Sport-Blick
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Carouge dreht verrücktes 4:3 - Visp verzweifelt in sieben Minuten Chaos

Wenn ein Fußballspiel ein Theaterstück wäre, dann bot der 17. Spieltag der 1. Liga Schweiz zwischen dem SC Carouge und dem FC Visp alles: Drama, Slapstick, Helden, tragische Figuren - und ein Publikum, das nicht wusste, ob es lachen oder weinen sollte. 35.497 Zuschauer im Stade de la Fontenette sahen am Samstagabend ein 4:3-Spektakel, das in den letzten 30 Minuten förmlich explodierte.

Visp begann abgezockter, strukturierter, mit mehr Ballbesitz (57 Prozent) und der Ruhe eines Teams, das den Spielplan seiner Trainerin Cecilia Schneider auswendig kannte. Carouge dagegen wirkte anfangs wie ein Haufen junger Wildpferde - viel Energie, wenig Richtung. In der 33. Minute schlug Johannes Blanchard erstmals zu, nach feinem Zuspiel von Joel Staunton. Ein eleganter Flachschuss ins lange Eck, so präzise, dass selbst die Carouge-Ultras kurz Beifall zollten. "Ich hab einfach draufgehalten - manchmal klappt’s, meistens nicht", grinste Blanchard später.

Mit 0:1 ging’s in die Pause, und SC-Coach Stefan Häusler soll in der Kabine gesagt haben: "Wenn schon verlieren, dann wenigstens mit Muskelkater." Offenbar hat das gewirkt, denn kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, köpfte Innenverteidiger Helmut Abbadie (48.) nach einer butterweichen Flanke von Javier Zaera den Ausgleich. Das Stadion vibrierte.

Was dann folgte, war ein wilder Tanz zwischen Genie und Wahnsinn. Visp legte in der 63. Minute wieder vor - natürlich durch Blanchard, diesmal nach energischem Solo von Oscar Menzel. Drei Minuten später erhöhte Eric Desjardins auf 3:1 für die Gäste. Carouge wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Boxer, der schon zweimal angezählt wurde. Doch statt sich hinzulegen, streckte er sich, schüttelte den Kopf - und begann, zurückzuschlagen.

In Minute 67 donnerte der 20-jährige Linksverteidiger Ricardo Moutinho die Kugel aus spitzem Winkel in den Winkel - sein erstes Saisontor. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er nach dem Spiel lachend zu, "aber vielleicht war das ja eine besonders schöne Flanke."

Nur sieben Minuten später (74.) traf der eingewechselte Nikanor Jorkin nach Vorarbeit von Joseph Bourgeois zum 3:3. Das Stadion tobte. Auf der Visp-Bank hingegen herrschte betretenes Schweigen. Trainerin Schneider raufte sich die Haare und schimpfte lautstark: "Warum steht da keiner am Pfosten?!"

Und dann kam die 88. Minute - die Szene, die in Carouge wohl noch lange erzählt werden wird. Wieder Jorkin, diesmal nach einer Ecke von Jean Lefebvre. Der junge Stürmer stieg höher als alle anderen und wuchtete den Ball per Kopf ins Netz. 4:3. Die Fans sangen, der Trainer tanzte, und die Ersatzbank verwandelte sich in ein einziges Knäuel.

"Ich wollte eigentlich gar nicht mehr reinkommen, weil ich beim Aufwärmen gefroren habe", flachste Jorkin, der in der 60. Minute eingewechselt worden war. "Aber dann dachte ich, na gut, wenigstens warm laufen." Warm wurde ihm - und den Zuschauern - spätestens da.

Visp versuchte es in den letzten Minuten verzweifelt. Nick Cloutier prüfte Carouge-Keeper Janos Zele in der 89. Minute, Ramon Couto schoss in der Nachspielzeit knapp vorbei. Doch Carouge brachte den Sieg mit letzten Kräften über die Zeit - und das trotz nur 43 Prozent Ballbesitz.

Trainer Häusler fasste es nach Abpfiff trocken zusammen: "Wir spielen offenbar besser, wenn wir keine Kontrolle haben." Seine Kollegin Schneider hingegen suchte die Worte: "Drei Gegentore in 21 Minuten - das ist kein Fußball, das ist ein Krimi ohne Happy End."

Statistisch war es tatsächlich ein Duell auf Augenhöhe: 15 Torschüsse für Carouge, 13 für Visp, fast identische Zweikampfquoten. Doch wo Visp am Ende Nerven zeigte, hatte Carouge den Mut zum Chaos.

Vielleicht ist das die Moral dieses verrückten Abends: Fußball gewinnt selten der, der das Spiel versteht - sondern der, der einfach weiterspielt, wenn alles verloren scheint.

Und so gingen die Lichter im Stadion aus, während die Fans von Carouge noch immer sangen. Einer rief laut in die Nacht: "Nikanor for President!" - und ehrlich gesagt: Nach diesem Spiel wäre das keine völlig verrückte Idee.

01.12.643990 03:07
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