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Die Flutlichtanlage leuchtete, der Rasen war sattgrün, und 25.331 Zuschauer atmeten kalte Januarluft - perfekte Bedingungen für ein gemütliches 1:1 zwischen Dinamo Dresden und Ludwigshafen. Gemütlich zumindest für die Dresdner, die sich über weite Strecken der Partie eher als Statisten in Ludwigshafens Schussübungsprogramm verstanden. Denn die Gäste schossen aus allen Lagen. Ganze 17 Torschüsse standen am Ende zu Buche - fast dreimal so viele wie die Hausherren (5). "Wenn man so oft draufhält, muss irgendwann einer reingehen", murmelte Ludwigshafens Trainer Frank Seil nach der Partie, "leider hat’s nur einmal geklappt - und dann gleich wieder nicht mehr." Die Anfangsphase gehörte eindeutig den Gästen. Schon in der ersten Minute prüfte Azmi Joffe Dresdens jungen Keeper Haim Tal, der mit einer Parade Marke "Flummi auf Koffein" glänzte. Danach hagelte es Abschlüsse: Preston in der 3., Bischara in der 5., wieder Preston in der 9. und 19. Minute - man hatte das Gefühl, Ludwigshafen wolle die Torlatte warm schießen. Dresden dagegen suchte in der ersten Halbzeit vor allem nach Ordnung. Trainer Maikma Nauskas schickte seine Elf offensiv ausgerichtet aufs Feld, doch von Offensive war wenig zu sehen. "Wir waren da, aber der Ball wollte irgendwie nicht mitmachen", sagte Mittelfeldmann Arne Mohr mit einem schiefen Grinsen. Ein Highlight der ersten 45 Minuten? Vielleicht der Moment, als ein Fan im K-Block eine Bratwurst fallen ließ - der Applaus dafür war immerhin lauter als jeder Dresdner Abschluss. Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild ähnlich. Ludwigshafen machte das Spiel, Dresden versuchte, es zu überstehen. In der 64. Minute war es dann soweit: Marcio Coelho, gerade einmal 21 Jahre jung und frisch für den glücklosen Joffe eingewechselt, traf nach Vorarbeit von Bradley Primes zur verdienten Führung. "Ich hab einfach nur draufgehalten", grinste Coelho später, "und gehofft, dass der Ball diesmal nicht am Stadion vorbeifliegt." Kaum war der Jubel verklungen, da kam Dresden aus dem Nichts zurück. Gerade eine Minute nach dem 0:1 schickte Innenverteidiger Julius Buchholz einen langen Ball auf Helmut Hummel - und der traf trocken zum 1:1-Ausgleich. Hummel, der zuvor kaum in Erscheinung getreten war, rannte jubelnd zur Eckfahne und schrie in Richtung Haupttribüne: "Jetzt sind wir wach!" - was man in den Gesichtern seiner Mitspieler allerdings nicht unbedingt erkennen konnte. Von da an wurde es eine wilde, aber torlose Schlussphase. Ludwigshafen rannte weiter an, Dresden konterte sporadisch. Der 17-jährige Luis Rupp kam in der 60. Minute für Marco Beto und brachte frischen Wind - oder besser gesagt: eine leichte Brise. In der 82. Minute durfte noch Pietro Benedetto für den müden Mohr ran. "Ich wollte eigentlich gar nicht raus", witzelte Mohr später, "aber der Trainer meinte, ich hätte schon genug Kilometer für zwei gemacht - nur halt nicht in Richtung Tor." Die letzten Minuten gehörten wieder Hummel, der in der Nachspielzeit fast noch den Siegtreffer erzielte. Sein Schuss in der 91. Minute aber landete in den Armen von Gästekeeper Humberto Barreda. Der hielt das Unentschieden fest - und wahrscheinlich auch seine Mannschaft vom kollektiven Nervenzusammenbruch ab. Statistisch gesehen war Ludwigshafen das klar bessere Team: mehr Ballbesitz (55 %), höhere Zweikampfquote (56 %), mehr Abschlüsse - aber eben nicht mehr Tore. "Das ist Fußball", seufzte Trainer Seil. "Manchmal spielt man Schach, manchmal Mensch ärgere dich nicht." Dresdens Coach Nauskas sah das naturgemäß anders: "Ich bin stolz auf die Jungs. Gegen so einen Gegner musst du leiden. Und wir haben gelitten - aber mit Stil." Nach Abpfiff klatschten die Dresdner Fans ihr Team trotzdem ab, als hätte es einen Sieg gegeben. Vielleicht, weil sie wussten, dass man gegen 17 gegnerische Schüsse am Ende auch einfach glücklich sein darf. Und so bleibt ein Spiel in Erinnerung, in dem Ludwigshafen alles tat - nur nicht gewann, und Dresden kaum etwas tat - und trotzdem nicht verlor. Ein Ergebnis, das beiden wenig hilft, aber beiden recht ist. Oder wie ein Dresdner Fan beim Hinausgehen trocken meinte: "1:1 - das ist wie lauwarme Suppe. Aber wenigstens ist sie nicht angebrannt." 22.02.643987 19:35 |
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Wir haben ungefähr 27 Gruppen im Kader. Wir treten an unter der Prämisse der Artenvielfalt.
Christoph Daum über die Gruppchenbildung in seinem Team