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Wer an diesem frostigen Freitagabend im Februar noch Zweifel an der Offensivkraft von Blau-Weiss Luzern hatte, bekam sie im Minutentakt ausgeräumt. 40.483 Zuschauer sahen im Swissporstadion ein Spiel, das eigentlich nach zwei Minuten schon entschieden war. 4:0 hieß es am Ende gegen den FC Breitenrain - ein Ergebnis, das so klar war wie der Himmel über dem Vierwaldstättersee. Schon mit dem ersten Angriff machte Luzerns Mittelstürmer Robert Mantovani dort weiter, wo er letzte Woche aufgehört hatte: Tore schießen, als wäre es ein Nebenprodukt des Aufwärmens. Nach einer butterweichen Vorlage von Dylan Bosworth zimmerte er den Ball in Minute 2 aus zwölf Metern unter die Latte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Trainer Reinhard Wild später, "aber Robert dachte wohl, das Tornetz muss getestet werden." Was folgte, war kein Spiel auf Augenhöhe, sondern eher eine Lehrstunde in Sachen Effizienz. Breitenrain, das tapfer mit offenem Visier angetreten war, kam in der Anfangsphase nicht hinterher. Roger Römer, Luzerns quirliger Linksaußen, drehte die Partie endgültig in eine Einbahnstraße. Erst traf er in der 24. Minute nach Vorlage von Diego Giuliani, dann legte er in der 37. Minute, nach einem feinen Pass von Bosworth, das 3:0 nach. Römer selbst nahm es mit Humor: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hat sich entschieden, ins Tor zu gehen." Als wäre das nicht genug, setzte Mantovani kurz nach der Pause (52.) den Schlusspunkt. Nach Vorarbeit von Julien Achard schob er seelenruhig zum 4:0 ein. Danach durfte man getrost den Eindruck haben, Luzern spiele auf dem Trainingsplatz. Breitenrain versuchte zwar, mit Wechseln zur Pause (Klug und Manu raus, Berryer und Turcotte rein) frischen Wind zu bringen, doch der blieb aus. Spätestens nach der Gelben Karte für Dawid Glowacki (58.) schien klar: Der Gast wollte nur noch Schadensbegrenzung. Trainer Markus Stoller stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte etwas, das man als "Das ist heute nicht unser Tag" interpretieren konnte - oder als stilles Stoßgebet. Eine Szene blieb dennoch im Gedächtnis: kurz vor der Halbzeit verletzte sich Luzerns Giuliani nach einem Zweikampf, musste raus und wurde durch Piotr Chawanow ersetzt. "Nur eine Prellung", gab Coach Wild später Entwarnung, "Giuliani hat mehr gelitten, als er die Ersatzbank sah." Statistisch gesehen war Luzerns Sieg ebenso eindeutig wie auf der Anzeigetafel: 18 Torschüsse zu 5, 54 Prozent Ballbesitz, eine Tacklingquote von knapp 56 Prozent. Breitenrain kam immerhin zu einem zarten Lebenszeichen, als Julian Klug in der 46. Minute aus der Distanz abzog - aber Torhüter Robert Siebert faustete den Ball mit der Lässigkeit eines Mannes, der wusste, dass der Abend ihm gehört. Taktisch blieb Luzern über 90 Minuten voll auf Angriff programmiert: offensiv, kurzpassorientiert, immer mit dem Blick nach vorne. Breitenrain dagegen wollte mit "offensiver Ausrichtung" dagegenhalten - auf dem Papier. Auf dem Rasen sah es eher nach Schadensbegrenzung aus. In der Schlussphase durfte dann noch der 17-jährige Henri Diarra für den zweifachen Torschützen Römer ran. Der Youngster wagte in der Nachspielzeit sogar einen Schuss (91.), der knapp über das Tor strich. Das Stadion raunte - man gönnte ihm den Ehrentreffer fast mehr als den Gastgebern ihr viertes Tor. Nach Abpfiff fasste Trainer Wild das Spiel so zusammen, wie es wohl jeder gesehen hatte: "Wir wollten früh Druck machen. Dass es so gut klappt, freut mich - und wahrscheinlich auch meine Stürmerstatistik." Kollege Stoller hingegen blieb nüchtern: "Vier Chancen, vier Tore - das ist schon brutal effizient. Wir hatten fünf Chancen, aber leider kein Glück. Und kein Mantovani." So endete ein Spiel, das weniger spannend als beeindruckend war. Blau-Weiss Luzern zeigte, warum sie in dieser Saison zu den Aufstiegsanwärtern gehören, während Breitenrain wohl noch ein paar Abende über diesen Freitag grübeln wird. Oder wie ein älterer Herr mit Schal auf der Tribüne es formulierte, als er genüsslich seinen letzten Becher Glühwein leerte: "Wenn das so weitergeht, sollte man Eintritt fürs Training verlangen - da ist wenigstens Spannung drin." Ein 4:0, das keiner vergaß - außer vielleicht der FC Breitenrain, der es am liebsten schnell würde. 16.01.643991 10:28 |
Sprücheklopfer
I hope, we have a little bit lucky.
Lothar Matthäus bei seiner ersten Pressekonferenz in New York