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Ein lauer Sommerabend in Uruguay, Flutlicht, 30.342 Zuschauer - und ein CD Cerrense, der Lust auf Spektakel hatte. Beim 4:1 gegen Funebreros Buceo ließ das Team von Trainer Leahcim Gnipeur keinen Zweifel daran, wer an diesem 33. Spieltag der 1. Liga Uruguay Herr im Haus war. Schon nach sechs Minuten bebte das Stadion, als Nael Marques, der flinke Rechtsaußen, eine butterweiche Flanke von Gerd Vilhelmsen per Direktabnahme in die Maschen drosch. "Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass er nicht beim Nachbarn im Garten landet", grinste Marques nach dem Spiel. Es war der Auftakt zu einem Abend, an dem die Hausherren Ball und Gegner laufen ließen. Funebreros Buceo, gecoacht von Stefan Dörner, begann zwar mutig, kam aber über ein paar harmlose Distanzschüsse von William Callahan und Silvestre Semprun nicht hinaus. Ihr junger Stürmer Cristobal Blanco, gerade einmal 18, rannte vorne oft vergeblich gegen Arnau Sa Pint und dessen Abwehrbollwerk an. Kurz vor der Pause sorgte Hans Jakobsen mit einem rustikalen Einsteigen für die erste Gelbe Karte - sinnbildlich für Cerrenses kompromisslose Entschlossenheit. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild zunächst kaum. CD Cerrense drückte, Buceo wehrte sich tapfer, aber ohne Plan. Dann, völlig überraschend, der Ausgleich: In der 56. Minute kombinierte sich Buceo einmal sehenswert durchs Zentrum, Damian Iñiguez steckte durch, und der junge Blanco blieb eiskalt - 1:1. "Ich hab einfach nicht nachgedacht", sagte Blanco, "und das war wohl das Beste, was ich tun konnte." Doch wer glaubte, Cerrense würde jetzt ins Wanken geraten, wurde eines Besseren belehrt. Nur 13 Minuten später packte Sean MacPhee den Vorschlaghammer aus. Nach einer Ecke prallte der Ball irgendwie zu ihm, und der Mittelfeldmann jagte das Leder aus 18 Metern unhaltbar unter die Latte. Arnau Sa Pint, der die Vorlage lieferte, witzelte später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber Sean hat beschlossen, dass das ein Torschuss war." Von da an war der Widerstand der Gäste gebrochen. In der 87. Minute erhöhte Ryan Skene nach feiner Vorarbeit von - natürlich - Gerd Vilhelmsen auf 3:1. Der Schotte im Cerrense-Trikot jubelte mit einem Tänzchen, das irgendwo zwischen Highland und Samba lag. "Ich hab keine Ahnung, was das war", lachte er später, "aber bei 3:1 darf man auch mal die Hüften lockern." Und als ob das nicht genug wäre, setzte Jose Enrique Vazquez in der Nachspielzeit den Schlusspunkt. Mit letzter Kraft sprintete er in den Strafraum, MacPhee legte quer - 4:1. Die Fans feierten, als hätte man gerade die Meisterschaft gewonnen. Trainer Gnipeur blieb trotzdem cool: "Wir haben gut gespielt, aber wir müssen lernen, Chancen früher zu nutzen. Ich hätte gerne schon zur Halbzeit 3:0 geführt." Die Statistik sprach am Ende eine deutliche Sprache: 54,5 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse gegenüber 6 von Buceo, eine Zweikampfquote von knapp 54 Prozent. CD Cerrense wirkte in fast allen Belangen reifer, abgeklärter - und schlicht gefährlicher. Funebreros Buceo hingegen hatte zwar den Willen, aber nicht die Mittel. Dörner brachte es trocken auf den Punkt: "Wenn du vier kassierst, hast du meistens kein gutes Spiel gemacht." Ein kleiner Wermutstropfen blieb: Nael Marques musste in der 35. Minute verletzt ausgewechselt werden. Sein Ersatzmann Duarte Galindo machte seine Sache ordentlich, aber der frühere Torschütze humpelte nach dem Schlusspfiff vom Platz. "Es zwickt ein bisschen", meinte er, "aber nach so einem Sieg heilt das doppelt so schnell." So geht CD Cerrense mit breiter Brust aus dem Spiel, während Buceo wohl eine lange Rückfahrt nach Hause hatte - und viel Gesprächsstoff im Mannschaftsbus. Am Ende blieb die Erkenntnis: Wer gegen ein offensiv launisches Cerrense antritt, sollte auf alles gefasst sein. Oder, wie ein Fan auf der Tribüne rief, als Vazquez den vierten Treffer erzielte: "Das ist kein Fußball, das ist Kunst mit Stollen!" Und ganz ehrlich - an diesem Abend war das schwer zu bestreiten. 13.04.643990 17:50 |
Sprücheklopfer
I hope, we have a little bit lucky.
Lothar Matthäus bei seiner ersten Pressekonferenz in New York