Sport-Blick
+++ Sportzeitung für Schweiz +++

Breitenrain trotzt Luzern - 2:2 nach wilder erster Halbzeit

Wenn ein Spiel in der 32. Minute schon 2:2 steht, kann man sich als Reporter entspannt zurücklehnen - oder hektisch die Notizen ordnen, weil man sicher ist, dass noch fünf Tore folgen. Beim Duell zwischen dem FC Breitenrain und Blau-Weiss Luzern am 31. Spieltag der 1. Liga Schweiz war beides möglich - am Ende blieb es aber beim turbulenten 2:2, das sich wie ein Kurzfilm voller Wendungen anfühlte.

Vor 41.484 Zuschauern (eine erstaunlich hohe Zahl für einen Februartag in Bern) begann Breitenrain mutig. Schon nach 60 Sekunden prüfte Jean-Pierre Gaudin den Luzerner Keeper Lasse Rauch - ein Schuss, der so scharf war, dass selbst die Eckfahne kurz erzitterte. Trainer Markus Stoller meinte hinterher lachend: "Da dachte ich, heute geht’s Schlag auf Schlag - und das stimmte ja irgendwie auch."

Zunächst aber jubelten die Gäste. In der 16. Minute traf Robert Locklear nach Vorarbeit von Dylan Bosworth - ein wuchtiger Schuss ins lange Eck, so präzise, dass man fast applaudieren musste. Neun Minuten später legte Roger Römer eiskalt nach, versenkte nach Pass von Jan Born die Kugel zum 0:2. Breitenrain wackelte - und der Stadionsprecher hatte schon das nächste Luzerner Tor auf den Lippen.

Doch dann kam das, was man in Bern wohl "den Breitenrain-Moment" nennt: ein Doppelschlag, der die Tribünen aus der Winterstarre riss. Javier Pacos (31.) vollendete einen schnellen Angriff über Callum Logan, und kaum hatte man den Torjubel beendet, zimmerte der 19-jährige Christophe Meister (32.) den Ball nach Vorarbeit von Jean-Pierre Gaudin ins Netz. Zwei Tore in einer Minute - und plötzlich war alles wieder offen. "Ich hab gar nicht gefeiert, ich bin einfach weitergelaufen", grinste Meister später, "weil ich dachte, wir machen gleich das nächste."

Danach beruhigte sich das Geschehen ein wenig - zumindest ergebnistechnisch. Chancen blieben aber reichlich. Breitenrain kam auf neun Torschüsse, Luzern auf satte 14, und mit einem Ballbesitz von 51,5 Prozent hatten die Gäste das Spiel nominell in der Hand. In Wirklichkeit sah das jedoch oft nach wildem Schlagabtausch aus - lange Bälle von Luzern, schnelle Konter von Breitenrain.

In der zweiten Halbzeit zeigten beide Teams, dass man auch ohne Tore unterhalten kann. Roger Römer prüfte Keeper Ognjen Stankovic mehrfach (50., 51., 79. Minute), während Calle Logan auf der Gegenseite in Minute 67 fast den Siegtreffer vorbereitete. Statt Torjubel gab’s aber Diskussionen - über Abseitssituationen, über das Wetter ("Typisch Februar, der Ball springt wie ein Flummi", schimpfte Luzerns Trainer Reinhard Wild) und über den Rasen, der mit jeder Grätsche etwas mehr in Richtung Kartoffelacker tendierte.

Für Aufregung sorgte noch die Verletzung von Robert Locklear (75.), der nach starkem Auftritt humpelnd vom Platz musste. Sein Ersatz Felipe Caballero versuchte, das Sturmloch zu füllen, doch die Kräfte schwanden. "Wir wollten das 3:2, aber am Ende waren die Beine leer", gab Wild zu.

Breitenrain-Coach Stoller wechselte in der Schlussphase munter durch - sogar der 17-jährige Ersatztorwart Bartilomiej Spizak durfte in der 90. Minute noch ran. "Das war keine Strafe für Stankovic", betonte Stoller schmunzelnd, "sondern eine Belohnung für den Jungen. Und vielleicht ein kleiner psychologischer Trick - wer weiß?"

Das Spiel endete, wie es begann: mit Tempo, Emotion und einem Gefühl, dass beide Teams gern noch etwas länger gespielt hätten. 2:2 - ein Ergebnis, das keiner so richtig wollte, aber alle irgendwie verdienten.

"Wir haben gezeigt, dass wir Moral haben", sagte Torschütze Javier Pacos nach Abpfiff. "Aber ehrlich - nach 0:2 dachte ich kurz, das wird heute ein langer Abend." Sein Gegenspieler Römer konterte mit einem Grinsen: "Wenn du zwei Tore in einer Minute kassierst, fühlst du dich wie in einer schlechten Serie - alles passiert zu schnell."

Am Ende blieb das Fazit, dass Fußball manchmal einfach Spaß macht, auch ohne Sieger. Zwei Mannschaften, die offensiv dachten, defensiv schwankten und gemeinsam einen Abend lieferten, über den man noch am Kiosk diskutiert.

Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn jedes Unentschieden so aussieht, dann nehm’ ich davon gern zwei pro Woche."

Und wer weiß - vielleicht treffen sich Breitenrain und Luzern bald wieder. Dann hoffentlich mit weniger Schweiß, aber genauso viel Spektakel.

21.03.643990 12:50
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wir haben die Chancenverwertung nicht verwertet.
Andreas Brehme
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager