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Ein warmer Abend in Montevideo, 31.258 Zuschauer, gespannte Gesichter, ein Hauch von Mate-Tee in der Luft: Defeder Sporting empfing am 9. Spieltag der 1. Liga Uruguay die Gäste von CD Cerrense - und bekam eine Lehrstunde in Geduld, Effizienz und, ja, ein bisschen Glück. Am Ende stand ein 1:2 (1:1), das sich so anhörte, als hätte Sporting eigentlich mehr verdient, aber Fußball ist eben kein Wunschkonzert. Es begann rasant. Defeder Sporting legte los, als wollte man die Gäste aus Cerrense direkt überrollen. Bereits in der 9. Minute zappelte der Ball im Netz: Iwan Titow, der junge linke Mittelfeldspieler, traf mit einem beherzten Schuss von der Strafraumkante. "Ich hab einfach draufgehalten - manchmal hilft’s, nicht nachzudenken", grinste Titow später. Die Fans tobten, Bierbecher flogen, und kurzzeitig glaubte man an einen entspannten Abend. Doch CD Cerrense dachte gar nicht daran, den Gastgebern die Bühne zu überlassen. Nur vier Minuten später schlug Sean MacPhee zurück - auf Vorlage des quirligen Ryan Skene. Der rechte Mittelfeldspieler zog aus halbrechter Position ab und ließ Torhüter Francisco Hernan keine Chance. 1:1 - und plötzlich war das Stadion stiller, als es sein sollte. "Wir hatten uns vorgenommen, sie nicht ins Laufen kommen zu lassen. Aber dann waren sie schon im Sprint", kommentierte Cerrense-Coach Leahcim Gnipeur mit einem schiefen Lächeln. Die erste Halbzeit war ein offener Schlagabtausch: 9 Torschüsse für Defeder, 13 für Cerrense, Ballbesitz fast pari - 49 zu 51 Prozent. Beide Teams offensiv ausgerichtet, beide mit Lust auf Risiko. Nur einer schien keinen Spaß zu haben: Alejandro Nani, Cerrenses rechter Verteidiger, der in der 41. Minute Gelb sah, nachdem er Maurice Westphal etwas zu herzlich die Schulter tätschelte - mit offener Sohle. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Cerrense die Schlagzahl. Trainer Gnipeur hatte offenbar in der Kabine etwas gefunden, das nach "Aggressivität: STRONG" schmeckte - laut Taktikdaten jedenfalls. In der 51. Minute traf Christian Petrizzi, zentraler Mittelfeldmann und stiller Architekt des Cerrense-Spiels. Nani, der Gelbsünder, machte mit einem präzisen Pass aus der Tiefe alles wieder gut. Petrizzi nahm den Ball direkt, Hernan streckte sich vergeblich - 1:2. "Ein wunderschönes Tor", murmelte selbst ein Defeder-Fan auf der Tribüne, bevor er demonstrativ sein Getränk austrank. Sporting reagierte, wie man es von einem stolzen Heimteam erwartet: mit Wut und Wille. Westphal prüfte Keeper Mendes in der 58. Minute, Barros scheiterte gleich dreimal (26., 75. und 93.) - aber der Ball wollte einfach nicht über die Linie. "Wir haben Tore geschossen - nur leider keine gültigen", fluchte Defeder-Stürmer Felipe de Freitas halb im Spaß, halb im Frust. In der Schlussphase wurde es wild. Cerrenses Stürmer Nael Marques ging nach einem Zweikampf in der 92. Minute zu Boden und musste verletzt runter. Trainer Gnipeur schickte den jungen Salvador Meira aufs Feld, der kaum Zeit hatte, das Trikot richtig zu schließen. "Ich hab nur gehört: ’Lauf!’ - also bin ich gelaufen", lachte Meira später. Währenddessen kassierte Defeders Innenverteidiger Nael Simao in der Nachspielzeit noch Gelb, offenbar aus purer Verzweiflung. Am Ende blieb es beim 1:2, und die Statistik erzählte die Geschichte eines Spiels, das auf Messers Schneide stand. Cerrense hatte minimal mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse und die klarere Linie. Defeder Sporting dagegen fehlte es an der einen Idee, dem letzten Pass, dem Quäntchen Glück. "Wir waren nicht schlechter - nur weniger effektiv", analysierte Sporting-Kapitän Westphal nach Abpfiff. Trainer Gnipeur hingegen grinste breit: "Wir haben heute nicht schön gespielt, aber klug. Und in dieser Liga gewinnt nicht der Schönste, sondern der Schlaueste." Ein Satz, der wohl noch durch die Kneipen der Stadt hallen wird. Denn während Cerrense jubelnd die Heimreise antrat, blieb Defeder Sporting mit leeren Händen, aber immerhin mit dem Gefühl, es versucht zu haben. Und manchmal, in diesem wunderbaren, ironischen Spiel namens Fußball, ist das fast schon genug - nur leider nicht für Punkte. 12.02.643994 05:53 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund