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Was für ein Abend im kleinen, aber ohrenbetäubend lauten Stadion von Capelle! 33.913 Zuschauer sahen ein Spiel, das man getrost in die Kategorie "Wie haben sie das denn gemacht?" einordnen darf. Nach einer ersten Halbzeit, in der die Gäste aus Sittard scheinbar alles im Griff hatten und 2:0 führten, drehte Capelle nach der Pause richtig auf - und drehte das Spiel in 20 wilden Minuten zu einem 3:2-Heimsieg. Trainer Steffen Jänike grinste später so breit, dass man fast dachte, er habe selbst das Siegtor geschossen. "Ich hab in der Halbzeitpause nur gesagt: Jungs, wir haben 45 Minuten, um die Fans wieder glücklich zu machen. Und vielleicht auch uns selbst." Was dann folgte, war der Beweis, dass Fußball nicht Mathematik ist. Dabei hatte es so gar nicht danach ausgesehen. Schon in der 18. Minute traf Elmo Barhydt für die Gäste, nach feinem Zuspiel von Zeeman Schuyler. Nur vier Minuten später legte Zeeman Breed selbst nach, als er von rechts in den Strafraum zog und trocken ins lange Eck abschloss. Capelle taumelte, Sittard kombinierte - und wer da nicht an eine klare Sache dachte, hat wohl das falsche Spiel gesehen. "Wir waren gedanklich schon beim Pausenbier", gestand Capelles Mittelfeldmotor Joshua Silvestre später augenzwinkernd. "Zum Glück hat uns der Trainer dann wieder wachgeschrien." Und wie! Nach dem Wiederanpfiff zeigte Capelle plötzlich ein ganz anderes Gesicht. Nick Schmitt eröffnete das Comeback in der 56. Minute, als er eine Flanke von Linksverteidiger Rikki Coons volley ins Netz drosch. Zwei Minuten später explodierte das Stadion erneut: Tomasz Pasieka nutzte ein Durcheinander im Strafraum nach einem Eckball und wuchtete den Ball zum Ausgleich ins Tor. Sittards Keeper Karol Vencel sah dabei aus, als hätte er lieber woanders sein wollen. "Ich dachte, da pfeift der Schiri gleich ab wegen Überzahl", knurrte Gästecoach Patrick We später. "So viele grüne Trikots im Sechzehner - das war wie ein Schwarm Heuschrecken." Doch Capelle war noch nicht satt. In der 65. Minute zirkelte Joshua Silvestre, der zuvor eher unauffällig geblieben war, den Ball nach Pass von Matej Moder aus 20 Metern in den Winkel. Die Fans tobten, die Ersatzbank stand Kopf, und Jänike brüllte seine ganze Freude in die kalte Januarluft. Danach wurde es ruppiger. Capelles Rechtsverteidiger Predrag Komljenovic sah in der 80. Minute Gelb, was ihn nicht daran hinderte, weiter mit vollem Einsatz in jeden Zweikampf zu fliegen. "Ich wollte mal zeigen, dass ich auch noch da bin", grinste er nach dem Spiel, während er sich einen Eisbeutel auf das Schienbein drückte. Sittard versuchte es nochmal, kam aber trotz 55 Prozent Ballbesitz und 14 Torschüssen nicht mehr entscheidend durch. Capelle hatte das Momentum, den Mut - und offenbar auch den besseren Fitnesszustand. Als sich Verteidiger Sean Chamberlain kurz vor Schluss verletzte, stand das Stadion längst Kopf. Niemand wollte, dass dieses Spiel endet. Statistisch gesehen war es ein offener Schlagabtausch: 19 Torschüsse für Capelle, 14 für Sittard, Zweikampfquote fast ausgeglichen. Aber wer Zahlen liebt, hat diesen Abend nicht verstanden - das hier war reine Emotion. "Ich weiß gar nicht, ob ich noch sprechen kann", keuchte Matchwinner Silvestre nach Abpfiff. "Vielleicht sollten sie das auf DVD brennen - für schlechte Tage." Trainer Jänike nickte nur. "Das war kein taktisches Meisterwerk. Das war Herzblut. Und manchmal reicht das eben." Sein Gegenüber Patrick We hingegen stapfte wortlos in die Kabine. Später murmelte er noch: "Wir haben alles richtig gemacht - bis zur 46. Minute." So endet ein Spiel, das wahrscheinlich noch lange Gesprächsstoff liefern wird. Capelle triumphiert 3:2 nach 0:2 - ein Ergebnis, das sich liest wie ein Märchen. Und irgendwo auf den Rängen, zwischen Pappbechern und kalten Pommes, sagte ein Fan: "Ich wusste es - wir sind das Team der zweiten Halbzeit." Vielleicht hatte er recht. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum man Fußball liebt. 07.06.643987 00:32 |
Sprücheklopfer
Nevio Scala ist ein phantastischer Trainer und er hat eine tolle Mannschaft. Dortmund wird ganz sicher Weltmeister!
Giovanni Trappatoni