Sport-Blick
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Breitenrain tanzt Luzern aus - ein 3:1 zwischen Präzision, Chaos und Kaffeepause

Der 3. Spieltag der 1. Liga Schweiz bot am Samstagabend alles, was den Fußball zwischen Bratwurst und Bier so herrlich macht: frühe Tore, leichte Überforderung der Defensive und einen Trainer, der am Spielfeldrand mehr Kilometer machte als seine Außenverteidiger. Der FC Breitenrain schlug vor 42.669 Zuschauern im heimischen Stadion die Gäste von Blau-Weiss Luzern mit 3:1 - und das mit einer Mischung aus jugendlicher Spielfreude und taktischer Disziplin, die man in der 1. Liga sonst eher selten sieht.

Schon nach elf Minuten bebte die Gegengerade: Aaron Saint-Pierre, gerade einmal 20, jagte den Ball nach einem präzisen Zuspiel von Brandon Satchmore unhaltbar in die Maschen. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du’s nicht probierst, bleibt’s bei Null", grinste der junge Stürmer später, noch mit Rasen im Haar. Zwei Minuten später drehte sich das Drehbuch weiter: Satchmore selbst erhöhte auf 2:0 - diesmal nach Vorarbeit von Javier Pacos, der auf der rechten Seite so flink war, dass der Luzerner Linksverteidiger wohl noch heute nach seiner Orientierung sucht.

Doch wer gedacht hatte, die Partie sei damit gelaufen, unterschätzte Luzerns Sturmpaarung. In der 18. Minute war es Robert Locklear, der nach feinem Zuspiel des umtriebigen Ilias Chalbinski den Anschlusstreffer erzielte. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht zum Sightseeing gekommen sind", sagte Locklear später mit einem trockenen Lächeln. Tatsächlich drängten die Luzerner danach auf den Ausgleich, hatten zwischen der 25. und 30. Minute gleich drei gefährliche Abschlüsse - alle von Locklear und Chalbinski, die Breitenrains Keeper Ognjen Stankovic zu artistischen Paraden zwangen.

Doch Breitenrain blieb eiskalt. Zum Start der zweiten Hälfte brachte Trainer Markus Stoller den frischen Alberto Di Calabria, und der bedankte sich postwendend: kaum eine Minute auf dem Platz, traf der Mittelfeldmann in der 46. Minute zum 3:1 nach einer butterweichen Flanke von Callum Logan. "Ich wollte eigentlich auf Sicherheit spielen", lachte Di Calabria später, "aber wenn’s läuft, läuft’s."

Von diesem Moment an war die Partie entschieden. Blau-Weiss Luzern rannte, kämpfte, schoss - insgesamt zwölfmal, aber ohne Fortune. Breitenrain dagegen verwaltete die Führung mit 56 Prozent Ballbesitz und einer Zweikampfquote knapp über 51 Prozent. Das sah nicht immer elegant aus, aber es war effektiv. "Wir haben uns auf Konter eingestellt, aber Breitenrain hat uns gar nicht erst in die Position gebracht", räumte Luzern-Trainer Reinhard Wild ein. Er stand dabei so unter Strom, dass sein Notizblock nach Abpfiff aussah, als habe er ihn mit einem Regenschauer verwechselt.

Eine Szene in der 69. Minute zeigte den Charakter des Spiels vielleicht am besten: Callum Logan prüfte Luzerns Torhüter Robert Siebert mit einem Distanzschuss, der so platziert war, dass der Keeper nur noch den Kopf schütteln konnte. "Ich hab ihn gesehen, aber der Ball war einfach schon da", meinte Siebert - halb bewundernd, halb resigniert.

Kleine Dramen gab es nebenbei auch: Satchmore sah in der 12. Minute Gelb, weil er nach seinem Torjubel offenbar meinte, er könne die Eckfahne als Mikrofon benutzen. Luzerns Dylan Bosworth und Marcel Benveniste kassierten ebenfalls Verwarnungen - beide nach rustikalen Zweikämpfen, die eher an Ringerduelle erinnerten.

Taktisch blieb Breitenrain durchgehend offensiv eingestellt, aber mit kontrolliertem Passspiel. Luzern versuchte es mit langen Bällen, oft vergeblich. Als der junge Phillip Lavoie in der 77. Minute eingewechselt wurde, war längst klar, dass die Partie kippen würde, wenn überhaupt, nur noch in der Statistik.

"Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Markus Stoller nach dem Abpfiff. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur schön spielen, sondern auch clever." Dann grinste er und fügte hinzu: "Und drei Tore sind ja schöner als zwei."

Reinhard Wild hingegen suchte Trost in der Analyse: "Wir haben gute Phasen gehabt, aber Breitenrain war einfach effizienter. Vielleicht müssen wir im Training mal das Tor etwas größer malen."

Als die Flutlichter erloschen, blieb das Gefühl, dass hier ein Team gereift ist. Breitenrain spielte, als wüsste jeder, wann er zu laufen und wann er zu lachen hat. Luzern dagegen wirkte, als würde es den Rhythmus noch suchen - irgendwo zwischen Hoffnung und Hektik.

Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Standing Ovations, während Aaron Saint-Pierre mit einem verschmitzten Grinsen in die Kurve winkte. Vielleicht dachte er da schon an das nächste Spiel. Oder einfach daran, dass Fußball manchmal ganz einfach ist: Ball, Tor, Jubel - und ein bisschen Glück im richtigen Moment.

Und so ging ein Abend zu Ende, an dem Breitenrain zeigte, dass Offensivgeist und Humor durchaus zusammenpassen. Wer das Spiel gesehen hat, weiß: In der 1. Liga Schweiz wird nicht nur Fußball gespielt - hier wird Theater aufgeführt, mit Ball statt Skript.

22.06.643990 03:48
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Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
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