// Startseite
| Sport-Blick |
| +++ Sportzeitung für Schweiz +++ |
|
|
|
37344 Zuschauer im ausverkauften Stadion an der Luzerner Allmend bekamen am Freitagabend ein Fußballspiel serviert, das alles hatte: jugendliche Unbekümmertheit, rote Karten, zittrige Schlussminuten - und einen Schlussakkord, der selbst den hartgesottenen Tribünen-Veteranen das Bier verschütten ließ. Am Ende gewann Blau-Weiss Luzern mit 2:1 gegen den FC Kriens, und das trotz Unterzahl. Schon die Anfangsphase hatte es in sich: Der Gast aus Kriens begann frech und zielstrebig. Nach nur einer Viertelstunde donnerte der 17-jährige Owen Greenwald den Ball ins Netz - nach feiner Vorlage seines Altersgenossen Andreas Bremer. Zwei Teenager also, die Luzern kurzzeitig an die eigene Jugendabteilung erinnerten. "Ich hab einfach draufgehalten. Der Ball hat gemacht, was er wollte", grinste Greenwald später, als hätte er gerade nach der Schule das entscheidende Pausentor geschossen. Doch Blau-Weiss ließ sich davon nicht beirren. Trainer Reinhard Wild, der an der Seitenlinie so ruhig wirkte wie ein Schachspieler auf Valium, schickte seine Offensivkräfte immer wieder über die Flügel. Vor allem der 17-jährige Henri Diarra sorgte für Aufsehen - und für den Ausgleich. In der 37. Minute staubte er nach Vorlage von Arjen Vrooman eiskalt ab. Ein Tor, das so abgeklärt war, dass man kaum glauben konnte, dass der Junge noch nicht mal Auto fahren darf. "Ich hab einfach gemacht, was der Coach gesagt hat - draufgehen, bis einer umfällt", sagte Diarra nach dem Spiel mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Schüchternheit und Selbstbewusstsein pendelte. Zur Pause stand es 1:1, und die Statistiken zeigten ein ausgeglichenes Bild: 50 zu 50 Prozent Ballbesitz, 14 zu 8 Torschüsse aus Luzerner Sicht. Das Spiel war offen - bis zur 58. Minute. Da sah Mittelfeldmotor Arjen Vrooman Rot, nachdem er in einem übermotivierten Zweikampf seinen Gegenspieler umpflügte, als wolle er ihn in die Tribüne tackeln. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte sich Vrooman später, "aber der Ball war leider schneller." Trainer Wild kommentierte trocken: "Arjen hat heute etwas zu viel Energie getankt - vielleicht doppelt Espresso vor dem Spiel." In Unterzahl zog sich Luzern zurück, Kriens übernahm das Kommando, doch die Gäste fanden gegen die kämpfende Abwehr kaum ein Durchkommen. Torhüter Robert Siebert, 20 Jahre jung, parierte, was zu parieren war - und das mit einer Gelassenheit, die selbst sein Trainer verblüffte: "Ich dachte kurz, er schläft da hinten. Aber dann fliegt er wie Superman." Dann kam die Nachspielzeit. 96. Minute. Der Ball zirkulierte in den Luzerner Reihen, als wolle man das 1:1 sichern - doch plötzlich schaltete der eingewechselte Diego Giuliani den Turbo ein, flankte butterweich in den Strafraum, und Felipe Caballero, der Routinier im Sturm, köpfte das Leder wuchtig ins Eck. 2:1. Jubel. Ausnahmezustand. "Ich wusste, dass er kommt", sagte Caballero danach über Giulianis Hereingabe. "Wir trainieren das so - meistens klappt’s nicht, heute halt schon." Die Kriens-Spieler sanken enttäuscht zu Boden, während die Luzerner Fans das Stadion zum Beben brachten. Selbst der Stadionsprecher vergaß kurz seine Professionalität und brüllte den Torschützen so laut ins Mikro, dass man ihn wahrscheinlich noch am Vierwaldstättersee hörte. Die Statistik des Spiels liest sich wie ein Spiegelbild der Emotionen: 14 Torschüsse für Luzern, 8 für Kriens, leichtes Ballbesitzplus für die Gäste (50,1 Prozent), aber am Ende das entscheidende Tor für die Gastgeber. Fußball, wie er sein soll - unberechenbar, dramatisch, ungerecht und wunderschön. "Das war ein Sieg des Willens", resümierte Trainer Wild in der Pressekonferenz, während er sich durch die grauen Haare strich. "Wenn du mit zehn Mann so fightest, dann hast du’s verdient." Sein Gegenüber, Kriens-Coach Rolf Meyer, sah das naturgemäß anders: "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb." Die Fans sangen noch Minuten nach Abpfiff, die Spieler feierten auf dem Rasen, und irgendwo grinste der junge Henri Diarra in die Kamera, als hätte er gerade verstanden, dass große Fußballabende manchmal einfach passieren - auch an einem kalten Februarabend in Luzern. Und während die letzten Zuschauer das Stadion verließen, murmelte ein älterer Herr in der dritten Reihe: "So jung, so wild - die spielen noch mit Herz. Und der Caballero hat’s halt im Blut." Recht hat er. Fußball bleibt eben ein Spiel für Romantiker - auch in der 1. Liga Schweiz. 27.10.643990 13:39 |
Sprücheklopfer
Wir haben 20 Mann. Es müssen immer zwei Mann zu Hause bleiben. Wenn er lange ausfällt, dann bleibt in Zukunft nur noch einer zu Hause.
Mario Basler über eine Verletzung von Giovane Elber