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Es war einer dieser Abende, an denen man nicht so genau weiß, ob man im Stadion oder in einer absurden Theateraufführung sitzt. 58.371 Zuschauer hatten sich am Freitagabend im Brüggli-Stadion eingefunden, um den FC Brugg gegen Blau-Weiss Luzern zu sehen - und sie bekamen ein Spiel, das irgendwo zwischen Drama, Slapstick und Lehrfilm über verpasste Chancen pendelte. Am Ende stand ein 1:1, das beiden Trainern nicht so recht schmecken wollte. Die erste Halbzeit verlief wie ein gut gemeinter, aber schlecht zubereiteter Eintopf: viele Zutaten, aber kein Geschmack. Brugg hatte mehr Ballbesitz (54 Prozent), mehr Torschüsse (17 insgesamt) und deutlich mehr Ideen - allerdings nur bis zum Strafraum. "Wir haben dominiert, aber das Tor war wie vernagelt", knurrte FC-Trainer Stefan Schreiner nach dem Spiel. In der Tat: Hafner, Madigan und Lindemann schossen reihenweise drauflos, aber Luzerns Keeper Lasse Rauch hatte offenbar einen dieser Tage, an denen er auch eine Fliege im Winkel gehalten hätte. Luzern, von Trainer Reinhard Wild wie gewohnt offensiv eingestellt, setzte auf Konter. Dylan Bosworth testete Brugg-Torhüter Cvitanovic gleich zweimal in den ersten Minuten - ohne Erfolg. "Wenn der reingeht, läuft das Spiel anders", meinte Bosworth später mit einem Schulterzucken, das irgendwo zwischen Resignation und Galgenhumor lag. Nach der Pause dann endlich Leben im Spiel. In der 60. Minute nahm Detlev Hafner Maß, aus gut 18 Metern, und diesmal war Rauch machtlos - 1:0 für Brugg, und das Stadion bebte. Hafner, sonst eher der ruhige Typ, rannte jubelnd zur Eckfahne und schrie irgendetwas, das man selbst auf der Pressetribüne nicht drucken darf. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste er später. "Der Ball wollte wohl auch mal rein." Doch die Freude währte nicht lang. Nur sieben Minuten später, in der 67. Minute, schlug Luzern zurück. Der junge Innenverteidiger Franck Stock, gerade erst eingewechselt, spielte einen Pass, der so präzise war, dass Robert Locklear nur noch den Fuß hinhalten musste - 1:1. "Das war wie im Training", sagte Locklear hinterher und fügte mit einem Schmunzeln hinzu: "Nur dass wir im Training selten so viele Leute jubeln hören." Dann kam die 76. Minute - und mit ihr der Moment, in dem Joseph Wendt offenbar kurz vergaß, dass Fußball kein Kampfsport ist. Nach einem heftigen Einsteigen gegen Hubtschew zückte Schiedsrichter Meier ohne Zögern Rot. Luzerns Trainer Wild war außer sich. "Er spielt den Ball!", brüllte er, während Wendt mit gesenktem Kopf vom Platz trottete. "Na ja", kommentierte Hubtschew später trocken, "den Ball vielleicht in einem Paralleluniversum." Mit einem Mann mehr drückte Brugg nun aufs Gaspedal, aber die Präzision blieb ein Problem. Madigan und Lindemann ballerten, als gäbe es Punkte fürs Zielen daneben, und in der 90. Minute setzte der eingewechselte Jungspund Darijo Boksic den Ball Zentimeter über die Latte. Schreiner schlug die Hände vors Gesicht, drehte sich zur Bank und murmelte: "Wenn wir noch länger spielen, treffen wir vielleicht das Dach." Luzern verteidigte das Remis mit Zähnen und Klauen, ja fast buchstäblich - in der Nachspielzeit lag Bruggs 19-jähriger Thierry Busch nach einem harten Zweikampf verletzt am Boden. Die Diagnose steht noch aus, aber Schreiners Kommentar war eindeutig: "Wenn der Junge länger ausfällt, bekommt Wendt von mir persönlich einen Brief." Am Ende blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das sich in den Statistiken gerecht anhört, aber auf dem Platz deutlich nach Chancenwucher schmeckte. "Ein Punkt ist ein Punkt", meinte Luzerns Trainer Wild nach dem Abpfiff, "aber wir hätten auch verlieren können - oder gewinnen. Eigentlich passt das Unentschieden perfekt zu diesem verrückten Spiel." Schreiner hingegen hatte Mühe, das Positive zu sehen: "Wir haben 17 Schüsse aufs Tor, sie acht. Und trotzdem…", er seufzte, "...hängen wir wieder in der Tabelle fest." Dann lächelte er schief: "Aber wenigstens haben wir niemanden verletzt - na ja, fast niemanden." So ging ein Abend zu Ende, der viel versprach, viel bot - und trotzdem niemanden richtig glücklich machte. Ein Spiel wie ein offener Witz: man lacht, weil man sonst weinen müsste. Und irgendwo in der Kabine summte Hafner leise: "Ein Tor ist besser als keins." Ganz unrecht hatte er damit nicht. 07.08.643990 13:24 |
Sprücheklopfer
Ich habe es mir sehr genau überlegt und dann spontan zugesagt.
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