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Drama pur im Pokal: Wangen wirft's im Elfmeterschießen raus

Es war ein Fußballabend, wie ihn Drehbuchautoren lieben - und Torhüter eher weniger. 59.000 Zuschauer im prall gefüllten Stadion von Wangen, ein Halbfinale im Pokal, das an Spannung kaum zu überbieten war, und am Ende ein Elfmeterschießen, das selbst abgebrühte Reporter nervös an den Kugelschreiber kauen ließ. 7:8 nach Elfmeterschießen lautete das Endergebnis - und der 1. FC Eschborn zieht in ein Finale ein, das sie zur Pause schon fast in weiter Ferne gesehen hatten.

Dabei begann alles nach Maß für den FC 1903 Wangen. Trainer Ready Play hatte seine Elf defensiv geordnet und mit aggressivem Pressing eingestellt. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur Beton anrühren, sondern auch Fußball spielen können", grummelte er später mit einem Anflug von Sarkasmus. Und tatsächlich, seine Jungs spielten.

In der 25. Minute war es Jan Demo, der nach schöner Vorarbeit von Mirko Rasiak das 1:0 erzielte - ein Treffer, so sauber wie ein frisch gebügeltes Trikot. Nur drei Minuten später legte Edward Donahue nach, nachdem Diego Tonel ihm den Ball maßgerecht serviert hatte. 2:0, und das Stadion tobte. Es roch schon nach Pokalfinale, nach Bier und Glück.

Doch Fußball, dieser launische alte Freund, liebt keine einfachen Geschichten. Kurz vor der Pause sah Wangens Verteidiger Gianluca Trenta Gelb, und fünf Minuten nach Wiederanpfiff Gelb-Rot. "Ich hab ihn kaum berührt", schwor Trenta später steif und fest. Der Schiedsrichter sah das anders. Von da an kippte das Spiel - im wahrsten Sinne.

Nur eine Minute nach der Hinausstellung traf Eschborns Tomasz Buchholz zum 2:1-Anschluss. "Da haben wir Blut gerochen", grinste Eschborns Trainer Yas Sin nach der Partie, "und Wangen hat angefangen zu schwimmen." Es war die Wahrheit. Die zuvor so stabile Defensive wackelte, die Konter der Gäste wurden gefährlicher.

In der 72. Minute glich Eduardo de la Fuente mit einem trockenen Schuss aus. Der Pass kam von Abwehrhüne Lucas Cascarino - ja, der mit der Frisur, die aussieht, als hätte sie einen eigenen Friseurvertrag. Ab da war klar: Dieses Halbfinale würde keine ruhige Nacht für irgendwen werden.

Die Statistiken erzählten später von 20 Torschüssen der Wangener, 17 auf Seiten der Eschborner, beinahe identischem Ballbesitz (50,4 zu 49,6 Prozent) und Tackling-Quoten, die sich auf die Kommastelle nichts schenkten. Es war ein Spiel auf Augenhöhe - mit der kleinen Differenz, dass Eschborn am Ende das glücklichere Auge hatte.

Nach 120 Minuten stand es 2:2, beide Teams auf dem Zahnfleisch, und Eschborns Werner Ledig verabschiedete sich noch mit einer Roten Karte. "Ich hab nur laut geatmet", behauptete er, während er in die Kabine stapfte. Das Elfmeterschießen wurde zur Nervenprobe.

Ryan MacNaughton trat als erster für Wangen an - und verschoss. "Ich hab den Ball zu sehr gewollt", murmelte er später, was ungefähr so viel half wie eine Entschuldigung bei einem kaputten Fenster. Es folgten Treffer von Thalis Ardizoglou für Eschborn, Daniel Gama und Diego Tonel für Wangen, Buchholz, Mirko Rasiak, Niels Wegener, Hugo Santos - alle trafen, alle zitterten. Doch als Lewis Lorring seinen Elfmeter über die Latte jagte und Eduardo de la Fuente für Eschborn verwandelte, brach der Jubel los.

"Ich hab gar nicht hingeschaut", sagte Eschborns Keeper Logan Cochran, "ich hab nur auf die Reaktion der Fans gehört." Nun, die war laut genug, um die Alpen zu erschüttern.

Wangen dagegen blieb nur der bittere Applaus. Trainer Ready Play fasste es mit Galgenhumor: "Wir haben 120 Minuten lang gezeigt, dass wir Pokalfußball können. Nur das mit dem Elfmeterschießen, das üben wir dann nächste Woche - vielleicht ohne Tor."

Eschborn zieht also ins Pokalfinale ein, Wangen bleibt die Erkenntnis, dass Fußball manchmal grausam, aber immer sehenswert ist. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Fan beim Hinausgehen trocken: "War doch klar - Elfmeterschießen ist Lotto. Und Wangen hat wieder die falschen Zahlen getippt."

Ein würdiges Halbfinale, ein unbarmherziger Abend - und ein Spiel, das noch lange in den Köpfen bleiben wird.

11.08.643993 07:17
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Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon
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