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Ein frostiger Februarabend in der ungarischen 1. Liga, 47.653 Zuschauer im Elore-Stadion, und doch kochte die Stimmung schon nach vier Minuten über. Denn kaum hatte Schiedsrichter Horvath das Spiel angepfiffen, zappelte der Ball auch schon im Netz von Ujpest Budapest. Ernö Deak, der laufstarke Mittelfeldmotor des BSV Elore, zog aus gut 20 Metern ab - und weil Torwart Niels Haase offenbar noch im Aufwärmmodus war, bedeutete das 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Deak nach dem Spiel, "aber wenn’s so reingeht, beschwer’ ich mich nicht." Ujpest-Trainer Josh Allen raufte sich da schon früh die Haare. Seine Elf, offensiv eingestellt und mit dem Pressingknopf offenbar auf Dauerfeuer, wirkte überrascht, wie gradlinig Elore agierte. Und die Hausherren legten nach: In der 25. Minute kombinierte sich Uwe Schindler über rechts durch, flankte scharf in den Strafraum, wo Archie Cort per Direktabnahme auf 2:0 erhöhte. "Das war wie im Training", meinte Schindler später - und Cort ergänzte trocken: "Nur dass wir im Training nie treffen." Zwei Chancen, zwei Tore - Effizienz, wie sie in jedem Lehrbuch stehen könnte. Elore hatte bis zur Pause 56 Prozent Ballbesitz und 18 Torschüsse im gesamten Spiel, aber diese beiden frühen Treffer waren das Fundament für den späteren Sieg. Ujpest, das keineswegs wehrlos war, brauchte eine Weile, um sich zu fangen. In der 37. Minute gelang der Anschluss: Jeno Dalnoki stand nach Pass von John Primes goldrichtig und schob eiskalt zum 2:1 ein. "Wir wollten zeigen, dass wir auch Fußball spielen können", sagte Dalnoki mit einem Augenzwinkern - und hatte recht: Fortan bestimmte Budapest das Geschehen, ohne die Partie ganz drehen zu können. Die zweite Halbzeit begann mit viel Elan und wenig Ertrag. Edmund Szusza, der auffällig agile Linksaußen der Hausherren, prüfte Haase gleich mehrfach (55., 58., 62.). Auf der Gegenseite versuchte es wieder Dalnoki (51., 95.), doch Elore-Keeper Vilmos Orth blieb standhaft - und einmal half auch die Latte. In der 72. Minute wurde es hitzig: Ujpests Innenverteidiger Julian Brito sah Gelb nach rustikalem Einsteigen. Dass er in der Nachspielzeit (91.) die Ampelkarte kassierte, passte ins Bild eines Abends, an dem Leidenschaft manchmal die Vernunft überholte. "Ich hab’ nur den Ball gesehen", behauptete Brito später - sein Gegenspieler Daniel Rednic zeigte mit einem blauen Fleck auf dem Schienbein, dass da wohl noch mehr im Spiel war. Trainer Kurumi Makishima, sonst nicht für große Emotionen bekannt, sprang nach dem Schlusspfiff in die Luft, als hätte sie selbst das Siegtor erzielt. "Wir haben mit Mut und Struktur gespielt", lobte sie, "und ja, manchmal auch mit Glück." In der 81. Minute musste sie noch kurz zittern: Rechtsverteidiger Torsten Ingimarsson verletzte sich bei einem Zweikampf, humpelte vom Platz und wurde durch den jungen Florian Nyers ersetzt. Der 25-Jährige machte seine Sache ordentlich - auch wenn er später zugab, beim ersten Ballkontakt "vor lauter Aufregung den Rasen getroffen" zu haben. Für frischen Wind sorgten am Ende auch zwei Teenager: Peter Feher und Sandor Lorant, beide 17, kamen in der 89. Minute zu ihren ersten Ligaeinsätzen. Lorant hätte sich beinahe unsterblich gemacht, als er in der 96. Minute aus spitzem Winkel abzog. Der Ball strich hauchdünn über die Latte - und Makishima griff sich lachend an den Kopf: "Der Junge hat Nerven aus Stahl. Oder gar keine." Ujpest blieb bemüht, Coach Allen wechselte alles ein, was noch laufen konnte - doch trotz eines Schussverhältnisses von 8:18 und weniger Ballbesitz (44 Prozent) reichte es nicht mehr. "Wir haben gut gespielt, aber leider im falschen Moment geschlafen", bilanzierte Allen nüchtern. So blieb es beim 2:1, ein Arbeitssieg für Elore, ein Lehrstück für Effektivität - und vielleicht auch ein kleiner Meilenstein für die Jugend, die am Ende auf dem Platz stand. "Wenn man 17 ist und gegen Budapest spielt, denkt man nicht nach, man rennt einfach", meinte Feher in der Mixed Zone. "Und hofft, dass keiner merkt, wie sehr man zittert." Makishima dagegen wirkte gelassen: "Drei Punkte, keine größeren Verletzungen, und die Fans glücklich - was will man mehr?" Vielleicht eine bessere Abwehrquote, könnte man einwenden. Aber an diesem Abend zählte nur eines: Elore lebt, kämpft - und lacht. Und manchmal reicht das, um ein Fußballspiel zu gewinnen. 25.07.643990 00:32 |
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Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
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