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Es war einer dieser Abende, an denen Fußball mehr mit Psychologie als mit Physik zu tun hat. 29.529 Zuschauer im Estadio Cerrense sahen, wie ihr Team CD Cerrense alles versuchte, um Bohemios Montevideo zu besiegen - und am Ende doch mit leeren Händen dastand. 0:1 hieß es nach 90 intensiven Minuten am 9. Spieltag der uruguayischen Primera División. Der Unterschied? Ein Schuss, ein Geistesblitz, ein Fernando da Costa. Bis zur 49. Minute hatte das Spiel den Charme einer Schachpartie, bei der beide Seiten vergessen, dass man Figuren auch opfern darf. Cerrense hatte mehr vom Ball - knapp 49 Prozent Ballbesitz, 12 Torschüsse - doch die Gäste aus Montevideo waren effizienter und abgeklärter. "Wir wussten, dass Cerrense gerne das Spiel kontrolliert, aber Kontrolle schießt keine Tore", grinste Bohemios-Coach Gabriel Mendez nach Abpfiff (der Mann, der offenbar nie schwitzt). Und dann kam dieser Moment: Srdan Erceg, der bullige Rechtsaußen mit der Körpersprache eines Mannes, der schon alles gesehen hat, zog auf der rechten Seite an, passte scharf nach innen - und Fernando da Costa, der ruhige Stratege im Mittelfeld, nahm Maß. Ein flacher Schuss, präzise wie ein Uhrwerk, unhaltbar für Cerrenses Keeper Thierry Benveniste. 1:0 für Bohemios - und das Stadion wurde für einen Augenblick so still, dass man das Rascheln der Ersatzleibchen hörte. "Ich dachte, er spielt den Ball noch einmal quer", fluchte Cerrenses Abwehrchef Dorin Dumitrache später. "Aber er hat einfach draufgehalten. Der Mann hat Nerven aus Stahl." Was folgte, war ein Sturmlauf der Gastgeber, der an Verzweiflung grenzte. Riley Anderson donnerte den Ball zweimal aus bester Position in die Arme von Bohemios-Keeper Leo Caviness (70. und 71.), und Domingo Andrade versuchte es in der 88. Minute noch einmal aus der zweiten Reihe - über das Tor, in den Abendhimmel. "Wenn wir das Tor treffen, gewinnen wir", murmelte Trainer Leahcim Gnipeur auf der Pressekonferenz, während er seine Wasserflasche mit einem resignierten Seufzen öffnete. Dabei hatte Cerrense durchaus Momente. Salvador Meira prüfte schon in der 6. Minute den Torhüter, Kay Schäfer tanzte auf der linken Seite mehrfach seinen Gegenspieler aus, und wäre da nicht die berühmte Torlinie, vielleicht hätte der Ball irgendwann den Weg ins Netz gefunden. Doch Fußball bleibt eine Sportart, in der "fast" leider keinen Punkt bringt. Bohemios Montevideo hingegen spielte clever. Aggressiv in den Zweikämpfen (drei Gelbe Karten hätten es sein können, es blieb bei einer für Julien Beaulieu), diszipliniert in der Defensive, und mit einem Mittelfeld, das den Rhythmus des Spiels diktierte, wie ein erfahrener Dirigent. Da Costa und Varela ließen den Ball laufen, als sei es ein warmer Sommerabend im Park. Und wenn Cerrense zu sehr drückte, dann konterte Bohemios - eiskalt und schnörkellos. Ein Wermutstropfen für die Hausherren: In der 58. Minute verletzte sich Duarte Galindo nach einem unglücklichen Zusammenprall und musste vom Platz. Sein Ersatz Sean MacPhee brachte zwar frischen Wind, aber keine Tore. "Ich wollte zeigen, dass ich bereit bin", sagte MacPhee später. "Leider war der Ball anderer Meinung." Statistisch betrachtet, war das Spiel nahezu ausgeglichen: 12:8 Torschüsse, 49 zu 51 Prozent Ballbesitz, Zweikampfquote leicht zugunsten der Hausherren. Doch am Ende zählt das, was auf der Anzeigetafel steht - und da prangte beharrlich das 0:1. Nach Abpfiff sah man auf der einen Seite jubelnde Bohemios-Spieler, die sich gegenseitig auf die Schultern klopften, als hätten sie gerade den Titel gewonnen. Auf der anderen Seite Cerrense-Spieler, die auf den Rasen starrten, als suchten sie die verlorene Chance zwischen den Grashalmen. "Wir haben gekämpft, aber manchmal gewinnt eben der, der das Glück auf seiner Seite hat", sagte Gnipeur zum Abschied in die Mikrofone. Da Costa hingegen grinste nur: "Glück? Nein. Präzision." Ein Satz, der die Partie perfekt zusammenfasst. Und während die Fans von CD Cerrense enttäuscht die Tribünen verließen, summte ein älterer Herr im Vereinshemd: "Vielleicht nächstes Mal." Dann zog er seinen Schal enger. Fußball kann grausam sein - aber selten so lehrreich. (613 Wörter) 30.08.643990 16:53 |
Sprücheklopfer
Nevio Scala ist ein phantastischer Trainer und er hat eine tolle Mannschaft. Dortmund wird ganz sicher Weltmeister!
Giovanni Trappatoni