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Blau-Weiss Zürich verzweifelt an Fribourgs eiserner Defensive

Es gibt Abende, da kann man den Ball 90 Minuten lang liebkosen, streicheln, umarmen - und er will einfach nicht rein. Genau so einer war der Freitagabend im Zürcher Letzigrund, als Blau-Weiss Zürich vor 38.057 Zuschauern den SV Fribourg empfing und am Ende mit einem frustrierenden 0:1 (0:1) vom Platz schlich.

Dabei war das Drehbuch zunächst klar: Die Gastgeber wollten nach dem etwas holprigen Saisonstart Wiedergutmachung leisten, Trainer Felix Stoch hatte seine Elf "auf Sieg programmiert", wie er es vor dem Spiel formulierte. Und tatsächlich, sie begannen mit Druck, Schwung und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein. Bereits in der dritten Minute zischte der erste Schuss von Ewan Valentine nur knapp am Pfosten vorbei. Der Engländer war an diesem Abend der Inbegriff des Pechs - gleich fünf seiner Versuche fanden nicht den Weg ins Netz.

"Ich hatte das Gefühl, der Torwart hat Magneten in den Handschuhen", stöhnte Valentine später mit einem gequälten Lächeln. Gemeint war Fribourgs Keeper Caio Semedo, der an diesem Abend zum Helden avancierte. Ob halbhoch, platziert oder mit Wucht - alles, was Richtung Tor kam, landete in seinen Armen oder wurde artistisch über die Latte gelenkt.

Die Gäste aus Fribourg, von Coach Dario Rota gewohnt pragmatisch eingestellt, brauchten nicht viele Chancen, um zuzuschlagen. In der 38. Minute kombinierten sie sich einmal in den Strafraum - und das reichte. Harvey Leclair zog auf links an, legte quer, und Sedat Kas, der 21-jährige Wirbelwind im Sturm, vollendete eiskalt zum 0:1. Der Jubel im Gästeblock war ohrenbetäubend, während die Zürcher Defensive einander vielsagende Blicke zuwarf.

"Wir wussten, dass Blau-Weiss viel Ballbesitz haben würde. Aber Ballbesitz schießt keine Tore", grinste Rota nach dem Spiel, der mit der Abgeklärtheit eines Schachmeisters an der Seitenlinie stand. Und er hatte recht: 51 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse - es half alles nichts.

Nach dem Gegentreffer drückte Zürich, was das Zeug hielt. Alexander McGrath prüfte Semedo kurz vor der Pause, Dirk Philipp verzog knapp, und kurz nach Wiederanpfiff rauschte wieder Valentine heran - diesmal aus spitzem Winkel, wieder ohne Erfolg. Die Fribourger verteidigten tief, aber diszipliniert, und wenn sie doch mal vorwärts kamen, dann mit erstaunlicher Zielstrebigkeit.

In der 61. Minute versuchte Caio Santos, mit einem Distanzschuss für die Vorentscheidung zu sorgen, doch Torhüter Cesar Pauleta war zur Stelle. Danach spielte eigentlich nur noch Blau-Weiss, allerdings zunehmend mit der Verzweiflung eines Teams, das weiß: Heute will der Ball einfach nicht rein.

Trainer Stoch reagierte mit drei Wechseln innerhalb von fünf Minuten - der 17-jährige Dirk Philipp machte Platz für Mohamed Serfontein, Ewan Valentine durfte nach 84 Minuten erschöpft vom Feld, und Mario Demo, der kurz zuvor noch Gelb sah, wurde durch Darko Zdravkovic ersetzt. "Irgendwann denkst du, vielleicht hilft frische Energie. Oder ein Wunder. Beides blieb leider aus", kommentierte Stoch später trocken.

In der 87. Minute hatte Manuel Moutinho die letzte Riesenchance, doch auch sein Schuss landete in der Fangarme Semedos. Und als in der Nachspielzeit Pedro Corcoles noch einmal volley draufhielt, war der Torwart wieder da - natürlich.

Fribourg brachte das 1:0 mit stoischer Ruhe über die Zeit, und beim Schlusspfiff jubelten sie, als hätten sie den Pokal gewonnen. Sedat Kas, der Torschütze, sagte mit leuchtenden Augen: "Das war ein Sieg des Willens. Wir haben jede Grätsche gefeiert, als wäre es ein Tor."

Blau-Weiss Zürich hingegen stand mit leeren Händen da, obwohl sie statistisch fast alles richtig gemacht hatten: mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr Torschüsse. Nur eben ein Tor weniger. "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen", meinte Stoch zum Abschluss, "außer vielleicht, dass sie den Torwart zum besten Mann des Spiels gemacht hat."

Ein Zuschauer auf der Tribüne brachte es vielleicht am besten auf den Punkt: "Zürich hat alles gegeben - nur den Ball nicht ins Tor." Und so blieb ein Abend, der nach Aufbruch roch, einer jener typischen Fußballtage, an denen der Sport einfach macht, was er will.

In Fribourg wird man das egal finden. Drei Punkte im Gepäck, ein junger Held namens Sedat Kas - und ein Trainer, der mit einem Augenzwinkern sagte: "Manchmal reicht ein Schuss. Heute war dieser Schuss unserer."

07.08.643990 10:47
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Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
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