlich vor das Tor kamen. Als Elof Anderson in der 92. Minute noch Gelb sah, war der Frust greifbar. Schiedsrichter Bender pfiff nach 93 Minuten ab, und das Stadion explodierte in Jubel. Ein Spiel, kein Spektakel - und doch ein wertvoller Sieg. Völlen klettert damit in der Tabelle weiter nach oben, während Beuel sich mit der alten Fußballweisheit trösten muss: Wenn du vorne die Dinger nicht machst, kriegst du hinten eins. Zum Schluss brachte es Dennis Hees trocken auf den Punkt: "Schön spielen kann jeder. 1:0 gewinnen - das ist Kunst." Und Joao Meireles stand daneben, grinste - und sah dabei verdächtig nach einem Künstler aus. 07.06.643987 00:52 |
Sprücheklopfer
Im Fußball ist es wie im Eiskunstlauf - wer die meisten Tore schießt, der gewinnt.
Rainer Calmund