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Ein kalter Märzabend, 37.916 Zuschauer im Ilmenauer Stadion, Flutlicht, Bratwurstduft - und eine Heimmannschaft, die in der ersten halben Stunde aussah, als hätte sie die eigene Spielanweisung im Bus vergessen. Der Bonner SC nutzte das gnadenlos und gewann am Ende verdient mit 2:1 (2:0) gegen Germania Ilmenau. Schon in der Anfangsphase machten die Gäste aus dem Rheinland klar, dass sie mit Offensivdrang und Flügelspiel angereist waren. Der quirlige Yannick Van Moer prüfte Ilmenaus Keeper Luis Kern bereits in der zweiten Minute - und das gleich dreimal in den ersten zwanzig Minuten. "Ich dachte, der Junge hat einen Magneten im Fuß. Der Ball kam immer wieder zu ihm zurück", seufzte Germania-Trainer Thorben Hartung später halb bewundernd, halb verzweifelt. In der 23. Minute war es dann soweit: Claude Amyot, Bonns linker Flügelflitzer, nahm einen butterweichen Pass von Michel Eliezer mit, tanzte zwei Verteidiger aus und schob überlegt zum 0:1 ein. "Ich hab einfach gemacht, was der Trainer sagt: Flanke, Schuss, Jubel", grinste Amyot nach dem Spiel. Nur vier Minuten später der nächste Nadelstich - wieder Eliezer als Passgeber, diesmal auf Esteban Makukula. Der zentrale Mittelfeldmann hielt aus 20 Metern drauf, der Ball zischte unhaltbar in den Winkel. 0:2. Bonner SC in Spiellaune, Ilmenau im kollektiven Tiefschlaf. "Da waren wir kurz im Theatermodus: alle schön zugeschaut, keiner eingegriffen", polterte Hartung in der Pause. Seine Elf kam dann aber wie ausgewechselt aus der Kabine. Mehr Zug, mehr Mut, mehr Risiko. Und endlich auch Zählbares: In der 65. Minute setzte Joker Carsten Funk - gerade erst für den müde wirkenden Ben Haase gekommen - zu einem beherzten Sprint auf links an, legte quer, und Jesus Korn donnerte den Ball aus 16 Metern unter die Latte. 1:2 - plötzlich war Stimmung im Rund. Die Ilmenauer Fans, bis dahin eher still und frierend, verwandelten die Tribünen in ein rot-blaues Tollhaus. Fynn Hennig vergab in der Schlussphase gleich drei Großchancen (87., 88., 90.), jeweils hauchdünn vorbei. Der Ball wollte einfach nicht mehr über die Linie. "Ich hätte auch bis Mitternacht weiterschießen können", fluchte Hennig später, "aber Amaury Panero im Bonner Tor hatte wohl einen guten Abend - oder einen Pakt mit dem Querbalken." Bonns Trainer Lukas Teuber sah das naturgemäß entspannter: "Wir haben stark begonnen, dann ein bisschen zu viel verwaltet. Aber unterm Strich haben wir das clever gespielt. Und Eliezer? Der war heute unser Metronom. Wenn der den Ball hat, läuft’s einfach." Der 32-jährige Flügelmann, an beiden Toren beteiligt, nickte bescheiden: "Ich bin halt lieber der Mann für den letzten Pass. Das Rampenlicht überlasse ich den Jungen." Statistisch war das Spiel nahezu ausgeglichen - 14:15 Torschüsse, 49 zu 51 Prozent Ballbesitz. Aber während Bonn in den entscheidenden Momenten eiskalt zuschlug, fehlte Ilmenau die letzte Präzision. Auch taktisch blieb Hartungs Team bis zum Schluss offensiv ausgerichtet, doch die Bonner Verteidigung um Simeri Crichi und Martins ließ kaum noch klare Chancen zu. Als Schiedsrichter Tobias Mertens nach 94 Minuten abpfiff, sanken einige Ilmenauer zu Boden - erschöpft, enttäuscht, aber begleitet von Applaus. Man hatte gekämpft, wenn auch zu spät. "Wir haben Moral gezeigt, das nehme ich mit", sagte Hartung. "Nur dumm, dass Moral keine Punkte gibt." Für Bonn war der Sieg der dritte in Folge - der Aufwärtstrend hält. In der Bonner Kabine wurde laut gelacht, während aus dem Nachbarraum dumpfe Bässe eines frustrierten Fitnessgeräts dröhnten. Jesus Korn, der Torschütze, saß mit einem Handtuch über dem Kopf und murmelte: "Wenn wir so anfangen wie wir aufgehört haben, dann holen wir die Punkte noch zurück. Nur bitte ohne zwei Gegentore in 25 Minuten." So blieb es beim 1:2, einem Spiel, das alles hatte: frühe Treffer, späte Spannung, Trainerflüche und einen Hauch von Tragikomödie. Germania Ilmenau verlor, aber wenigstens stilvoll. Und Bonn? Die reisen heim mit drei Punkten - und vermutlich einem Ohrwurm, der da heißt: Über die Flügel läuft’s. Fazit des Abends: Wer die ersten 30 Minuten verschläft, braucht sich über Albträume danach nicht zu wundern. 12.02.643994 02:57 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack