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Wenn 38.500 Zuschauer an einem kühlen Märzabend ins Stadion pilgern, hoffen sie auf Spektakel - und der Bonner SC tat ihnen diesen Gefallen. Mit einem furiosen 5:3-Sieg gegen Hannover boten die Rheinländer am 25. Spieltag der 1. Liga Deutschland ein Fußballtheater, das eher an einen Jahrmarkt erinnerte als an ein taktisches Schachspiel. Dabei sah es zunächst gar nicht nach einem Bonner Jubelabend aus. Schon in der 4. Minute stach Charles Catrall zu - eiskalt nach Vorarbeit von Adamantios Manos. 1:0, das Stadion vibrierte. Doch der frühe Jubel wich schnell skeptischen Blicken, als Hannovers Lukas Penicka (13.) und Henrich Hlinka (19.) den Gästen innerhalb weniger Minuten die Führung bescherten. Zwei Nadelstiche, zwei Treffer - und Bonns Abwehr wirkte kurzzeitig wie im Winterschlaf. "Wir haben uns in der Pause angeschaut und gesagt: Leute, das war defensiv eher Kreisliga", grinste später Trainer Lukas Teuber, der an der Seitenlinie zwischen Verzweiflung und Galgenhumor pendelte. In der Kabine muss er dann wohl die richtigen Worte gefunden haben - oder einfach nur den Kaffee nachgegossen. Denn die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag: Miguel Deco (51.) jagte den Ball nach einer Ecke von Amaury Martins ins Netz. 2:2, und plötzlich war wieder Feuer in der Partie. Doch Hannover konterte, wie es sich für ein "offensiv" eingestelltes Team gehört. Hlinka, der schon in Halbzeit eins getroffen hatte, schlenzte in der 63. Minute cool ins lange Eck - 2:3. Man konnte fast hören, wie sich Teuber die Haare raufte. "Das war so ein Moment, wo du denkst: Bitte nicht schon wieder so ein Spiel", sollte er später seufzen. Aber Bonn hatte an diesem Abend offenbar beschlossen, die Nerven ihrer Fans auf eine Belastungsprobe zu stellen - und sie dann zu belohnen. Nur zwei Minuten nach dem Rückstand schlenzte Amaury Costinha (65.) den Ball aus 18 Metern präzise ins Eck. Wieder einmal hatte Manos den entscheidenden Pass gespielt. Es war der Ausgleich zum 3:3 - und das Signal für die Bonner Offensive, endgültig die Kontrolle zu übernehmen. Ab der 70. Minute rollte Angriff auf Angriff auf das Tor von Hannovers Keeper Oscar Warriner zu. Catrall (80.) schnürte nach Zuspiel von Cameron Prinsloo seinen Doppelpack, und als in der Nachspielzeit der eingewechselte Antonio Gutierrez (92.) erneut von Manos bedient wurde, war der Wahnsinn perfekt: 5:3! Manos, der mit drei Torvorlagen glänzte, wurde nach dem Spiel fast schon schüchtern befragt, ob er sich nicht als "stillen Helden" des Abends sehe. Seine Antwort: "Ich mag lieber, wenn andere feiern. Ich laufe nur da, wo der Ball hinmuss." Die Statistik bestätigte den Bonner Sieg eindrucksvoll: 17 Torschüsse zu 8, 57 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von 53 Prozent - und vor allem deutlich mehr Spielfreude. Hannover wirkte nach der Pause zunehmend müde, verlor den Zugriff und musste sich schließlich auf den eigenen Torwart verlassen - bis dieser kurz vor Schluss verletzt ausschied. "Oscar hat einen Schlag abbekommen, das sah nicht gut aus", erklärte Gästetrainer Daniel Dietrich besorgt. "Aber schlimmer war unsere zweite Halbzeit. Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen." Auffällig war, dass Bonns Pressing kurz vor Schluss noch einmal deutlich anzog. "Wir wollten sie einfach nicht mehr atmen lassen", sagte Catrall mit einem schelmischen Grinsen. "Wenn du merkst, dass der Gegner wankt, dann musst du draufgehen - wie ein Boxer, der den Knockout riecht." Auch die Gelben Karten passten ins Bild: Martins (31.) und Simeri Crichi (87.) bei Bonn, McGee (74.) bei Hannover - alle eher Ausdruck von Übermotivation als von Härte. "Mir war das egal", meinte Trainer Teuber. "Wenn du 5:3 gewinnst, darf’s auch mal ein bisschen ruppig sein." Für Hannover bleibt die Erkenntnis, dass Offensivgeist ohne defensive Balance selten reicht. Zwei Tore von Hlinka, eines von Penicka - das konnte sich sehen lassen. Aber hinten war’s schlicht zu offen. "Wir wollten mutig bleiben", verteidigte Dietrich seine Taktik. "Nur haben wir vergessen, dass Mut manchmal auch bedeutet, den Ball einfach mal rauszuschlagen." Als das Flutlicht erlosch und die Bonner Fans noch immer sangen, stand fest: Dieser Abend wird in der Stadt noch ein paar Tage nachhallen. Es war kein perfekter, aber ein herrlich chaotischer Fußballabend - mit allem, was dazugehört: Dramatik, Tore, Emotionen und ein kleines bisschen Wahnsinn. Oder, wie es ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn das so weitergeht, brauch ich bald Herztabletten - aber wenigstens mit Spaßfaktor." 25.06.643993 16:39 |
Sprücheklopfer
Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.