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Deportivo Marde tanzt Cerrense aus - ein Abend voller Leidenschaft und Latte

Ein lauer Februarabend, 20 Uhr in Montevideo. 33.465 Zuschauer im Estadio del Mar - und ein Spiel, das sich langsam, fast beiläufig, in einen Fußballabend verwandelte, über den man noch beim Frühstück am nächsten Tag reden würde. Deportivo Marde schlug CD Cerrense mit 3:1, und das auf eine Weise, die selbst den skeptischsten Fan zu einem Lächeln zwang.

"Wir wollten einfach Spaß haben - und Tore schießen hilft da ungemein", grinste Raffaello Calabro nach Abpfiff, noch immer leicht atemlos. Der 34-jährige Rechtsaußen war an allen drei Treffern beteiligt, ein wandelndes Ärgernis für Cerrense und gleichzeitig der Motor eines Marde-Teams, das sich in Spielfreude badete.

Die Partie begann mit einem vorsichtigen Abtasten - Marde offensiv ausgerichtet, aber ohne übertriebenes Pressing, Cerrense hingegen mit einem "ausbalancierten" Ansatz (so nannte es Trainer Leahcim Gnipeur später mit leicht ironischem Unterton). "Ausbalanciert" bedeutete in diesem Fall: man ließ Marde spielen und hoffte auf Konter. Doch wer hofft, kassiert oft.

In der 43. Minute war es soweit: Calabro tänzelte auf rechts, legte den Ball perfekt in den Lauf von Rutger Verbeck, und der Niederländer drosch ihn trocken unter die Latte. 1:0. "Ich hab ihn nicht mal richtig gesehen, nur gehört - dieses *Wumm!*", lachte Verbeck später. Zur Halbzeit schien alles im Lot für die Gastgeber.

Doch Cerrense kam frischer aus der Kabine. Vielleicht hatte Gnipeur in der Pause einen besonders scharfen Mate-Tee serviert, denn seine Jungs waren plötzlich aggressiver, bissiger, lauter. In der 55. Minute belohnte sich das Team: der 17-jährige Carles Meira, sonst eher schüchtern, spielte einen Pass, wie ihn selbst ein 27-jähriger Weltstar nicht präziser hätte setzen können. Kay Schäfer, der flinke Linksaußen, nahm Maß - 1:1. Der Auswärtsblock tobte.

"Da dachte ich: Jetzt kippt das Ding", gab Mardes Keeper Julian Aznar später zu. Doch kaum hatte man diesen Gedanken zu Ende gedacht, war Guillermo Espriu zur Stelle. Nur vier Minuten nach dem Ausgleich schob der Routinier nach feinem Doppelpass mit, na klar, Calabro, eiskalt ein - 2:1. Die Stimmung im Stadion kippte endgültig in Richtung Euphorie.

Cerrense stemmte sich dagegen, hatte durch Schäfer (82.) noch eine gute Chance, doch Aznar hielt mit den Fingerspitzen. Stattdessen machte Marde in der Nachspielzeit den Deckel drauf: Louis Reid, der stille Arbeiter im linken Mittelfeld, flankte mustergültig, und Calabro krönte seinen Galaabend mit einem coolen Abschluss zum 3:1. "Ich wollte eigentlich flanken", zwinkerte Reid später - worauf Calabro nur trocken antwortete: "Ich auch."

Statistisch sah das Spiel knapper aus, als es sich anfühlte: 49,6 Prozent Ballbesitz für Marde, 50,3 für Cerrense. Doch bei den Torschüssen (14:6) sprach alles für die Hausherren. Mardes Defensive um Tomasz Weise und Gabor Szucs stand stabil, während Cerrense mit zunehmender Spieldauer die Ordnung verlor - zwei Gelbe Karten (Menendo 37., Veloso 41.) sprachen eine deutliche Sprache.

Trainer Gnipeur nahm’s mit Galgenhumor: "Wir haben das Spiel nur optisch kontrolliert. In Wahrheit hat Marde uns kontrolliert - und zwar freundlich, aber bestimmt." Sein Gegenüber, der Marde-Coach, grinste nur: "Ich sag ja immer, Offensive ist die beste Verteidigung. Heute hat’s ausnahmsweise mal gestimmt."

Das Publikum verabschiedete seine Mannschaft mit rhythmischem Applaus, ein paar Kinder kletterten auf die Schultern ihrer Väter, um Calabro noch einmal zuzuwinken. Der blickte in die Kurve, hob beide Daumen und rief: "Bis nächste Woche!" - als wäre das Ganze ein Nachbarschaftstreffen und kein Pflichtspiel in der 1. Liga Uruguay.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Teams, das reifer und gleichzeitig spielfreudiger wirkt als noch vor ein paar Wochen. Deportivo Marde hat sich mit diesem 3:1 endgültig im oberen Tabellendrittel festgebissen, während Cerrense weiter nach der richtigen Balance sucht - auf dem Platz und vielleicht auch im Kopf.

Und wenn man ehrlich ist: Wer Calabro, Verbeck und Espriu so harmonieren sieht, der bekommt Lust, öfter ins Estadio del Mar zu pilgern. Denn dort spielt zurzeit kein Fußballmaschine - sondern eine Mannschaft, die Spaß daran hat, das Spiel schön aussehen zu lassen. Und das ist im modernen Fußball ja fast schon ein Wunder.

(Artikel von Ihrem Sportreporter im Abendblatt, 20. Spieltag der 1. Liga Uruguay, Deportivo Marde - CD Cerrense 3:1)

16.01.643991 12:52
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