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Carouge schießt 17-mal - und kommt gegen Kriens doch nur zum 1:1

Super League | 2. Spieltag | 18.09.26 | SC Carouge - FC Kriens 1:1

Der Fußball ist gelegentlich ein ausgesprochen eigenwilliger Zeitgenosse. Der SC Carouge gab am Freitagabend im Heimspiel gegen den FC Kriens 17 Torschüsse ab, beherrschte über weite Strecken das Geschehen und musste sich am Ende trotzdem mit einem 1:1 begnügen. Wer behauptet, Effizienz sei eine Tugend, bekam im Stadion von Carouge jedenfalls reichlich Anschauungsmaterial - allerdings eher als Mahnung denn als Lehrfilm.

36.123 Zuschauer waren zum zweiten Spieltag der Super League gekommen, Anstoß war um 20.30 Uhr. Sie sahen eine Partie, in der Carouge von Beginn an den Vorwärtsgang suchte. Andre Besson prüfte Kriens’ Torhüter bereits in der ersten Minute, Paul Völker folgte zwei Minuten später. Danijel Prosinecki versuchte es in der elften Minute, Logan Lineback in der 14. Die Gastgeber spielten offensiv, pressten zunächst aktiv und traten mit vollem Einsatz auf. Kurz gesagt: Carouge hatte es eilig.

"Wir wollten sofort zeigen, dass wir zu Hause nicht zum Kaffeetrinken antreten", sagte Trainer Stefan Häusler später mit einem Lächeln. Eine hübsche Absicht, die sich zunächst auch auf dem Rasen erkennen ließ. Nur der Ball wollte nicht so recht mitmachen.

Kriens blieb trotz offensiver Grundausrichtung vorsichtiger und lauerte auf Umschaltmomente. Owen Greenwald gab in der 23. Minute den ersten ernsthaften Warnschuss ab, Laurent Aimee folgte sieben Minuten später. In der 32. Minute sah Kriens’ Innenverteidiger Thijmen Van Tessel die Gelbe Karte - offenbar hatte auch er erkannt, dass Prosinecki nur mit höflichen Bitten kaum zu stoppen war.

In der 36. Minute fiel schließlich die verdiente Führung. Prosinecki, der immer wieder von links Unruhe stiftete und insgesamt gleich mehrere Abschlüsse suchte, traf zum 1:0. Jurek Jelen hatte den Angriff vorbereitet. Carouge führte, die Tribünen jubelten, und irgendwo im Stadion begann vermutlich bereits jemand, die drei Punkte gedanklich einzupacken.

"Ich dachte kurz, der Ball sei noch unterwegs zu einer besseren Gelegenheit", meinte Prosinecki angeblich nach dem Spiel. "Dann war er plötzlich drin. Das ist im Fußball meistens ein gutes Zeichen."

Die Freude hielt allerdings nicht lange über die Halbzeitpause hinaus. In der 49. Minute schlug Kriens zurück: Yves Sanci erzielte nach Vorarbeit von Greenwald den Ausgleich zum 1:1. Der Treffer war einer der seltenen Momente, in denen die Gäste ihre offensive Ausrichtung in Zählbares übersetzten. Carouge hatte bis dahin deutlich mehr Druck erzeugt, doch Kriens benötigte im Grunde nur einen gut ausgespielten Angriff, um die Rechnung wieder auszugleichen.

Danach entwickelte sich ein munteres Ringen mit klarer Carouge-Schlagseite. Prosinecki schoss in der 56., 68. und 87. Minute, Völker in der 59., Jelen in der 73. Minute. Auch Innenverteidiger Jean Lefebvre versuchte sich in der 80. Minute - ein Zeichen dafür, dass Carouge nun wirklich alle Abteilungen in die Offensive beordert hatte. Kriens kam durch Greenwald und Aimee noch zu Möglichkeiten, blieb insgesamt aber bei sechs Torschüssen.

Häusler wechselte nach einer Stunde gleich dreimal: Heinz Mann kam für Völker, Arthur Van Kerckhove ersetzte Agapios Machlas, Joseph Bourgeois übernahm für Besson. Frische Beine sollten den Unterschied machen. Sie machten vor allem eines: weiter Druck. Das Tor blieb jedoch aus.

Beim Ballbesitz lagen beide Teams beinahe gleichauf: Carouge kam auf 49,3 Prozent, Kriens auf 50,7. Die Gastgeber gewannen dafür rund 55,7 Prozent der Zweikämpfe. "Wir hatten genug Chancen für einen Sieg", sagte Häusler. "Aber offenbar wollten wir es spannend machen. Das ist nett von uns - nur für die Tabelle leider nicht besonders hilfreich."

So blieb es beim 1:1 (1:0). Carouge war die aktivere Mannschaft, Kriens die effizientere. Oder, weniger freundlich formuliert: Die Gastgeber sammelten Abschlüsse, die Gäste den Punkt. Der Fußball kann eben auch eine Bürokratie sein - und manchmal trägt der Antrag auf drei Punkte den falschen Stempel.

18.09.2026 21:23
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