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72078 Zuschauer im Marakana-Stadion bekamen am Freitagabend ein Spiel serviert, das alles bot, was man von einem serbischen Stadtduell erwartet: Tempo, Theater und ein kleines bisschen Chaos. Am Ende setzte sich Crvena Zvezda Belgrad mit 2:1 (2:0) gegen Rad Belgrad durch - ein Ergebnis, das knapper klingt, als es lange Zeit war. Schon in der 10. Minute brandete der erste Jubelsturm durch die Tribünen. Zivojin Bisevac, der bullige Mittelstürmer der Rot-Weißen, nahm eine präzise Flanke von Herman Abramson direkt - und versenkte den Ball unhaltbar im linken Eck. "Ich hab nur gehofft, dass mich der Ball trifft", grinste Bisevac später, "und er hat Wort gehalten." Trainer Don Dirigente sprang an der Seitenlinie auf wie ein Mann, der gerade den Lottojackpot geknackt hat. Wenig später legte Rene Celine nach. Der 32-jährige Franzose im Trikot der Zvezda zog nach einem weiten Pass von Youngster Sreto Pantelic in den Strafraum, täuschte den Keeper und schob lässig zum 2:0 ein (23.). "Ich wollte eigentlich flanken", murmelte Celine augenzwinkernd in die Mikrofone, "aber dann habe ich mich an meine Jugend in Marseille erinnert." Rad Belgrad wirkte in jener Phase überfordert, und Trainer Thomas Kuzi schüttelte nur den Kopf. Seine Mannschaft, eigentlich offensiv eingestellt, kam kaum über die Mittellinie. Doch ganz kampflos gaben sich die Gäste nicht geschlagen: Sasa Zdravkovic prüfte Zvezda-Keeper Alberto Santos gleich zweimal (9. und 34. Minute), und auch Veljko Zigic sorgte mit seinem bulligen Körper für Unruhe. Nach der Pause schien Crvena Zvezda die Partie locker herunterspielen zu wollen - ein folgenschwerer Irrtum. Rad kam plötzlich mit Wucht zurück. Andreas Hagen, der flinke Linksaußen, nutzte in der 67. Minute eine Unachtsamkeit in der Defensive und traf nach schöner Vorarbeit von Zigic zum 2:1. "Da war kurz Stille im Stadion - man hörte sogar die Tauben auf der Tribüne flattern", kommentierte ein Fan später mit Galgenhumor. Die Partie kippte allerdings nicht. Zvezda hatte mehr vom Ball (54 Prozent Ballbesitz) und insgesamt 13 Abschlüsse, Rad kam auf deren 11 - doch die Gastgeber wirkten abgeklärter. Selbst als Bisevac in der 58. Minute das mögliche 3:1 vergab, blieb Trainer Dirigente erstaunlich ruhig. "Ich hatte Vertrauen in die Jungs", sagte er nach dem Spiel. "Und ehrlich gesagt - ich hatte auch keine Stimme mehr zum Schreien." In der Schlussphase wurde es hektisch. Veljko Zigic sah Gelb (69.), Leandro Cercas ebenfalls (82.), und die letzten Minuten waren ein Lehrbuchbeispiel serbischer Leidenschaft: ein bisschen Kampf, ein bisschen Theater, viel Herz. Als Schiedsrichter Petrovic endlich abpfiff, klang die Erleichterung im Stadion wie ein kollektives Aufatmen nach einem schlechten Witz. Während Zvezda-Keeper Alberto Santos in der 75. Minute ausgewechselt wurde - der 18-jährige Ognjen Stepanov durfte noch ein paar Minuten Erstliga-Luft schnuppern - diskutierten die Fans auf den Rängen schon über die Tabelle. "Das war kein Galaabend", gab Dirigente zu, "aber man muss auch mal hässlich gewinnen." Rad-Coach Kuzi sah es gelassen: "Wir haben in der zweiten Halbzeit Mut gezeigt. Leider hat uns der Mut nicht angebrüllt, sondern nur leise zugewunken." Sein Team hatte tatsächlich Moral bewiesen, wenngleich die Belgrader Lokalrivalen am Ende doch das bessere Händchen zeigten. Manche Szene blieb zudem in Erinnerung: Als Gerhard Bach in der 51. Minute für ein übermotiviertes Einsteigen Gelb sah, grinste er den Schiedsrichter an und fragte: "War das jetzt wegen zu viel Leidenschaft?". Der Unparteiische blieb ungerührt - aber das Publikum lachte. Am Ende konnte man von einem verdienten Sieg sprechen. Crvena Zvezda war kompromissloser, cleverer und hatte in den entscheidenden Momenten die Ruhe, die Rad fehlte. Mit dem 2:1 bleibt Zvezda auf Kurs Richtung Meisterschaft, während Rad sich mit erhobenem Kopf verabschiedet - und vielleicht mit dem Gefühl, dass ein bisschen mehr Mut von Anfang an das Spiel anders hätte enden lassen können. "Das war kein Kunstwerk", sagte Bisevac beim Verlassen des Platzes, "aber immerhin hängt es jetzt in unserer Galerie." Ein Satz, der passt. Denn an diesem Abend malte Crvena Zvezda kein Meisterwerk - aber ein solides Ölgemälde in Rot und Weiß. 07.10.643993 23:21 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale