// Startseite
| Ultimas Noticias |
| +++ Sportzeitung für Uruguay +++ |
|
|
|
Ein klarer Himmel über Montevideo, 42.814 Zuschauer im Stadion und ein Heimteam, das so tat, als hätte es noch eine Rechnung offen: Franja Danubio fegte am 34. Spieltag der 1. Liga Uruguay Deportivo Cerrito mit 4:0 vom Platz - und das war sogar noch schmeichelhaft für die Gäste. Von Beginn an war klar, wer hier das Drehbuch schrieb. Schon nach einer Minute prüfte Humberto Assis den gegnerischen Keeper Henri Noack mit einem satten Schuss - eine Szene, die sinnbildlich für den Abend stand: Danubio schoss, Cerrito schaute. Es dauerte dennoch bis zur 24. Minute, ehe der Ball endlich im Netz zappelte. Hugo Galvão, der auf dem linken Flügel wirbelte, nahm eine feine Vorlage von Silvestre Miño auf und vollendete trocken zum 1:0. "Silvestre hat mir den Ball serviert, als wäre er Kellner im Fünf-Sterne-Restaurant", grinste Galvão nach dem Spiel. Cerrito versuchte, Ordnung in das Chaos zu bringen, hatte sogar kurzzeitig mehr Ballbesitz (51 Prozent insgesamt), aber was nützt das, wenn der Ball nie gefährlich in Richtung Tor kommt? Zwei kümmerliche Abschlüsse verzeichneten sie - beide harmlos, beide eher als Rückpässe zu werten. Danubio dagegen erspielte sich Chancen im Minutentakt. Die Offensive um Galvão, Pablo Nene und Matías Conceição war ein Wirbelwind, der Cerritos Abwehrreihe wiederholt in Panik versetzte. In der 41. Minute war es dann Nene, der nach - man ahnt es - einem weiteren Zuckerpass von Miño zum 2:0 erhöhte. "Wir haben im Training geübt, dass er mich blind findet", sagte Nene und zwinkerte. "Offenbar klappt das auch, wenn ich die Augen offen habe." Nach der Pause kam Cerrito mit gesenkten Köpfen wieder aufs Feld - und wurde sofort bestraft. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff traf Galvão erneut, wieder nach Vorarbeit von Miño, der an diesem Abend mehr Vorlagen als Fehlpässe hatte. 3:0 - das Spiel war entschieden, bevor Cerrito überhaupt realisierte, dass die zweite Halbzeit begonnen hatte. Trainer Diego Cristilli von Danubio blieb trotz des Spektakels erstaunlich ruhig an der Seitenlinie. "Wir wollten nicht überdrehen", erklärte er später. "Aber wenn die Jungs Spaß haben, lasse ich sie laufen." Spaß hatten sie offenbar reichlich: 24 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und das bei nur knapp unter 50 Prozent Ballbesitz - eine Effizienz, die jedem Statistikfreund Freudentränen in die Augen treiben würde. Cerritos Coach, der nach dem Spiel mit hängenden Schultern in die Kabine verschwand, murmelte nur: "Wir haben versucht, das Zentrum zu halten. Leider war das Zentrum überall." In der Schlussphase gönnte Cristilli seinem Jungstar Manuel Allegri, zarte 17 Jahre alt, ein paar Minuten. Der Teenager ließ gleich mit einem beherzten Distanzschuss aufhorchen - Noack konnte gerade noch parieren. Und als alle schon ans Heimgehen dachten, setzte Pablo Nene in der 92. Minute den Schlusspunkt. Nach einem weiten Ball von Mateo Estevo stieg er höher als alle anderen und köpfte zum 4:0 ein. Das Stadion tobte, Cerrito sehnte den Abpfiff herbei. "Das war heute Fußball, wie ich ihn liebe", sagte Nene später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Selbstzufriedenheit pendelte. "Laufen, spielen, treffen - und danach Mate-Tee." Danubio zeigte, dass Offensivfußball auch ohne wildes Pressing funktioniert. Die Taktik: offensiv, aber geduldig, mit ausgewogenem Passspiel - kein hektisches Draufgehen, sondern gezieltes Zuschlagen. Cerrito dagegen wirkte brav, fast zu brav, mit einer "balancierten" Ausrichtung, die sich in der Praxis als "verunsichert" las. Als der Schlusspfiff erklang, applaudierten die heimischen Fans stehend. Ein Vater auf der Tribüne sagte zu seinem Sohn: "Siehst du, so spielt man mit Herz." Der Kleine nickte, verzweifelt versuchend, die vier Tore in sein Notizheft zu kritzeln. Ein Spiel, das Danubio in die oberen Tabellenränge katapultieren dürfte - und Cerrito in eine Nachdenkpause zwingt. Oder, wie Trainer Cristilli es trocken formulierte: "Heute war’s nicht nur ein Sieg. Das war ein Statement." Und für alle, die dabei waren, bleibt die Erinnerung an einen Abend, an dem ein Team Fußball spielte und das andere zuschaute. 25.04.643990 06:58 |
Sprücheklopfer
I hope, we have a little bit lucky.
Lothar Matthäus bei seiner ersten Pressekonferenz in New York