Sport-Blick
+++ Sportzeitung für Schweiz +++

Ein Laternenmoment in St. Gallen: Verteidiger Hirsch rettet Remis gegen Racing Club GE

Es war ein Abend, an dem die Flutlichtmasten der Kybunpark-Nachbaranlage ein wenig heller leuchteten als die Ideen der Offensivreihen - und doch ging keiner der 9500 Zuschauer unzufrieden nach Hause. SV St. Gallen und der Racing Club GE trennten sich am 3. Spieltag der 3. Liga Schweiz (1. Div) nach einem zähen, aber spannenden 1:1 (0:1).

Die Gäste aus Genf waren zu Beginn die forscher wirkende Mannschaft. Trainer Truthan Trainer - ja, der Mann heißt wirklich so - hatte seine junge Truppe auf "mutig, aber nicht lebensmüde" eingestellt. Und genau so traten sie auf. Schon in der elften Minute prüfte Johann Benz den St. Galler Keeper Ernst Boyer mit einem satten Linksschuss. "Ich wollte nur mal testen, ob er wach ist", grinste Benz nach dem Spiel. Boyer war’s - noch.

In der 26. Minute aber schlief St. Gallen kurz ein. Nach feinem Pass von Frank Michaud tauchte der 19-jährige Paul Reinhardt auf dem linken Flügel auf, zog unbedrängt in die Mitte und schlenzte den Ball überlegt ins lange Eck. 0:1 - und ein Tor, das in seiner jugendlichen Frechheit fast schon pädagogisch wertvoll war. "Ich hab einfach gemacht, was uns der Coach immer sagt: Schießen, bevor du nachdenkst", lachte Reinhardt später, während Trainer Trainer daneben nickte, als hätte er gerade die Fußballpädagogik neu erfunden.

St. Gallen brauchte eine Weile, um die Fassung wiederzufinden. Zwar kamen Claudio Giovanni (23.) und Pascal Herbst (28.) zu Chancen, doch Genfs Keeper Olivier Benoist - gerade mal 19 und mit der Gelassenheit eines Finanzbeamten - hielt alles, was kam. In der Pause war im St. Galler Kabinengang zu hören, wie ein Spieler murmelte: "Wir spielen wie mit angezogener Handbremse - auf dem Fahrrad."

In der zweiten Hälfte änderte sich das Bild nur langsam. Trainer des SV St. Gallen - der auf der Bank auffällig häufig die Stirn massierte - ließ seine Elf weiter ausgewogen spielen, während Racing Club GE auf Konter lauerte. Der Ballbesitz blieb fast ausgeglichen (49,9 zu 50,1 Prozent), die Torschüsse ebenso (10 zu 9). Doch das Spiel kippte, als Pascal Herbst in der 67. Minute Gelb sah. Der rechte Mittelfeldmann nahm’s sportlich: "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", erklärte er später augenzwinkernd.

Nur drei Minuten später aber wurde Herbsts Name wieder positiv erwähnt - diesmal als Vorlagengeber. In der 70. Minute flankte er präzise auf den mit aufgerückten Rechtsverteidiger Marcus Hirsch, der den Ball per Direktabnahme unter die Latte jagte. Ein Tor, so unerwartet wie ein Poesiealbum im Strafraum. Hirsch, 33, grinste danach: "Ich dachte erst, das zählt nicht. So alt wie ich bin, darf man da vorne eigentlich gar nicht mehr stehen."

Das Stadion tobte, die Zuschauer winkten ihre Schals, und plötzlich war der SV St. Gallen wieder im Spiel. Racing Club GE schüttelte sich kurz, kam durch Andrew Sinclair (73.) und erneut Reinhardt (69.) noch zu gefährlichen Szenen, doch Torwart Boyer hielt den Punkt fest - mit einer Flugparade in der 95. Minute, die man in St. Gallen wohl noch beim Frühschoppen besprechen wird.

"Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", sagte Marcus Hirsch nach dem Abpfiff in die Mikrofone. "Wir haben uns nicht versteckt, auch wenn’s manchmal so aussah." Sein Trainer ergänzte trocken: "Wenn meine Außenverteidiger die Tore schießen, dann haben wir entweder alles richtig oder alles falsch gemacht."

Racing-Coach Truthan Trainer hingegen wirkte trotz des späten Ausgleichs zufrieden: "Wir sind jung, wir lernen. Heute haben wir gelernt, dass ein Spiel 90 Minuten dauert - und manchmal auch 95."

So endete ein Duell, das weniger durch Glanz als durch Gleichgewicht auffiel. Beide Teams lieferten sich ein statistisches Spiegelbild: fast identischer Ballbesitz, fast gleiche Zweikampfquote, fast gleich viele Torschüsse. Es war, als hätte sich der Fußball selbst in den Spiegel geschaut - und festgestellt: "Gar nicht so schlecht, aber da geht noch was."

Am Ende blieb ein Punkt für beide Seiten, ein Abend mit ehrlichem Kampf und einem Verteidiger als Held. Und irgendwo in der Kabine soll Marcus Hirsch noch gesagt haben: "Vielleicht stell ich mich nächste Woche gleich ganz vorne hin - sicher ist sicher."

Ein 1:1, das niemandem weh tut - außer vielleicht den Statistikern, die verzweifelt nach einem Unterschied suchen.

22.06.643990 04:12
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager