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Es war einer jener Abende, an denen man sich fragt, ob Fußball nicht vielleicht doch eine Familienangelegenheit ist. 28.623 Zuschauer sahen am 11. Spieltag der 1. Liga Uruguay, wie CD Cerrense mit 3:1 gegen Villa Hispana gewann - angetrieben von zwei Meiras, die unterschiedlicher kaum sein könnten: der 22-jährige Salvador, quirlig wie ein Espresso, und der 17-jährige Carles, cool wie ein Eiswürfel im Mate-Tee. Schon nach acht Minuten war klar, dass Villa Hispana einen langen Abend vor sich haben würde. Salvador Meira sprintete in einen Pass von Javier Veloso, nahm den Ball mit der Brust an und drosch ihn aus vollem Lauf ins Netz. Torwart Carles Futre hatte kaum Zeit, die Handschuhe zu sortieren. "Ich hab nur gesehen, dass etwas Rotes auf mich zuraste", fluchte Futre später schmunzelnd. "Das war wohl Meira." Cerrense blieb am Drücker - 52 Prozent Ballbesitz, zwölf Torschüsse, und das Publikum sang (laut, aber nicht immer im Takt). Villa Hispana mühte sich zwar redlich, blieb aber zu harmlos. Lucas Reid hatte in der 11. Minute eine gute Gelegenheit, doch sein Schuss rauschte knapp vorbei. Danach übernahm Cerrense endgültig die Kontrolle. In der 37. Minute folgte der zweite Streich: Duarte Galindo, sonst eher der Mann für die Flügelarbeit, zog nach einem Pass von Riley Anderson einfach mal ab - und traf präzise ins lange Eck. 2:0, und Trainer Leahcim Gnipeur riss die Arme hoch wie ein Mann, der gerade den Lottojackpot geknackt hat. "Wir wollten Villa Hispana früh den Wind aus den Segeln nehmen", erklärte Gnipeur nach dem Spiel. "Und, na ja, das hat wohl geklappt." Villa Hispana hatte zu diesem Zeitpunkt andere Sorgen. Innenverteidiger Santiago Bertran verletzte sich in der 42. Minute und wurde durch Salvador Granero ersetzt. Coach Rodrigo Peña (der aussieht, als wäre er selbst noch Spieler) versuchte, Ruhe in die Abwehr zu bringen. "Ich sagte ihnen: Atmet durch, spielt euren Fußball. Sie atmeten, aber Fußball spielten sie erst wieder nach der Pause", grinste Peña selbstironisch. Nach dem Seitenwechsel zeigte sich Cerrense zunächst etwas zurückhaltender - wohl in der trügerischen Annahme, das Spiel sei gelaufen. Villa Hispana kam stärker, Fabio Ruggiero prüfte Torhüter Joseba Mendes mit einem satten Schuss (60.), kurz darauf sah Anton Christensen Gelb, nachdem er Kay Schäfer ans Trikot klammerte wie ein Ertrinkender an eine Boje. Dann kam die 66. Minute - und wieder ein Meira-Moment. Der 17-jährige Carles, der aussieht, als müsste er nach dem Spiel noch Hausaufgaben machen, tauchte zentral vor dem Strafraum auf, bekam einen genauen Pass von Veloso und schlenzte den Ball unaufgeregt ins linke Eck. 3:0. Jubel, Staunen, pure Freude. "Ich wollte einfach den Ball gut treffen", sagte Carles später bescheiden. "Dass er reingeht, war ein Bonus." Villa Hispana steckte nicht auf. In der 84. Minute gelang ihnen wenigstens der Ehrentreffer: Carl Cabrera, einer der wenigen mit Durchschlagskraft, netzte nach Flanke von Nelson Couto ein. Mendes war chancenlos - und immerhin durfte auch der Gästeblock einmal die Arme heben. Am Ende stand ein verdienter 3:1-Erfolg für Cerrense, der nie wirklich gefährdet war. Die Statistik untermauert die Dominanz: 12:9 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, mehr Zug zum Tor, mehr Ideen. Villa Hispana spielte zwar gepflegt, aber ohne Biss - taktisch "balanciert", wie das moderne Datenblatt sagt, in der Realität eher "zahm". "Wir haben gezeigt, dass wir auch mit jungen Spielern bestehen können", lobte Trainer Gnipeur. "Wenn Carles so weitermacht, muss ich bald mit seinen Eltern über einen Profivertrag reden." Der junge Torschütze nahm die Schlagzeilen gelassen. "Ich hab nur versucht, das zu machen, was mein Bruder auch macht - aber mit weniger Gel in den Haaren", witzelte Carles. Salvador grinste daneben: "Er hat’s von mir gelernt. Auch das mit dem Bescheiden-Sein." So endete ein Abend, der alles hatte: Tempo, Tore, eine Verletzung, ein bisschen Humor und eine Prise Familienglück. CD Cerrense bleibt obenauf, Villa Hispana dagegen muss sich fragen, ob "balanciert" nicht manchmal einfach ein anderes Wort für "zu nett" ist. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne beim Abpfiff murmelte: "Wenn die Meiras so weitermachen, können wir das Stadion bald in ’Arena Meira’ umbenennen." Ganz ehrlich - wer wollte ihm da widersprechen? 22.09.643990 20:57 |
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Die Breite an der Spitze ist dichter geworden.
Berti Vogts