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Ein lauer Märzabend in Uruguay, 28.982 Zuschauer im Estadio Cerrense - und die Luft vibrierte nicht nur vom Grillduft der Chorizos, sondern auch von der Spannung: CD Cerrense gegen die Gauchos aus Montevideo, das versprach Leidenschaft, Taktik und ein bisschen Chaos. Am Ende stand ein gerechtes 1:1 (0:1), aber der Weg dahin war kurvenreicher als ein Sonntagsausflug in den Anden. Die Gäste aus Montevideo legten los, als hätten sie den Bus direkt auf dem Rasen geparkt - allerdings im gegnerischen Strafraum. Schon in der 13. Minute fielen die Cerrense-Verteidiger in eine Art kollektiven Mittagsschlaf, und Gauchos-Innenverteidiger Max Ackland, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, köpfte nach einer butterweichen Flanke des 18-jährigen Matias Fernandes zum 0:1 ein. Fernandes grinste danach: "Ich hab’ einfach draufgehalten, und Max stand da, wo sonst nur der Torwart steht." Trainer Matthias Mittweida kommentierte trocken: "Wir wollten ihn eigentlich hinten lassen - aber vielleicht ist er vorne einfach besser." CD Cerrense, unter der Leitung des etwas exzentrischen Coaches Leahcim Gnipeur, reagierte mit Wut im Bauch - und einem taktischen Aufriss, der in jeder Coaching-Schulung als Beispiel für "kontrolliertes Risiko" taugen könnte. Offensiv wie angekündigt, aber oft auch kopflos. Salvador Meira prüfte den Gauchos-Keeper Nolte in der 7., 37. und 44. Minute, doch der 28-Jährige hielt, als hätte er Spiderman-Finger. "Ich hab einfach keine Lust, den Ball hinter mir zu sehen", sagte Nolte später mit einem Augenzwinkern. Die erste Halbzeit endete mit 0:1 - und einer gelben Karte für Cerrenses Linksverteidiger Tomasz Szymkowiak, der laut eigener Aussage "nur den Rasen getroffen" hatte. Der Rasen allerdings widersprach: Er war danach deutlich kürzer. Nach der Pause dasselbe Bild: Cerrense rannte, die Gauchos konterten. Ilias Sobolewski und Nelio Zaera verpassten das 0:2 nur um Zentimeter, während auf der Gegenseite Vazquez und Meira das Tornetz eher als Orientierungshilfe denn als Ziel nutzten. Als in der 62. Minute Gauchos-Verteidiger Max Ackland verletzt vom Platz humpelte und durch Matias da Costa ersetzt wurde, kippte das Spiel langsam. "Ich hab nur kurz nicht aufgepasst - und zack, mein Knöchel war beleidigt", scherzte Ackland nach dem Abpfiff. Cerrense drückte. 13 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz - Zahlen, die nach Dominanz klingen, aber auf der Anzeigetafel zählte nur eines: 0:1. Bis zur 82. Minute. Dann flankte Kay Schäfer, 22 jung und mit einem linken Fuß wie ein präziser Uhrmacher, in den Strafraum. Riley Anderson stieg hoch, drehte sich akrobatisch in der Luft und köpfte den Ball in den Winkel - 1:1! Stadionexplosion! "Ich hab gar nicht gesehen, dass er reingeht", lachte Anderson später, "aber der Jubel hat’s mir verraten." Cerrense-Coach Gnipeur sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager nach dem ersten Konzertbesuch: "Ich hab den Jungs gesagt, wenn sie nicht treffen, laufen wir morgen doppelt!" Offenbar eine wirkungsvolle Motivationsstrategie. In den letzten Minuten wurde es ruppig. Charlie Bellegarde, schon in der ersten Halbzeit auffällig aktiv, sah in der 93. Minute Gelb, nachdem er Anderson mit einem rustikalen "Hallo" an der Außenlinie begrüßte. "Ich wollte nur den Ball - der war halt hinter ihm", meinte Bellegarde mit unschuldigem Blick. Am Ende blieb es beim 1:1. Ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie schmeckte - oder zumindest nicht wehtat. "Wir hätten gewinnen können, vielleicht sogar müssen", knurrte Gnipeur, während Mittweida zufrieden grinste: "Ein Punkt auswärts, keine rote Karte - das ist bei uns fast schon Feiertag." Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: 13 zu 10 Torschüsse, 51,9 zu 48,1 Prozent Ballbesitz - und eine Zweikampfquote, die zeigte, dass Cerrense ein bisschen mehr wollte, aber manchmal zu spät kam. Nach dem Abpfiff tanzte Riley Anderson mit den Balljungen, während die Gauchos in Gruppen über den Rasen schlurften. Auf der Tribüne summte jemand ein Lied über "Fußballgötter und vergebene Chancen". Vielleicht war’s Gnipeur selbst. Ein Spiel, das keiner so schnell vergisst - nicht wegen des Ergebnisses, sondern wegen des Gefühls: Leidenschaft, Stolz, ein bisschen Wahnsinn. Oder, wie es Anderson formulierte: "Manchmal ist ein 1:1 schöner als ein 3:0 - vor allem, wenn man den Ausgleich selbst macht." Und irgendwo im Nachthimmel über Cerrense funkelte ein Stern ein bisschen heller - vielleicht der, der über Riley Anderson lacht. 11.08.643993 02:16 |
Sprücheklopfer
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