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Es gibt Fußballabende, an denen das Ergebnis spricht, bevor der Schiedsrichter abpfeift. Der Montagabend in Cerrense war so einer - 36.047 Zuschauer sahen, wie Capurro Fenix mit 3:1 den Gastgeber CD Cerrense auseinandernahm. Und das, obwohl die Hausherren zunächst alles richtig machten. Schon in der 15. Minute bebte das Estadio Cerrense, als Kay Schäfer, der flinke Linksaußen mit deutschem Nachnamen und uruguayischem Temperament, eine butterweiche Vorlage von Domingo Andrade mit dem linken Fuß ins Netz drosch. Trainer Leahcim Gnipeur sprang jubelnd an die Seitenlinie, rannte zwei Schritte - und blieb dann stehen, als wolle er sich selbst zur Ordnung rufen. "Ich dachte, wir hätten das Ding im Griff", sagte er später mit einem Lächeln, das jedes Lächeln verweigerte. Doch Fenix antwortete prompt. Nur sieben Minuten später, in Minute 22, zeigte der 18-jährige Christiano Manu, warum halb Montevideo schon über ihn spricht. Nach feiner Vorarbeit von Carles Diez schob der Teenager eiskalt zum 1:1 ein. "Ich hatte gar keine Zeit zum Nachdenken, sonst hätte ich’s wahrscheinlich versemmelt", grinste Manu nach der Partie. Bis zur Pause entwickelte sich ein offenes, wenn auch zunehmend zerfahrenes Spiel. Cerrense suchte das Glück über die Flügel, Fenix lauerte auf Fehler - beide Teams neutralisierten sich weitgehend. Statistisch sah’s ausgeglichen aus: 47,7 Prozent Ballbesitz für Cerrense, 52,3 für Fenix. "Das ist fast wie im Schach", murmelte ein älterer Fan auf der Tribüne, "nur dass beim Schach keiner Gelb sieht." In der Tat: Paolo Castrovillari hielt in Minute 42 seine Stollen etwas zu hoch und sah Gelb. Es sollte nicht die letzte Verwarnung für Capurro Fenix bleiben - Kendall (86.) und Ludwig (87.) folgten später seinem Beispiel. Trainer Andreas Kessler kommentierte trocken: "Drei Gelbe? Das ist bei uns schon fast Disziplinsteigerung." Nach dem Seitenwechsel nahm Cerrense das Herz in beide Hände. Gnipeur stellte auf mehr Einsatz um, ließ über die Flügel anlaufen. Salvador Meira rackerte, schoss (62., 77.), fluchte - aber der Ball wollte nicht rein. Der junge Fenix-Keeper Ricardo Frechaut, gerade einmal 18, hielt, was zu halten war. "Ich hab einfach versucht, ruhig zu bleiben", sagte er hinterher und grinste so breit, dass seine Zahnspange im Flutlicht glitzerte. Und dann kam die 73. Minute - das Spiel kippte endgültig. Wieder war es Carles Diez, der aus gut 18 Metern Maß nahm. Nach Zuspiel von Castrovillari zischte der Ball ins rechte Eck, Cerrenses Torwart Mendes streckte sich vergeblich. 1:2. "Ein Sonntagsschuss an einem Montag", seufzte ein Reporter in der Pressetribüne, während Fenix schon jubelte. Cerrense stemmte sich gegen die Niederlage, aber am Ende fehlte die Präzision. Neun Torschüsse, keiner fand mehr den Weg ins Netz. Stattdessen setzte Fenix in Minute 89 den Deckel drauf: Sergi de la Sota, der bullige Linksaußen, nutzte eine Unachtsamkeit in der Abwehr zum 1:3. Danach blieb nur noch Galgenhumor. "Wir sind defensiv stabil - für 20 Minuten", sagte Gnipeur. "Danach war’s mehr eine Kunstinstallation." Statistisch bleibt das Fazit klar: Fenix schoss öfter aufs Tor (11:9), hatte leicht mehr Ballbesitz, war zweikampfstärker (51,6 Prozent gewonnene Duelle). Vor allem aber war das Team abgeklärter. Kessler fasste es pragmatisch zusammen: "Wir haben nicht mehr gelaufen, nur klüger." Für Cerrense bedeutet die Niederlage mehr als drei verlorene Punkte - sie legt die Schwächen offen, die sich schon in den letzten Wochen angedeutet hatten. Fehlende Konsequenz im Abschluss, Abstimmungsprobleme in der Defensive, und ein Mittelfeld, das nur phasenweise die Kontrolle hält. Zum Schluss stand Gnipeur noch einmal allein an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, den Blick ins Leere. Ein Balljunge rannte vorbei und rief: "Kopf hoch, Coach!" Gnipeur nickte. "Der Junge hat recht. Aber nächste Woche, da rollen wir die Flügel von Anfang an aus." Ein Spiel, das für Fenix den Aufschwung und für Cerrense den Warnschuss bringt - und für die Zuschauer einen Abend, der zeigt, warum der Fußball in Uruguay nie langweilig wird, selbst dann nicht, wenn das Ergebnis schon alles sagt. 22.08.643993 16:22 |
Sprücheklopfer
Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat.
Lothar Matthäus auf die Frage, was er nach seiner Karriere plane